Das Interesse der Verbraucher an der Herkunft der Lebensmittel steigt. Das war wohl auch ein Grund für die große Zahl an Besuchern beim Hoffest auf dem Ziegenhof von Carolin und Alexander Dietz.
Winterlingen-Harthausen - Bei Veranstaltungen in der Reihe "Gläserne Produktion" hätten Verbraucher Gelegenheit, vor Ort zu erleben, wo und vor allem wie ihre Lebensmittel produziert werden, so erklärte Jana Kleen, Leiterin des Landwirtschaftsamtes Zollernalb, die große Resonanz auf das Hoffest der "Ziegenhütte Zollernalb" am Ortsrand von Harthausen. Groß war das Interesse vor allem bei Familien mit Kindern, die bei der Führung mit Alexander Dietz viel Wissenswertes über Haltung und Fütterung seiner 85 Milchziegen erfuhren und viele Fragen stellten.
Ausgebüxte Ziege ist immer dabei
Ständige Begleiterin war eine ausgebüxte Ziege, an der vor allem die Kinder ihre helle Freude hatten. Sie lernten, dass das Euter einer Ziege nur zwei Zitzen hat, eine Kuh deren vier, und dass eine zweimal am Tag gemolkene Ziege etwa 3,5 Liter Milch abgebe. Um aber ein Kilogramm Schnittkäse herstellen zu können, müssten 17 Liter Ziegenmilch verarbeitet werden.
Dass die Milchziegen der Rasse France Alpine auf dem Ziegenhof richtig schleckig sein können, konnten die Gäste live beobachten, denn sie suchen im Unterschied zu Rindern ganz wählerisch immer nur nach den feinsten Heublättchen im Futter.
Die Hörner sollten dran bleiben
Dietz plädierte eindeutig für die Haltung behörnter Tiere, da die Ziegen ihre Hörner nicht nur bei den Rangkämpfen nutzten, sondern auch zum Kratzen auf ihrem Rücken sowie zum Heranziehen des Futters aus der Futterkrippe. Darüber hinaus spielten die Hörner und die Kopfhaltung bei der Kommunikation mit anderen in der Gruppe eine wichtige Rolle, so der Ziegenexperte.
Zur Schlachtung der Tiere kamen ebenfalls Fragen auf. Diesbezüglich jedoch hätten es die Harthauser Ziegen in seinem nach Bioland-Richtlinien geführten Betrieb gut getroffen, verriet Dietz: Die Milchziegen blieben deutlich über zehn Jahre lang und in aller Regel sogar bis zu ihrem Lebensende auf dem Hof. "Eine Vermarktung unserer Ziegen in der Wurstbüchse bringe ich nicht übers Herz", beteuerte Dietz. Dazu sei sein Respekt vor der Kreatur einfach zu groß.
Die Käserei ist auf dem Hof
Die Milch der Ziegen verarbeiten Carolin und Alexander Dietz vollständig in der eigenen Hofkäserei zu mehreren Käsevarianten und verkaufen sie sowohl im eigenen Hofladen als auch auf regionalen Märkten. Das Futter für die Tiere produzieren sie komplett auf eigenen Flächen, und selbst das Kraftfutter, das Dietz wegen seiner Beliebtheit bei den agilen Vierbeinern als "Ziegenschokolade" bezeichnet, stellt er aus Ackerbohnen und Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen, selber her. Als zweites Standbein baut die Familie auf den Ackerflächen des Biohofes Hafer, Dinkel und Linsen als Speisegetreide an.
Die Musik spielt bei Petra Pfaff-Fellinger
Zur Stärkung gab es nach den Erklärungen an mehreren Ständen Köstlichkeiten vom Hof und Getränke regionaler Anbieter. Auch der Kuchenstand war am Nachmittag immer gut besucht und die ortsansässige Sängerin Petra Pfaff-Fellinger unterhielt am E-Piano die vielen Hofgäste mit bekannten Hits und flotten Rhythmen. Zudem war vor dem Hofladen ein kleiner Markt aufgebaut, auf dem Kunsthandwerk-Produkte aus der Umgebung von Veringenstadt bis Melchingen erhältlich waren, und im Hofladen der Familie Dietz deckten sich die Besucher vor dem Heimweg mit Bio-Produkten ein.