Wilhelm König will Politik transparent und mit großer Bürgerbeteiligung gestalten. Foto: Schneider

Wie kann man grünen Strom dezentral vor Ort produzieren, speichern und bei Bedarf auf kurzem Weg verbrauchen? Diese Frage beschäftigt Wilhelm König. Doch der Stadtrat (FWV) will sich auch für mehr Transparenz in der Politik und Beteiligung einsetzen.

Wilhelm König ist einer, der sich mit Nachhaltigkeit auskennt. „Schon vor über 30 Jahren habe ich alternative Kraftstoffe für meine Traktoren genutzt“, verrät der Agrar-Ingenieur. 2003 kam dann noch die große Photovoltaik-Anlage aufs Dach, um selbst Energie erzeugen zu können.

 

Da er mit Holz heize, werde nur das an CO₂ dabei freigesetzt, was der Baum zuvor aus der Luft gebunden habe, erklärt er. Ebenso wie sein Haus. „Ein Holzhaus ist der beste CO₂-Speicher“, erläutert er. Denn bis auf den Keller sei keinerlei Beton verwendet worden – im Bausektor einer der größten Klimasünder.

Größtmögliche Beteiligung

Doch nicht nur in Umweltaspekten ist König aktiv. Bei der Kommunalwahl ist er nämlich auch für die Freie Wählervereinigung in den Gemeinderat gekommen. Zuvor war er aber schon 20 Jahre im Mühlheimer Ortschaftsrat gesessen.

„Ich will, dass Entscheidungen transparent und mit größtmöglicher Beteiligung der Bürger getroffen werden“, beschreibt er sein erklärtes Ziel. Das sei in der Vergangenheit nicht so gewesen. „Dadurch bekommen die politischen Ränder immer mehr Zulauf“, ist seine Befürchtung.

Bürgerentscheid bei Großprojekten

Er habe seinen Hut in den Ring werfen wollen, um das Miteinander von Politikvertretern und Wählerschaft zu stärken. In diesem Sinne befürwortet er auch Bürgerentscheide. „Das ist ein kontinuierlich mühsamer Weg, aber ein notwendiger“, erklärt der 57-Jährige.

„Eigentlich sollte so ein Bürgerentscheid bei allen Großprojekten die Regel sein“, findet er. Denn dass die Bürgerschaft damals bei der Teststrecke von Daimler nicht richtig eingebunden worden sei, wirke bis heute nach, überlegt er.

Ackerland oder Industriefläche?

Bedenken hat er auch beim Regionalen Gewerbegebiet. „Die Böden sind für die Landwirtschaft sehr gut“, analysiert König das Potenzial der Mühlbachebene. Im Vergleich zu seinen Äckern rund um den Weiherhof könnte man dort mit wenig Aufwand einen sehr hohen Ertrag erwirtschaften.

„Ich sehe es kritisch, dass solche Flächen für Industrie genutzt werden sollen“, gesteht er. Darüber hinaus sei auch die Fokussierung auf einen einzelnen Großinvestor der falsche Weg. „In guten Zeiten läuft es mit der Gewerbesteuer toll“, sagt er. Doch komme das Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage, werde es auch für die Stadt schwierig.

Mittelstand im Fokus

Und verweist auf den schwedischen Batteriehersteller Northvolt, der auch einmal Interesse für Sulz bekundet habe. Ende 2024 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Solch eine Abhängigkeit könne sich für die Kommune auch als Bumerang erweisen, warnt er.

„Wir sollten die kleinen und mittelständischen Betriebe, die wir jetzt haben, pflegen“, schlägt er eine andere Strategie vor. Denn auch ihm ist klar, dass man nur das ausgeben könne, was man – etwa über die Gewerbesteuer – auch tatsächlich einnehme.

Kommunale Windräder für Sulz

Mit Blick auf die wirtschaftliche Gesamtsituation ist König wenig optimistisch. „Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen“, befürchtet er. Doch könnten dabei auch Windräder helfen – nur eben nicht so viele.

„Mit zwei oder drei kommunal betriebenen Windrädern, auf einem von den Bürgern akzeptierten Standort, könnte man die ganze Stadt mit regenerativem Strom versorgen und darüber hinaus erhebliche Einnahmen für die Stadtkasse generieren“, skizziert er seine Überlegungen.

Zusätzlich in Stromspeicher zu investieren sei Königs Ansicht nach klüger als 20 bis 30 Windräder rings um Sulz herum im Wald aufzustellen.

Stromspeicher für die Nacht

Wie man Strom direkt vor Ort produziere und auch verbrauche, damit hat er als Mitglied der Energiegenossenschaft Haigerloch-Bittelbronn Erfahrung. „Der größte Teil der Ortschaft ist an unsere Biogasanlage angeschlossen“, erklärt er das Konzept.

So erhielten die Haushalte Strom und Wärme direkt von nebenan. Allerdings nicht immer. „Wir speisen den Strom ein, wenn er gebraucht wird. Also dann, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint“, erläutert er.

Energieversorgung vor Ort

Deshalb seien für ihn nicht noch mehr Windräder das Wichtigste. Das Gelingen der Energiewende stehe und falle für ihn mit der Verfügbarkeit von Speichermöglichkeiten des grünen Stroms.

„Darüber müssten wir eigentlich reden“, fordert König. Denn da die Stromleitungen von den Offshore-Parks der Nordsee eben noch nicht in den Süden reichen, müsse der nötige Strom dezentral vor Ort gewonnen – und gespeichert- werden. Vor diese Aufgabe sei auch die eigene Kommune am Neckar gestellt

Dass es in der Gemeinde mittlerweile zwei verfeindete Lager – die Windkraftbefürworter sowie die -kritiker – gäbe, tue den Menschen nicht gut. „Das hätte man anders angehen sollen“, wünscht er sich rückblickend.