Ein Haus mit Jugendherberge-Flair soll direkt neben dem Albeck-Gymnasium in Angriff genommen werden. Dazu sind mehrere Baumaßnahmen nötig. Die Abstimmung, ob es zu dem Projekt kommen soll, ist jedoch denkbar knapp ausgefallen.
Soll das alte Kutschenhaus an der Weilerstraße renoviert werden und daraus ein Zeichen der Städtepartnerschaft mit Montendre, aber auch eine Übernachtungsmöglichkeit für Schulprojekte oder Touristen werden? Im Gemeinderat wurde hart um die Entscheidung gerungen.
Die Gesamtkosten, um am Ende ein funktionsfähiges Gebäude zu haben, liegen bei rund 720 000 Euro. „Wir haben einen 40-prozentigen Leader-Zuschuss über 194 000 Euro“, kommt Reiner Wössner, Leiter des Stadtbauamtes, auf das Förderprojekt zu sprechen.
Platz für 28 Personen
Darüber hinaus will der Sulzer Städtepartnerschaftsförderverein Global zusätzlich 50 000 Euro auf den Tisch legen und gemeinsam mit den französischen Freunden aus Montendre bauliche Eigenleistungen in Höhe von 143 000 Euro miteinbringen. Damit beliefen sich die Netto-Kosten für die Stadt auf 330 000 Euro – allerdings ist der Grunderwerb noch nicht eingerechnet.
Der Gedanke: Das Haus soll so ertüchtigt werden, dass Gruppen bis zu 28 Personen in dem mehrstöckigen Gebäude mit Jugendherbergscharakter übernachten können. Dazu müssten unter anderem Fundamente ergänzt, Sanitärbereiche ausgebaut und auch eine neue Treppe eingebaut werden.
Fernwärme, Strom und Wasser
„Die Elektroinstallation und die energetische Dämmung am Dach werden durch den Global-Verein erbracht“, erläutert Wössner.
Um das Haus, das aktuell noch mit dezentralen Einzelfeuerstellen beheizt wird, ans Fernwärmenetz der Stadt anzuschließen, muss eine 30 Meter lange Anschlussleitung verlegt werden, die auch Strom, DSL, Wasser sowie Abwasser beinhalten würde.
Marktnische für Übernachtungen
Die jährlichen Betriebskosten veranschlagt Wössner bei etwa 18 460 Euro, eine Kostendeckung sieht er bei einer 20-prozentigen Auslastung gegeben. „Die Freizeitmesse CMT hat gezeigt, dass der Tourismus im Kreis wieder anzieht“, erklärt er.
In Sulz seien die Zahlen jedoch deutlich zurückgegangen. Von einstmals 16 Beherbergungsbetrieben gäbe es nur noch sieben. Die Anzahl der Betten ist von 500 auf 300 gesunken. In diese Lücke könne das Gästehaus Montendre stoßen und ein Angebot für Rad- und Wanderreisende am Neckartal- sowie dem Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg sein.
Vermietung online möglich
„Das ist dann aber auch für Vereine oder ganze Schulkassen interessant“, führt er weiter aus. So habe ihm die Schulleitung des Albeck-Gymnasiums, das in direkter Nachbarschaft liegt, gesagt, dass man das Angebot gerne nutzen wolle.
Das Gebäude soll über gängige Internetportale frei für alle Interessenten buchbar sein. Das bedeutet, dass die Prüfung der Verfügbarkeit und die Buchungen komplett online abgewickelt und die Zugangsfreigabe über einen Schlüsselkasten mit Code gewährleistet werden könne.
Pendant zu Haus in Frankreich
Bei der An- und Abreise der Gäste müsse also kein eigenes Personal vor Ort sein. Die Bewirtschaftung des Hauses sei mit der Aufnahme des Gebäudes in das städtische Gebäudemanagement hingegen vollumfänglich gewährleistet.
Wössner stellt das Gästehaus in die Reihe zahlreicher Aktionen mit der Städtepartnerschaft, die 1976 ihren Anfang nahm und 20 Jahre später zu einem Hausbau aus Sulz in der südwestlich von Frankreich liegenden Stadt führte.
Zehn zu neun
2026 wird in Montendre das 50. Partnerschaftsjubiläum gefeiert, ein Jahr später gehen die Feierlichkeiten in Sulz weiter.
Die Abstimmung zu dem Projekt fällt spürbar knapp aus. Zehn Stadträte stimmen dafür, neun sind dagegen. Somit wird der Sperrvermerk, der wegen der unsicheren Finanzlage im vergangenen Jahr erlassen wurde, wieder aufgehoben.