Der Fußballbezirk Nordschwarzwald will am Donnerstag die Kandidaten für die Wahlen 2027 ausloten. Nicht zugelassen sind dabei die Vertreter der Schiedsrichtergruppe Calw.
Benjamin Haug ist enttäuscht über die Atmosphäre, die in der Führungsetage des Fußballbezirks Nordschwarzwald herrscht. „Geht es um die Sache oder um einzelne Personen? Ich fände es schön, wenn sich alle mal auf den Fußball konzentrieren würden, der über allem steht“, sagt der Obmann der Schiedsrichtergruppe Calw. Kraft Amtes ist er Teil des Bezirksausschusses, der am Donnerstag in Vollmaringen tagt. Keine unwichtige Sitzung: 15 Tagesordnungspunkte, Rückblick auf die Saison, Berichte alle Referenten. Vor allem aber möchte der Bezirksvorsitzende Wolfgang Ottmar in Vollmaringen wissen, wer sich für die nächste Wahlperiode von 2027 bis 2030 zur Verfügung stellt. Im Klartext: Am Donnerstag stellt der Bezirk personell die Weichen für die Wahlen im kommenden Jahr.
Bei Gala nicht erwünscht
Haug wird in Vollmaringen nicht dabei sein können. Er ist dann bereits in Berlin und konnte das DFB-Pokal-Finale zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München mit einem Geschäftstermin in der Hauptstadt verbinden. Sein Stellvertreter Stefan Beckmann ist Polizist und kann nach aktuellem Stand aus dienstlichen Gründen ebenfalls nicht an der Sitzung teilnehmen. Also wollte die Schiedsrichtergruppe Calw, die im Bezirksausschuss stimmberechtigt ist, ihre beiden Ausschussmitglieder Siegfried Schall und Julius Wick nach Vollmaringen schicken. Das lehnte Ottmar jedoch ab – zum wiederholten Male. Bereits im November durften die beiden nicht an der Dankeschön-Gala des Bezirks in Haiterbach teilnehmen, mit der der sich für das ehrenamtliche Engagement seiner Mitarbeiter bedanken wollte. Für Haug ein Unding, dass dort Personen ausgeladen werden.
Der Fall Siegfried Schall
Speziell die Personalie Siegfried Schall hat einen Hintergrund, denn der Warter war bis März vergangenen Jahres selbst noch Staffelleiter und damit ganz direkt Teil des Bezirksausschusses. Er deckte auf, dass in einer seiner Ligen ein Spielerpass gefälscht wurde. Der Bezirksvorsitzende Ottmar sprach sich zunächst intern dagegen aus, ein Sportgerichtsverfahren einzuleiten, und wollte die Manipulation decken, woraufhin Schall von seinen Ämtern im Bezirk zurücktrat und den Fall öffentlich machte. Daraufhin wurde ein Sportgerichtsverfahren gegen Schall eröffnet – mit dem Ziel, ihn auch aus dem Ausschuss der Schiedsrichtergruppe Calw zu drängen, in der er weiterhin Mitglied blieb.
Verurteilt wurde Schall jedoch nur zu einer Geldstrafe in Höhe von 75 Euro wegen „Beleidigungen in Tagespresse und Internet“, in der Schiedsrichtergruppe Calw durfte er jedoch seine Ämter behalten. In einem separaten Verfahren wurden Ottmar und drei weitere Vorstandsmitglieder des Bezirks freigesprochen.
Dass Schall nun zum wiederholten Male in seiner Funktion als Ausschussmitglied der Schiedsrichtergruppe Calw die Teilnahme an einer Veranstaltung des Bezirks verwehrt wird, findet er schade. „Wirklich traurig, dass ich da einfach nicht akzeptiert werde, obwohl ich damals Recht hatte“, sagt der Warter auf Nachfrage unserer Redaktion.
Ebenso wenig kann das Haug nachvollziehen – und schon gar nicht, dass auch Julius Wick vom SC Neubulach wiederholt ausgeladen wurde. Der Obmann meint: „Ich verstehe nicht, warum einzelne Mitglieder meines Teams nicht erwünscht sind, obwohl sie sich jeden Tag mit Herzblut für den Fußball in unserem Bezirk einsetzen.“
Bezirk veröffentlicht E-Mails
Auf Nachfrage stellt Ulrich Bernhard, Pressesprecher und stellvertretender Vorsitzender des Fußballbezirks Nordschwarzwald, unserer Redaktion einen persönlichen E-Mail-Verkehr zwischen Haug und Ottmar zur Verfügung. Darin schreibt der Bezirksvorsitzende an den Schiedsrichter-Obmann: „Was deine Vertretung angeht, so ist dein Stellvertreter Stefan Beckmann. Sollte Stefan keine Zeit haben, wäre die Schiedsrichtergruppe Calw diesmal nicht vertreten.“ Weiter schreibt Bernhard: „Beim Dankeschön-Abend im November in Haiterbach hat die Schiedsrichtergruppe Calw direkt von der Geschäftsstelle in Stuttgart Bescheid bekommen, warum wir gehandelt haben, wie wir gehandelt haben.“