Bohrungen zwischen Neckarhausen und Sulz sollen Klarheit über die Bodenbeschaffenheit für den Sulzer Bahntunnel schaffen. Doch das Bauprojekt ist umstritten.
Der geplante Tunnel der Bahn bei Sulz beschäftigt die Menschen vor Ort. Wird der aktuelle Bahnhof erhalten bleiben, wird es am Ende zwei Stationen geben, und wie sieht es mit der Anbindung nach Stuttgart und Singen aus?
Einen ersten Schritt zum Tunnelbau wird die Deutsche Bahn Mitte September gehen. Dann finden nämlich Bodenerkundungen zwischen Neckarhausen und Sulz statt.
Bohrungen direkt an Tunneltrasse
Wir haben bei der Bahn nachgefragt, was es damit genau auf sich hat. „Die Bohrungen erfolgen entlang einer geplanten Tunneltrasse zwischen Neckarhausen und Sulz“, erläutert ein Bahnsprecher.
Die Bohrpunkte würden dabei unter Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten wie Zugänglichkeit, Nutzung oder Umweltschutzgebieten entweder direkt an oder etwas entfernt von der geplanten Tunneltrasse platziert.
Proben werden analysiert
Doch warum das Ganze? „Die Bohrungen dienen der Erkundung der Boden- beziehungsweise Untergrundverhältnisse. Mit Blick auf die weitere Planung ist es notwendig, detaillierte Kenntnis über den Aufbau des Untergrunds zu erlangen“, heißt es seitens der Bahn.
Bei den Bohrungen und Bodenerkundungen werde man Probenmaterial sammeln und analysieren, teilt das Verkehrsunternehmen weiter mit.
Droht das „Tunnel-Aus“?
Nach Beendigung der Erkundungsarbeiten würden die Flächen jedoch wieder hergerichtet und so übergeben, dass sie ihrer ursprünglichen Bestimmung nach entsprechend genutzt werden könnten.
Kann es bei kritischen Ergebnissen der Bodenproben zu einem Aus für den Sulzer Bahntunnel kommen? „Der Untergrund im Bereich des geplanten Tunnels wurde bereits als geeignet bewertet“, stellt die Bahn klar.
Arbeiten bis Anfang 2026
Die Bohrungen dienten vielmehr dazu, genauere Informationen über den Aufbau des Bodens zu gewinnen, um mögliche Risiken auszuschließen.
Und was bedeuten die Arbeiten, die voraussichtlich bis ins erste Quartal 2026 andauern werden, für den tagtäglichen Berufsverkehr vor Ort? „Die Bohrstellen wurden so ausgesucht, dass der Individualverkehr möglichst nicht gestört wird“, erklärt der Bahnsprecher. Trotzdem könne es vereinzelt zu Einschränkungen kommen.
Falls Einschränkungen nötig seien, beantragt die Deutsche Bahn diese wie vorgeschrieben bei den zuständigen Stellen. Die Vermessungsarbeiten beträfen ausschließlich den Schienenverkehr, stellt er klar. „Bei den bisherigen Messungen konnten Beeinträchtigungen stets vermieden werden“, versichert der Sprecher.
Ist es „rausgeschmissenes Geld“?
Doch der künftige Tunnel könnte nicht nur Auswirkungen auf die Pendler in ihren Autos auf der nebenan verlaufenden Straße haben. Bahnexperte Roland Morlok vom Deutschen Bahnkundenverband hatte das Projekt in einer Veranstaltung im Februar schlichtweg als „rausgeschmissenes Geld“ bezeichnet.
Denn beim Sulzer Tunnel wurden die Baukosten bisher auf 244 Millionen Euro geschätzt. Den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn um Sulz ohne Tunnel taxiere Morlok hingegen auf lediglich 100 Millionen Euro.
Und ein zweigleisiger Ausbau sei ihm zufolge auch besser für den Güterverkehr. „In Horb steht jetzt das Black Forest Terminal. Singen als Terminal ist schon bis an die Grenze ausgelastet. Auch der Güterbahn hilft ein eingleisiger Tunnel in Sulz nicht“, hält er fest.