Die elektronische Fußfessel ist ein wichtiger Schritt, häusliche Gewalt zu bekämpfen. Das Problem erledigt sich damit aber nicht, findet Sandra Belschner.
Beinahe jeden zweiten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet. Vielen dieser Frauen könnte vermutlich das Leben gerettet werden, wenn auffällige Gewalttäter eine elektronische Fußfessel tragen würden. Das sagt zumindest die Erfahrung aus Spanien, wo Fußfesseln seit 2009 eingesetzt werden. Laut dem Weißen Ring konnte damit die Zahl der getöteten Frauen jährlich um 25 Prozent gesenkt werden.
Die Bundesregierung will sich das nun zum Vorbild nehmen und noch dieses Jahr dafür sorgen, dass die Fußfessel auch in Deutschland eingeführt wird. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber er allein führt nicht zum Ziel.
Von Spanien lernen
Das Problem häusliche Gewalt, die den Tötungen häufig vorausgeht, verschwindet damit nicht. Femizide, also Tötungsdelikte, die sich explizit gegen das weibliche Geschlecht richten, müssen in Deutschland anders behandelt werden – in den Schulen, den Medien, den Gerichtssälen. Die Bekämpfung von häuslicher Gewalt muss ein gesamtgesellschaftlicher Akt sein. Auch das kann man von Spanien lernen.
Dort wird zum Beispiel Geschlechtergerechtigkeit im Unterricht behandelt. Es gibt Gerichte, die auf geschlechterspezifische Gewalt spezialisiert sind, und VioGén, eine Datenbank, die unter anderem Gewalttäter, Opfer und Anzeigen erfasst – und dadurch Risikoanalysen ableitet. Außerdem werden Polizisten sensibilisiert und Täter mit Hilfsprogrammen unterstützt. In Spanien ist das seit Jahren Standard. Hier in Deutschland gibt es noch nicht mal eine juristische Definition von Femiziden. Der Weg ist also noch lang.
Die Fußfessel ist eine wichtige Maßnahme. Sie darf aber die Verantwortung für Gewaltschutz nicht verschieben. Spanien zeigt: Es braucht auch Ansätze, die Frauen von der Verpflichtung entbinden, ständig auf sich selbst aufpassen zu müssen. Nur dann gibt es eine Chance für einen gerechten Kampf gegen Gewalt.