Unternehmer Holger Siegmund-Schultze ist der neue Präsident des Karlsruher SC. Foto: Schmidt

Bundesliga: Konkurrenten können mit rosaroten Visionen nicht punkten.

"Ich schlage Ihnen nicht vor, was schön wäre, sondern was notwendig ist." Mit diesem Eröffnungssatz seiner Vorstellungsrede hat der bisherige Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC, Holger Siegmund-Schultze, offenbar bei den Mitgliedern des KSC ins Schwarze getroffen. Denn im Gegensatz zu seinen Mitkonkurrenten um das Präsidentenamt schwelgte "HSS" bei der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend nicht in Visionen von goldenen Bundesligazeiten in fünf oder zehn Jahren, sondern er nutzte sein Insiderwissen aus vier Jahren Präsidiumsarbeit, um den Finger in die Wunde zu legen: die Glaubwürdigkeit des Vereins, der sich in der Vergangenheit nicht nur mit der Stadt Karlsruhe anlegte, sondern auch bei den Gläubigern mit angehäuften Schuldenbergen und mangelnden Rückzahlungsmöglichkeiten ein Bild eines Katastrophenklubs und unzuverlässigen Wirtschaftspartners vermittelte.

1823 der bei der virtuellen Versammlung anwesenden Mitglieder folgten Siegmund-Schultzes Votum: "Wir müssen wieder tun, was wir sagen!" und wählten ihn mit 60,52 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten.

Als größter Konkurrent hatte sich schon im Vorfeld Axel Kahn, der Bruder des baldigen Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, Oliver Kahn, herausgeschält. Er ging zu "HSS" auf Frontalangriff. "Besonders kritisch sehe ich Mitbewerber, die jahrelang im Hintergrund mitgewirkt haben und jetzt als neue Alternative gewählt werden wollen." Er betonte, es werde "Zeit für einen neuen KSC", und bei diesem versprach er prominente Hilfe: "Ich bin schon in Gesprächen mit meinem Bruder" – für Spieler, die vom großen FC Bayern quasi zum Nulltarif beim Bundesliga-Gründungsmitglied "geparkt" werden könnten. Bei vielen Nachfragen der Mitglieder kam er immer wieder auf dieses Pfund zurück, mit dem er zu wuchern versuchte. 395 Stimmen (13,11 Prozent) lotste er auf seine Seite.

Kandidat Kai Gruber, langjähriger Sponsor des KSC, "hatte als Baby die weiß-blaue Windel an" und legte sein Hauptaugenmerk weniger auf Fan-Balange als auf wirtschftliche Rahmendaten. "Hierzu gehört für mich, die Einnahmeseite zu optimieren". Das überzeugte immerhin 357 Mitglieder (11,85 Porzent).

Rolf Dohmen hatte zwar einen romantischen Traum. "Ich bin als Spieler mit dem Karlsruher SC in die Bundesliga aufgestiegen. Ich bin als Manager mit dem Karlsruher SC in die Bundesliga aufgestiegen. Es wäre traumhaft schön, als Präsident wieder in die Bundesliga aufzusteigen." Da aber in seine Dienstzeit als Manager (zum Teil unberechtigte) Stadionverbote für KSC-Fans fielen, waren mehr als 340 Stimmen (11,28 Prozent) nicht drin.

Dorothée Augustin konnte den Selbstdarstellungsprofis nur ihre Leidenschaft für den Verein entgegensetzen ("mein Herz schlägt Blau-Weiß"), so blieb es bei 67 Stimmen (2,2 Prozent).

Zum Vizepräsidenten wurde im Anschluss wie erwartet Michael Müller gewählt, der in der Vergangenheit schon mehrmals den KSC vor der Insolvenz bewahrt hatte.

  
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