Trainer Julian Schuster hat den SC Freiburg in seinem zweiten Jahr ins Europapokalfinale geführt. Foto: Tom Weller/dpa

Der SC Freiburg steht im Endspiel der Europa League. Elf Jahre nach dem Abstieg in Liga zwei ist das hochverdient und kein Zufall, findet unser Autor.

Manchmal schreibt der Fußball sie noch: diese Geschichten, die im Vorfeld so unrealistisch klingen, dass sie nicht zu glauben sind. Denn in einer hochkommerzialisierten Branche mit Investorengruppen und regelmäßigen Transfers jenseits der 100-Millionen-Euro-Marke sind Fußballmärchen selten geworden.

 

Am Donnerstag hat der SC Freiburg mit dem Einzug ins Finale der Europa League mal wieder ein solches Märchen geschrieben. Der Verein, der vor elf Jahren in die zweite Liga abgestiegen ist und dessen Fans im Moment des wohl größten Erfolgs der Vereinsgeschichte „nie mehr zweite Liga“ skandierten, bevor sie dann vom Gewinn im Europapokal sangen.

Dass der Sport-Club am 20. Mai nun in Istanbul um den Titel spielt, ist kein Zufall. Mit Disziplin, Pragmatismus und Besonnenheit auf allen Ebenen des Clubs hat sich die Mannschaft von Trainer Julian Schuster den Finaleinzug verdient.

Beim SC Freiburg wird nichts erzwungen

Und vermutlich ist das auch der Grund, warum sich dieser Erfolg so stimmig anfühlt. Weil hier nichts erzwungen wurde. Niemand im Verein käme auf die Idee, einen Titel als Ziel auszurufen.

Jahr für Jahr halten alle Beteiligten kurz inne, wenn die magische 40-Punkte-Marke in der Bundesliga geknackt wird. Das mag von außen nach Understatement klingen, zeigt jedoch, wie der Verein denkt und funktioniert.

Der Erfolg hat seine Wurzeln im Abstieg 2015

Der historische Einzug ins Finale der Europa League ist nun der vorläufige Höhepunkt einer kontinuierlichen Entwicklung, die ihre Wurzeln auch in dem Abstieg von 2015 hat. Bereits seit einigen Jahren ist es nun mehr wahrscheinlicher, dass der SC Freiburg einen Titel gewinnt, als dass er absteigt.

Nach dem Spiel brachen bei den SC-Fans alle Dämme. Foto: Tom Weller/dpa

In diesem Jahr sind die Freiburger nun ganz dicht dran am ersten Titelgewinn ihrer Vereinsgeschichte. Und bei aller Bescheidenheit im Breisgau: Natürlich ist am 20. Mai in Istanbul gegen Aston Villa aus der Premier League – der reichsten aller Topligen Europas – nichts anderes das Ziel.