Nach der geplatzten Fusion sind der FV 08 Rottweil und der FC Suebia weiter auf sich alleine gestellt. Auch auf dem Fußballplatz könnte das Auswirkungen haben – ein Landesligist in der Stadt dürfte so mittelfristig kein realistisches Szenario mehr sein.
Die Enttäuschung, sie saß auch ein paar Tage danach noch tief. Am vergangenen Donnerstag (26. März) hatten die Mitglieder des FV 08 Rottweil den Verhandlungen zur Verschmelzung mit dem FC Suebia Charlottenhöhe einen Riegel vorgeschoben, bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kam keine Dreiviertel-Mehrheit zustande.
Personelle Konsequenzen beim FV 08
Ein herber Dämpfer für die Verantwortlichen beider Vereine, zumindest beim FV 08 wurden umgehend personelle Konsequenzen angekündigt. Mehrere Vorstandsmitglieder wollen bei der regulären Wahl am kommenden Freitag nicht mehr antreten.
Enttäuschung ist noch vorhanden
Und auch auf dem Fußballplatz, also sozusagen dem Kerngeschäft der beiden Rottweiler Vereine, könnte die zum zweiten Mal geplatzte Fusion große Auswirkungen haben. „Die Zusammenarbeit wäre eine Riesenchance gewesen“, sagt Philipp Kleiter, sportlicher Leiter bei FC Suebia. Von der F-Jugend bis 2015 spielte er für die 08er und kennt daher beide Seiten gut und war auch ein paar Tage nach der Entscheidung „immer noch enttäuscht“.
Von der Fusion hatten sich die Vereine mehr Attraktivität erhofft
Mit dem FC Suebia steht er vor sportlich schwierigen Zeiten, der Abstieg aus der Bezirksliga ist so gut wie besiegelt. „Und auch in der Kreisliga wird es nicht einfach“, sagt er. Von der Fusion hatten er und seine Mitstreiter sich deshalb einen Schub für den Fußball in Rottweil gewünscht, auch durch die „Attraktivität eines neuen Vereins“.
Konkurrenz um Jugendspieler?
Gemeint ist vor allem die Außendarstellung, die Zuschauer und potenzielle Neuzugänge gleichermaßen anspricht. So aber werden auch in Zukunft beide Vereine – sprichwörtlich – ihr eigenes Süppchen kochen und „um Jugendspieler buhlen“, wie Mike Wutta befürchtet.
Der A-Jugendtrainer beim FV 08 gehörte vor zwei Jahren zum Team, das sich damals schon für eine Fusion stark machte – bekanntlich ohne Erfolg. Auch beim zweiten Anlauf war er ein großer Befürworter der Zusammenarbeit. „Es gibt wenig rationale Gründe dagegen.“
Starke erste Mannschaft als Perspektive
Seine Meinung ist stark durch die Arbeit mit den Nachwuchskickern geprägt. „Viele unserer Jugendspieler haben schon in überregionalen Ligen gespielt. Sie brauchen eine starke erste Mannschaft als Perspektive“, findet er.
Gemeinsam wäre mittelfristig die Landesliga möglich gewesen
Genau hier scheint es jedoch zu klemmen. Denn weder der FV 08 Rottweil noch der FC Subia machen derzeit sportlich den Eindruck, als wäre die Landesliga realistisch. Im Gegenteil: „Wir sind in der Bezirksliga am sportlichen Maximum“, sagt Kleiter. Einem fusionierten Rottweiler Verein hätte er mittel- bis langfristig auch die Landesliga zugetraut.
Das Worst-Case-Szenario: Ein Rottweiler Doppelabstieg
Doch danach sieht es momentan nicht aus, auch der FV 08 hat in der Staffel 2 den Bezirksliga-Klassenerhalt noch lange nicht in der Tasche. Als Achter von 14 befindet man sich zwar eigentlich solide im Mittelfeld. Durch die Bezirksreform steigt jedoch die halbe Liga ab, es droht das Worst-Case-Szenario: Ein Rottweiler Doppelabstieg in die Kreisliga A, in der sich dann reihenweise ambitionierte Ex-Bezirksligisten tummeln. Und dass man gemeinhin sagt, dass der Aufstieg oft schwieriger ist als der Klassenerhalt, dürfte es nicht einfacher machen.
Die Weichen werden gestellt
Und dann? „Wir machen weiter“, verspricht Kleiter für den FC Suebia. Und auch beim FV 08 wurden sportlich die Weichen für die Zukunft gestellt. Im Spiel gegen den TSV Trillfingen feierten Sorin Lutzeier, Patrick Bantle, Jakob Klaiber, Florent Qevani und Niko Merkle aus der A-Jugend ihr Debüt für die erste Mannschaft.
Lob für Youngster in der ersten Mannschaft
„Dass die Jungs das so stabil und unaufgeregt runtergespielt haben – Kompliment an unsere Youngsters. Saubere Leistung“, lobte Trainer Alfidi hinter. Auch der sportliche Leiter Ralf Volkwein zeigte sich begeistert: „Die jungen Spieler haben großes Potenzial. Deswegen sind wir sehr glücklich darüber, dass sie jetzt auch bei der ersten Mannschaft angekommen sind.“
Und auch in Zukunft will man beim FV auf die Jugend setzen – auch ohne Fusion.