Die Bodenerkundungen der Bahn für den geplanten Tunnel sorgen für stockenden Verkehr für Autofahrer in Sulz.
Vor knapp einem Jahr wurde der Sulzer Kreisverkehr an der Stuttgarter/Montendre Straße eingeweiht mit dem Versprechen, für weniger Ampeln und einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen.
Autofahrer, die diesen Kreisverkehr passiert haben und weiter der Montendre Straße Richtung Aistaig folgten, werden sich nun verwundert die Augen gerieben haben, als ihre Fahrt plötzlich von einer neuen Ampelanlage gestoppt wurde.
Untergrund wird analysiert
Warnbaken und eine große Maschine sorgten für eine einspurige Fahrbahn und somit die Regelung per Ampelschaltung. Dabei geht es, so zeigt sich, um Bodenerkundungen der Bahn.
„Im Rahmen der Planung führt die DB zwischen Neckarhausen und Sulz entlang der geplanten Tunneltrasse notwendige Bodenerkundungen durch, um den Aufbau des Untergrunds zu analysieren“, teilt die DB InfraGO AG auf Nachfrage mit.
Bis erstes Quartal 2026
Dabei umfassen die Arbeiten neben Bohrungen auch Bodenuntersuchungen und Vermessungen. Die Flächen werden nach Beendigung der Erkundungsarbeiten wieder hergerichtet und so übergeben, dass sie ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung genutzt werden können.
Doch wann wird das für den Tunnelbau relevante Gebiet durchgeprüft sein? „Die Bohrungen werden voraussichtlich im ersten Quartal 2026 abgeschlossen sein“, äußert sich das Unternehmen mit Blick auf das Gesamtprojekt.
Optimale Anschlüsse
Und räumt auch ein: „Die Arbeiten können mit kurzfristigen Verkehrsbeeinträchtigungen verbunden sein.“ Die Bahn selbst bezeichnet die Gäubahn – von Stuttgart über Sulz bis in die Schweiz – als eine wichtige internationale Hauptverkehrsader.
Der Tunnelbau im Südabschnitt der Gäubahn soll die Züge bereit für den Deutschlandtakt machen, so dass Reisende auf der gesamten Strecke von kürzeren Fahrtzeiten und optimalen Anschlüssen profitieren.
Tunnel oder zwei Gleise?
Doch der geplante Tunnelbau stößt auch auf Kritik. Bahnexperte Roland Morlok vom Deutschen Bahnkundenverband hatte das Projekt in einer Veranstaltung im Februar schlichtweg als „rausgeschmissenes Geld“ bezeichnet.
Denn beim Sulzer Tunnel wurden die Baukosten bisher auf 244 Millionen Euro geschätzt. Den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn um Sulz – ohne Tunnel – taxiere Morlok hingegen auf lediglich 100 Millionen Euro.
Und ein zweigleisiger Ausbau sei ihm zufolge auch besser für den Güterverkehr. „In Horb steht jetzt das Black Forest Terminal. Singen als Terminal ist schon bis an die Grenze ausgelastet. Auch der Güterbahn hilft ein eingleisiger Tunnel in Sulz nicht“, hält er fest.