Wo heute noch Gewächshäuser stehen, soll in den kommenden Jahren bezahlbarer Wohnraum entstehen. Foto: Fritsch

Das ehemalige Gärtnerei-Areal in Hirsau wird sein Gesicht verändern: 31 Wohneinheiten sind geplant. Darüber freut sich grundsätzlich auch der Bau- und Umweltausschuss der Stadt. Würde nicht mancher ein Problem mit den Parkplätzen kommen sehen.

Calw-Hirsau - Dass überall Wohnraum – vor allem bezahlbarer – gebraucht und gesucht wird, ist wahrlich nichts Neues. Dass in Hirsau zwischen Uhland- und Panoramastraße genau solcher entstehen soll, ebenfalls nicht. Dass der Bau- und Umweltausschuss der Stadt Calw nun die Weichen gestellt hat, um das Projekt weiter voranzubringen, schon.

 

Zeitplan

Läuft alles nach Plan – unter anderem auch vorausgesetzt, die entscheidenden Gremien treffen entsprechende Beschlüsse – könnte die Erschließung des Gebietes bereits Mitte/Ende 2023 beginnen. Das erklärte Andreas Quentin, Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Verkehr bei der Stadt Calw, am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion. Auf jeden Fall sei geplant, noch in diesem Jahr das Bebauungsplanverfahren abzuschließen, danach könnte der Bauherr – die Deutsche Reihenhaus AG (DRH) – in die Vermarktung einsteigen. Doch der Reihe nach.

Vorgeschichte

Als Anfang vergangenen Jahres bekannt wurde, dass die Gärtnerei Märkle in Hirsau sich drastisch verkleinern wird – um rund 2000 Quadratmeter Gewächshausfläche – war bei vielen Menschen die Überraschung zunächst groß. Markus und Erik Märkle hatten damals gegenüber unserer Redaktion erklärt, dies sei seit Längerem geplant gewesen. Jahrelang war der alteingesessene Betrieb auch an Sonn- und Feiertagen für Kunden da, nun wolle man kürzer treten.

Die Stadtverwaltung Calw wusste zu diesem Zeitpunkt längst Bescheid. Denn mit der Verkleinerung gingen auch andere Pläne einher: für eine Wohnbebauung auf dem frei werdenden Areal. Die Eigentümer hatten sich mit der Deutschen Reihenhaus AG geeinigt. Letztere plant gegenwärtig, rund 31 Wohneinheiten in Form von Reihenhäusern (120 beziehungsweise 145 Quadratmeter Wohnfläche) zu errichten – bezahlbarer Wohnraum für junge Familien. Ein erster Entwurf war noch von 23 Reihen- und drei Doppelhäusern auf dem mehr als 8000 Quadratmeter großen Gelände ausgegangen.

Wichtige Information am Rande: Die beiden Mammutbäume an der Uhlandstraße sollen in jedem Fall erhalten bleiben.

Aktueller Stand

War zunächst noch vorgesehen, lediglich für das ehemalige Gärtnerei-Areal die rechtlichen Voraussetzungen für eine Bebauung zu schaffen, so soll der Bereich nun in nördlicher und südlicher Richtung erweitert werden. Dieser Vorschlag kam bei einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit im späten Frühjahr 2021 auf den Tisch, um auch auf mehreren privaten Grundstücken eine Nachverdichtung zu ermöglichen und so mit Baulücken zu schließen.

Der Beschluss, den der Gemeinderat bereits Ende März vergangenen Jahres gefällt hatte (eine Voraussetzung für eine Bebauung des Gärtnerei-Areals), reicht dadurch nicht mehr aus. Darum befasste sich nun der Bau- und Umweltausschuss nochmals mit dem Thema.

Diskussion

Die Debatte des Gremiums dürfte manchem Beobachter indes bekannt vorgekommen sein. Viele Punkte waren bereits bei der ersten Vorstellung des Projektes vor rund 16 Monaten besprochen worden.

So lobte beispielsweise Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw) das Vorhaben, das für sie "wie aus einem Guss" wirke. "Das Baugebiet wird eine Bereicherung sein für Hirsau", fügte sie hinzu. 2021 meinte sie unter anderem, dass sich die geplante Bebauung gut einfüge und zum dörflichen Charakter Hirsaus passe.

Hans Necker (Neue Liste Calw) mahnte einmal mehr an, auch Fotovoltaik-Anlagen zu errichten. Diesem Wunsch, den er bereits zuvor gehegt hatte, wurde zwischenzeitlich bereits von Vorschriften auf höherer Ebene entsprochen. Seit dem 1. Mai gilt die Solarpflicht bei Wohn-Neubauten.

Parkplätze

Als wirklich dickes Brett erwies sich jedoch – wie so oft – "das Thema Parkplatzschlüssel". Mit jenem zeigte sich nämlich unter anderem Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) nicht glücklich – obgleich er dem Vorhaben sonst positiv gegenüberstand.

Geplant sind gegenwärtig 22 Garagen/Carports, sechs offene Parkplätze und 24 Stellflächen in einer Tiefgarage. Damit sind rund 1,5 Plätze pro Wohneinheit vorgesehen. Ott empfindet 1,5 Plätze jedoch generell als zu wenig – und kündigte an, dies auch generell immer wieder anzusprechen.

Thomas Zizmann (Freie Wähler) schloss sich diesem Vorbehalt an. Bereits im vergangenen Jahr hatte er angemahnt, dass es zu Schwierigkeiten in Sachen Stellplätzen kommen könnte, da keine Keller eingeplant seien und dadurch womöglich die Garagen nicht für Autos sondern als Abstellraum herhalten müssten. "Ich sehe da ein Problem nachher. Das gibt ein Chaos", warnte Zizmann mit Blick auf die Uhlandstraße und den nahegelegenen Parkplatz, der dann womöglich stattdessen genutzt werde. Eine Befürchtung, die indes auch in der Öffentlichkeitsbeteiligung geäußert worden war.

Eine Kostenfrage

Die "fehlenden" Keller, das war jedoch bereits in der Sitzung 2021 deutlich geworden, hängen an der Kostenfrage – denn Keller sind teuer. Und der Wohnraum, der entsteht, soll andererseits kostengünstig sein. Unter anderem vor diesem Hintergrund scheint auch unwahrscheinlich, dass der Vorschlag von Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw), einfach zehn Stellplätze mehr in der Tiefgarage zu bauen, umgesetzt wird.

Generell, so griff schließlich Oberbürgermeister Florian Kling ein, müssten bei jedem Vorhaben viele verschiedene Ansprüche berücksichtigt und Kompromisse gefunden werden – wenn es beispielsweise um Themen wie geringer Flächenverbrauch, Nachverdichtung, die Kosten und natürlich die Parkplätze gehe. All diese Konflikte "werden wir heute Abend nicht lösen können", meinte Kling.

Mannsfeld ärgerte sich indes über die ganze Debatte. "Man muss doch froh sein, wenn wir so mit dem Gebiet umgehen", sagte sie. Außerdem, so ihre düstere Prophezeiung mit Blick auf die derzeitige Lage in der Welt, würden sich viele Familien künftig ohnehin keine zwei Fahrzeuge mehr leisten können.

Beschluss

Am Ende empfahl das Gremium bei einer Enthaltung, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan des Gebiets zu fassen. Stimmt in knapp zwei Wochen auch der Gemeinderat zu, werden danach der Bebauungsplanentwurf öffentlich ausgelegt und die Behörden beteiligt.