Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Fußball WFV will Verbandsgebiet reformieren

Von
Der WFV wird 2021 einige Veränderungen im Verbandsgebiet vornehmen. (Symbolbild) Foto: Pixabay

Seit Monaten wird spekuliert, nun hat der WFV endlich zwei Modelle vorgelegt, wie seine Gebietsreform aussehen könnte. Beide haben längere Fahrten zu Auswärtsspielen zur Folge –­ und könnten auch die Grenzen der Bezirke deutlich verändern.

Das Datum schwebt schon seit Monaten wie ein Damoklesschwert über den 16 Bezirken des Württembergischen Fußballverbands: Am 8. Mai 2021 findet der nächste Verbandstag statt – und der will dem WFV-Territorium ein neues Gesicht verpassen.

Schon vor 20 Jahren wurde von Stuttgart aus ein solcher Versuch gestartet, der jedoch am Widerstand der Vereine scheiterte. "Es gab eine Palastrevolution, weil man die Vereine nicht mitgenommen hatte", erinnert sich Richard Armbruster. Der Vorsitzende des Fußballbezirks Böblingen/Calw ist sich sicher: "Das wird dieses Mal anders laufen, weil jetzt auch die Vereine gefragt werden." Bereits im Mai 2018 hatte eine Kommission bestehend aus Vereins-, Bezirks- und Verbandsvertretern ihre Arbeit aufgenommen, um Modelle für eine Gebietsreform zu entwickeln. Bei vier Regionalkonferenzen im März und April konnten die Vereine auch ganz direkt ihre Vorschläge einbringen.

In den kommenden drei Wochen wird es eine weitere Runde mit vier Regionalkonferenzen geben – für die Bezirke Schwarzwald, Nördlicher Schwarzwald, Böblingen/Calw und Alb am 5. Dezember in Wehingen und für die Bezirke Donau, Zollern, Riß und Bodensee am 10. Dezember in Ostrach.

Wird Kreisliga C wieder eingeführt?

Anders als bei der ersten Runde im März und April stehen nun ganz konkret zwei Modelle zur Diskussion. Basiert die heutige Ligapyramide des Württembergischen Fußballverbands auf einem System mit einer Verbandsliga, vier Landesligen und 16 Bezirksligen, sollen es künftig nur vier Landesligen und zwölf Bezirksligen (Modell 1-4-12) oder gar nur drei Landesligen und neun Bezirksligen ( 1-3-9) sein. Letzteres Modell soll ohnehin im Nachwuchsbereich eingeführt werden. Allerdings: Das Modell 1-3-9 werde laut WFV die Wiedereinführung der Kreisliga C zur Folge haben.

Als notwendig erachtet der WFV die Reform, weil nicht nur die Zahl der am Spielbetrieb teilnehmenden Mannschaften rückläufig ist, sondern auch die Schere zwischen den großen und kleinen Bezirken immer weiter auseinander geht. Während etwa im Bezirk Nördlicher Schwarzwald nur noch 78 und im Bezirk Riß gar nur 71 Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen, sind es im Bezirk Neckar/Fils 186 Teams. Die Auswirklungen sind bis in die Landesliga hinein spürbar: Zum Bereich der Staffel 3 (Schwarzwald, Nördlicher Schwarzwald, Böblingen/Calw und Alb) gehören derzeit 489 aktive Mannschaften, zur Staffel 2 (Ostwürttemberg, Neckar/Fils, Donau/Iller und Stuttgart) aber 581. Schon allein aus Gründen der sportlichen Fairness will der WFV diese Schere wieder weiter zusammenführen.

Für WFV-Pressesprecher Heiner Baumeister ist es auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten daher auch logisch, bei der zweiten Runde der Regionalkonferenzen nur über die zwei vorgeschlagenen Modelle zu diskutieren und keine zusätzlichen Varianten ins Spiel zu bringen: "Es ist theoretisch möglich, dass man am Ende des Prozesses dem Verbandstag ein anderes Spielsystem vorschlagen wird, aber im Moment stehen diese Spielsystem-Modelle zur Diskussion."

Dass sich mit der Reduzierung der Bezirksligen von 16 auf zwölf oder neun auch die Grenzen der 16 Bezirke Geschichte sein könnten und es – analog zur Neuordnung der Ligen – zu Fusionen kommen wird, will Baumeister gar nicht ausschließen. "Das ist Gegenstand der Diskussionen innerhalb der Regionalkonferenzen", kündigt der WFV-Sprecher an.

Böblingen/Calw

Auf die Vereine im Landkreis Calw wird so oder so eine Zusammenlegung mit dem Bezirk Nördlicher Schwarzwald zukommen –­ egal ob es am Ende Modell 1-4-12 oder 1-3-9 wird. Ersteres Modell hätte jedoch eine Zerschneidung des Bezirks zur Folge, obwohl er mit 133 Mannschaften zu den größeren Bezirken in Württemberg gehört und auch alleine überlebensfähig wäre. Die Böblinger Hälfte würde dann mit Stuttgart zusammengelegt, die Calwer mit dem Nördlichen Schwarzwald. Den Zusammenschluss mit Stuttgart gab es in der Vergangenheit schon einmal – und er kam laut Armbruster nicht gut an: "Da brauchte man immer einen Kompass, um die Sportplätze in Stuttgart zu finden." Klar ist für den Bezirksvorsitzenden aber, dass etwas passieren muss: "Seit 2008 haben wir im Bezirk 15 Mannschaften verloren und mit Ettmannsweiler nur eine dazugewonnen. Wir hatten früher mit der SG Neuweiler/Oberkollwangen nur eine Spielgemeinschaft, heute sind es sechs. Die Zahl der A-Jugend-Mannschaften ist von 70 auf 30 gesunken. Uns fehlt der Nachwuchs und ohne den kann man oben nichts kompensieren."

Vorteilhaft sei beim Modell 1-3-9 aus Armbrusters Sicht, dass es jeweils nur drei Absteiger gebe, auch wenn die Auswärtsfahrten deutlich länger werden. "Die Vereine in der Peripherie wird es aber immer treffen", meint Armbruster, den die Auflösung des Bezirks Böblingen/Calw – der beim Modell 1-4-12 unweigerlich die Folge wäre –­ nicht unbedingt stört, denn: "Für die Vereine sind doch in erster Linie möglichst viele Lokalderbys und kurze Auswärtsfahrten wichtig."

Nördl. Schwarzwald

Ähnlich wie Armbruster schätzt auch der Bezirksvorsitzende des Nördlichen Schwarzwalds, Edgar Pakai, die Situation ein. Er favorisiert nach einigen Überlegungen die 1-3-9-Variante – und das war nicht schon immer so, wie er selbst erklärt: "Ich habe zu denjenigen gehört, die sich im Jahr 2000 erfolgreich gegen eine solche Strukturreform gewehrt und sich dafür eingesetzt haben, die Bezirksligen als Herzstücke der Bezirke in der Form beizubehalten." Heute aber sehen sich sowohl die Bezirke als auch der WFV anderen Faktoren ausgeliefert: "Wir haben immer weniger Vereine, weniger Spieler und mehr Spielgemeinschaften", erklärt Pakai, "der Nördliche Schwarzwald gehört sowieso zu den kleinsten im Verband."

Im Jugendbereich sehe es bereits "bitterböse", wie Pakai sagt, aus. Bezirksjugendspielleiter Robert Schwarz habe angekündigt, dass der Rückgang bereits in der nächsten Saison Konsequenzen haben könnte. "Uns gehen langsam, aber sicher die Argumente gegen eine Strukturreform aus", sagt Pakai klar und deutlich. Der größte Kritikpunkt, gerade bei der 1-3-9-Lösung, seien die weiten Wege, besonders in der Landesliga. Müsste beispielsweise der derzeitige Landesligist SV Wittendorf bis an den äußersten Zipfel des bisherigen Bezirks Ostwürttemberg, kämen Fahrten von bis zu 190 Kilometer in Frage – wohlgemerkt in eine Richtung. Der WFV, schätzt Pakai, strebe mit der Reform eine größere sportliche Herausforderung für die Teams in den höhren Ligen des Verbands an. Für ihn aber steht schlicht und ergreifend die Notwendigkeit im Vordergrund. "Das muss erkannt werden und daran führt in meinen Augen kein Weg dran vorbei."

Zollern

Keinen Handlungsbedarf in Sachen Veränderung der Bezirke und auch der Spielklassen sehen derzeit der Vorstand des Fußballbezirks Zollern und sein Vorsitzender Wolfgang Haug. "Es macht aus unserer Sicht keinen Sinn, bisherige Bezirke zusammenzulegen. Das wäre für die Bezirksfunktionäre gar nicht zu bewältigen, wenn sich die neuen Bezirke erheblich vergrößern würden und auch der persönliche Bezug zu den Vereinen ginge verloren. Besser wäre es, das Spielsystem den 16 Bezirken anzupassen." In Sachen Spielmodell gibt es für den Zollern-Funktionär keinen klaren Favoriten. "Für den Bezirk Zollern wäre es am besten, in einer Bezirksliga mit dem Bezirk Alb zusammenzuspielen. Das wird auch von einem Großteil der Vereine in Zollern präferiert. Sie würden dann gegen Teams wie den TSV Ofterdingen, den SV Hirrlingen oder die Spvgg Mössingen spielen, das wäre lukrativer von den Fahrtstrecken und hätte auch mehr lokalen Charakter als gegen Teams aus Oberschwaben spielen zu müssen", so Haug.

Gleiches gilt auch für die Landesliga. "Die meisten unserer Vereine wären froh, wenn sie in der jetzigen Staffel 3 spielen könnten", weiß der Bezirksvorsitzende, der befürwortet, dass es bei einer Reform der Landesligen künftig nur noch drei Absteiger pro Staffel geben würde. "So wie es derzeit ist, dass bis zu fünf Mannschaften direkt absteigen – das ist einfach zu viel."

Vieles sei derzeit zwar noch Vision. Haug: "Aber wir wollen natürlich entsprechende Pläne in der Schublade haben und reagieren können, wenn es soweit kommt." Deshalb veranstaltet der Bezirk am heutigen Donnerstagabend eine außerordentliche Bezirksversammlung, in der die Vereine für dieses Thema sensibilisiert werden sollen. "Sie sollen wissen, was vor der Haustür steht, zumal am 10. Dezember die Regionalkonferenz in Ostrach ansteht", so Haug.

Schwarzwald

Besonders betroffen von der Verbandsreform wäre der Fußballbezirk Schwarzwald. Beide Modelle sehen vor, dass seine Landesligisten von der Staffel 3 in die Staffel 4 wechseln. Statt nach Tübingen und Böblingen ginge es künftig an den Bodensee und ins Allgäu. Auch in der Bezirksliga wären die Veränderungen gravierend: Das Modell 1-4-12 hat eine Vereinigung mit dem Bezirk Zollern zur Folge, während beim Modell 1-3-9 eine Bezirksliga gebildet wird, die bis an den Bezirk Bodensee grenzt. Resultat: Auswärtsfahrten in der Bezirksliga von bis zu 100 Kilometern Länge – pro Richtung.

Erwin Beck, Spartenleiter des SV Zimmern, sagt: "Im Jugendbereich ist die neue Struktur schon beschlossene Sache und ich befürworte dies auch, weil es in den einzelnen Bezirken immer weniger Mannschaften gibt und durch die Zusammensetzung der Staffeln wird auch das Niveau im Jugendfußball wieder steigen. Im Aktivenbereich wird es hingegen schwieriger, weil es wohl komplizierter wird, einen einheitlichen Konsens zu dieser neuen Reform zu finden."

Ähnlich sieht es die Bezirksjugendleiterin Monika Alt: "Ich halte die neue Struktur im Jugendbereich für sehr sinnvoll, weil dadurch sicherlich das Niveau im Jugendbereich wieder steigen wird und dies nicht nur in den überbezirklichen Staffeln, sondern auch in den Bezirken selbst. Für den Aktivenbereich fällt es mir derzeit schwer, das Ganze positiv zu sehen, weil durch die neue Einteilung sicherlich auch Mehrarbeit für die ehrenamtlichen Mitarbeiter anfällt, die ohnehin schon viele Stunden leisten."

Artikel bewerten
5
loading
1

Kommentar

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.