Gruppe B: Gegen Australien peilt der entthronte Weltmeister würdevollen Abschied an.

Als Lachnummer will sich der entthronte Titelverteidiger Spanien von der WM nicht verabschieden. In der Heimat ist die Diskussion um die Zukunft längst in vollem Gange, so könnte das bedeutungslos gewordene Spiel gegen Australien heute (18 Uhr MESZ) zum letzten Schaulaufen zahlreicher Protagonisten der sechsjährigen Regentschaft im Weltfußball werden.

Geht es nach Meinung vieler Fans, soll das Ende der goldenen Generation auf radikale Weise vollzogen werden. In einer großen Umfrage des Sportblatts "Marca" sprachen sich gestern die Fans mehrheitlich für einen Abschied der einstigen Helden Xavi, Iker Casillas, Fernando Torres, David Villa, Xabi Alonso und auch Trainer Vicente del Bosque aus. In der Trainerfrage trifft aber wohl del Bosque die Entscheidung. Einen Plan B hat der Verband offenbar nicht parat. Vor dem letzten Spiel verweigert der Coach eine klare Aussage zu seiner Zukunft. "Wenn ich störe oder unbequem bin, werde ich gehen", sagte der 63-Jährige, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2016 läuft.

Bevor es zu den großen Aufräumarbeiten kommt, will das kläglich gescheiterte Spanien aber mit Würde abtreten. "Das ist eine WM und das ist genügend Motivation", sagte Raúl Albiol. Ein lockeres Auslaufen, womit der eh schon ramponierte Ruf völlig ruiniert wäre, werde es nicht geben. "Wir repräsentieren unser Land, unser Trikot. Es geht um unseren Stolz."

Und es geht auch darum, das Turnier nicht ähnlich desolat wie die WM-Vorgänger Frankreich und Italien abzuschließen. "Wir brauchen die drei Punkte, um nicht Letzter zu bleiben", wies der Verteidiger des SSC Neapel auf diese blamablen Beispiele hin. Als jeweilige Gruppen-Schlusslichter waren die "Grande Nation" 2002 mit null Toren und nur einem Zähler, die "Squadra Azzurra 2010 mit immerhin vier Toren und zwei Zählern sang- und klang ausgeschieden. Um eine Komplett-Blamage zu vermeiden, forderte David Silva einen Kraftakt: "Wir müssen gewinnen und wir müssen weitermachen."

Für Australien ist die Partie gegen den Weltmeister dagegen ein Höhepunkt. "Wir haben vermutlich den bisher besten Fußball unseres Landes seit langer Zeit gespielt", sagte Mathew Leckie, der vom FSV Frankfurt zum FC Ingolstadt wechselt. "Hoffentlich gewinnen wir gegen Spanien, dann haben wir eine Menge bei dieser WM erreicht."

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