„Nach all der Sch... gehts auf die Reise – Stuttgart international“, dröhnte es zum Ende der vergangenen Saison überall dort, wo Fans des VfB Stuttgart zu finden waren. Die Mitglieder des VfB-Fanclubs mit Sitz in Locherhof ließen sich hier nicht zweimal bitten – ein Traum ging in Erfüllung.
Vom ersten Moment an war klar: „Wir sind dabei, wenn es irgendwie möglich ist“. Und es war möglich. Wenn auch mit viel Nervenkitzel, mitunter wenig Schlaf und abenteuerlichen Reiserouten. Aber nichtsdestotrotz saßen sie schnell auf gepackten Koffern.
Ganz vorne dabei: Fanclub-Vorsitzender Norbert Swoboda und Schriftführer Uli Ruoff. „Es war sofort klar, dass wir was machen wollen“, sagte Swoboda, nachdem die Qualifikation für die Champions League feststand – schließlich war der VfB Stuttgart zuletzt 2007 in der Königsklasse vertreten. Damals traten noch Spieler wie Mario Gomez, Sami Khedira oder Cacau für den VfB gegen den Ball.
Doch es brauchte vom ersten Moment an Nerven wie Drahtseile: „Die Paarungen wurden an einem Samstag um 14 Uhr bekannt gegeben. Da waren wir gerade im Stadion“, erinnert sich Uli Ruoff. Der erste Gegner auswärts: Real Madrid. Sofort schnellte die Nachfrage nach Flügen von Stuttgart nach Madrid an diesem Datum nach oben – und auch die Preise gingen durch die Decke. Beim Fanclub wurden aber noch im Stadion per Handy Flüge gebucht – vor Zürich aus.
Madrid in Schwabenhand
Gesagt, getan. Das Interesse war riesig. Mit stolzen 21 Personen zeigte der Fanclub in Madrid Flagge. „Wir konnten alle bedienen, die mit wollten“, freut sich Uli Ruoff. Teilweise wurden gar Kontakte in Spanien angezapft, um an Tickets zu kommen. Andere Reiserouten führten über Malaga oder Barcelona und weiter per Zug nach Madrid. Norbert Swoboda reiste gar von Berlin an. Sein Rückflug ging über Amsterdam nach Stuttgart – um rechtzeitig zur Sitzung des Verwaltungsrats der Sparkasse in der Heimat zu sein.
Die zentrale Plaza Mayor in Madrid war an diesem Tag jedenfalls fest in schwäbischer Hand – 8000 bis 10 000 VfB-Fans hatten die Reise angetreten. „Total entspannt“ seien die Spanier gewesen, sagt Swoboda. In einem Café neben dem Stadion sangen sich die VfBler warm fürs Spiel und es wurden fleißig Fotos mit Madrid-Fans geschossen. „Man sieht sich zum Finale in München wieder“, wurde im Spaß vereinbart. Allerdings findet dieses ohne den VfB Stuttgart statt, wie mittlerweile klar ist.
La Ola in Turin
Nächste Station: Turin. Teilweise ging es nach dem Auswärtsspiel bei den Bayern auf direktem Weg in die Metropole im Piemont. Auch hier wurden alle Register gezogen, um an Tickets zu kommen. So bestellte ein Neffe Swobodas – er hat auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft – zwei Tickets, da es mit einem deutschen Ausweis schwierig war. Letztlich schafften es fünf Mitglieder ins Stadion – das Vorstandsteam plus Thomas Weber.
Turin hatte es jedenfalls in sich. Die Reisenden waren von der Stadt begeistert. Und nicht nur sie: Die Locherhofer trafen auf das VfB-Maskottchen Fritzle, wobei es ein großes Hallo samt La Ola-Welle gab. Zudem wurden die Reisenden gefilmt und kamen gar im TV. Weniger schön: Einigen VfB-Fans wurden rund ums Stadion die Autoscheiben eingeschlagen.
Nervenkitzel in Belgrad
Eine kitzlige Angelegenheit war die Reise nach Belgrad. Die Fans von Roter Stern sind nicht unbedingt für große Herzlichkeit gegenüber Gästefans bekannt. „In der Kneipe haben wir den Kittel ausgezogen und hatten VfB-Trikots drunter“, erinnert sich Uli Ruoff. Einheimische warnten sofort und meinten, das wäre keine gute Idee. „Dafür müssen wir dankbar sein“, lacht er.
Zudem mussten die VfB-Fans 1,5 Stunden im Bus warten, bevor sie zum Stadion fahren durften. Kurz vor Spielbeginn waren die sieben Fanclubmitglieder aber auf ihrem Platz angekommen. „Ausgerechnet Silas“, hieß es, als die VfB-Leihgabe seinem Verein ein Tor einschenkte. Letztlich gab es eine deutliche Niederlage. Auch die Stimmung ließ zu wünschen übrig, da die VfB-Ultras an der serbischen Grenze umdrehten, da die Einreisekontrollen drastisch waren. Rund um das Stadion waren jedenfalls Hunderte schwer bewaffneter Polizisten – im Stadtzentrum hingegen so gut wie keiner.
Schönes Bratislava
Deutlich entspannter war es beim Gastspiel in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Im kleinen Stadion ergatterten die Eschbronner lediglich drei Karten – unter anderem waren Uli Ruoff und Edelfan Helmut Heinzmann aus Hornberg dabei. Ruoff empfiehlt die Stadt wärmstens für einen Besuch. Die Schönheiten der Stadt wurden bei einer vom VfB organisierten Führung bestaunt.
Der Clou: In einer kurzerhand von Schwaben übernommenen Kneipe gab gar VfB-Präsident Alexander Wehrle vielen Fans ein Bier aus. Zudem wurde ein Foto mit den Präsidiumsmitgliedern gemacht.
Vor dem Stadion mussten bei den Sicherheitskontrollen gar die Schuhe ausgezogen werden. Drinnen war es aber friedlich – eine Lasershow plus Geigerin sorgten für eine ganz eigene Atmosphäre.
Bilanz
„Wir hätten gerne noch eine Runde mitgenommen“, bedauert Swoboda das Ausscheiden. Die unvergesslichen Erlebnisse auf den Reisen nimmt ihnen aber keiner mehr. Zudem wurden viele Bekanntschaften geschlossen – unter anderem mit Stefan Jung, der sich fürs VfB-Präsidium bewirbt. Er saß unvermittelt in Turin im gleichen Taxi wie die Eschbronner. Jung kam dann auch zur Weihnachtsfeier des Fanclubs.