Fußgänger sind nicht selten mit Problemen im Straßenverkehr konfrontiert. Bei einer Ortsbegehung in Frommern schaute man sich nun einige Problemstellen an.
Der Fußverkehrs-Check in Balingen ging mit einer Begehung im Ortsteil Frommern in die nächste Runde. Eine Gruppe aus Bürgern, Gemeinderäten und Stadtverwaltung trotzte am Dienstagabend dem fiesen Herbstwetter und diskutierte über Problemstellen, mit denen Fußgänger zu kämpfen haben. Dabei kristallisierten sich zwei Schwerpunktthemen heraus.
Manuel Kitzmann vom Fachbüro Planersocietät zeigte sich erfreut über die rund 15 Teilnehmer, die sich der Begehung durch Frommern anschlossen und verschiedene Problemstellen ansprachen.
Einige Probleme am Schulzentrum
Viel Zeit nahm sich die Gruppe gleich zu Beginn am Schulzentrum Frommern. Dort sieht unter anderem der Schulleiter Martin Kettner, der sich ebenfalls der Runde anschloss, viel Verbesserungspotenzial für seine Schüler.
„Wir haben schon oft über Verbesserungen gesprochen, aber es bewegt sich einfach zu wenig“, sagte Kettner. Er nannte zum Beispiel fehlende Radwege, die zur Schule führen und die schwache Beleuchtung rund um das Schulzentrum.
„Dazu haben wir einen enormen Abhol- und Bringverkehr zu Schulbeginn und gegen Schulende.“ Kitzmann notierte sich die Sorgen und konnte aus Erfahrung mit anderen Kommunen, die am Fußverkehrs-Check teilnahmen, berichten, dass gerade die Fußgängersituation an Schulen besonders heikel sei – aufgrund der vielen Autos.
Geschwindigkeitsverringerung geplant
Ortsvorsteher Stephan Reuß musste der Runde direkt mitteilen, dass Balingen, wie die meisten Kommunen, aktuell vor großen finanziellen Herausforderungen stehe. So sei ein Parkdeck für die Autos der Mitarbeiter unrealistisch, da das Geld hierfür nicht da sein wird. Selbst eine Schranke, die Autos fernhalten könnte, sei womöglich finanziell nicht stemmbar.
Umsetzbar und in der Planung ist dagegen eine Geschwindigkeitsverringerung in der Beethovenstraße auf Tempo 30.
Ein weiterer neuralgischer Punkt ist die Jahnstraße. Eine Anwohnerin sprach von zahlreichen Stolperfallen und einer nicht zufriedenstellender Oberflächenstruktur. Auch berichteten einige aus der Gruppe von Kindern, die vereinzelt Schwierigkeiten haben, die Straße zu überqueren, aufgrund der schlechten Sicht durch parkende Autos.
An diesem Beispiel wurde deutlich, dass es für Verwaltung nicht einfach werden wird, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. „Wir könnten in diesem Bereich Parkplätze wegnehmen, dann laufen aber die Bürger Sturm, weil sie nicht mehr direkt an der Apotheke und anderen Läden halten können“, sagte Reuß.
Eine Einbahnstraßenregelung wurde als Idee genannt, um den Autoverkehr etwas zu beruhigen und Fußgängern mehr Luft zu verschaffen. Auch eine bauliche Sperrung etwa durch Blumenkübel war im Gespräch. Dieser Idee schob der Ortsvorsteher aber einen Riegel vor, da eine solche Sperrung nur im Einklang mit der Feuerwehr und Co. möglich ist und an anderer Stelle wieder für Frust sorge.
Weiter erkundigte sich Kitzmann nach der Barrierefreiheit für Ältere und für sehbehinderte Personen. Hierzu brachte er Brillen mit, die eine Seheinschränkung simulieren. Diese zeigten den Teilnehmern die Wichtigkeit von Pflastersteinen mit speziellen Führungslinien zur Orientierung auf. Diese Steine sind in Teilen in Frommern vorhanden, aber noch längst nicht überall.
„Wir nehmen Ihre Anliegen und Sorgen mit und werden diese in einem abschließendem Work-Shop im Winter noch mal behandeln und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten“, sagte Kitzmann am Ende der Begehung. Auch im Gemeinderat oder im Ausschuss wird der Fußverkehrs-Check noch mal auf der Agenda stehen.