Simun Birkic erzielte für seine TSG Balingen einen Doppelpack und war damit maßgeblich am Auswärtssieg in Frankfurt beteiligt. Foto: Eibner-Pressefoto

Nach dem 3:2-Sieg am Bornheimer Hang beim FSV Frankfurt hat sich die Ausgangslage für die Eyachstädter im Abstiegskampf in der Regionalliga Südwest minimal verbessert.

Natürlich ist es noch zu früh, um nach einem Sieg die Wende ausrufen. Dennoch hat der 3:2-Erfolg der TSG Balingen am Wochenende beim FSV Frankfurt gezeigt, dass man die Schwaben im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest noch nicht abschreiben darf. Vor allem aufgrund der widrigen Umstände, die sich die Viertliga-Fußballer von Trainer Murat Isik zwar zunächst auch selbst eingebrockt hatten, denen sie aber zu trotzen wussten – und das in einer Art und Weise, die an der Eyach Anlass zu zumindest zarter Hoffnung geben darf. Am Bornheimer Hang, beim Tabellendritten der Südweststaffel, steckten die Balinger einen früh verschossenen Elfmeter (Latifovic, 9. Minute) und einen 0:2-Rückstand zur Pause weg – und drehten die Partie des 23. Spieltags am Ende in einen Auswärtssieg um, den sie zu allem Überfluss noch in Unterzahl (Gelb-Rot gegen Colic, 84.) ins Ziel bringen mussten.

 

Isik sieht „glücklichen, aber verdienten Sieg“

„Ich kann von einem glücklichen, aber verdienten Sieg sprechen“, sagte Isik nach für ihn gewiss nervenaufreibenden 95 Minuten. Glücklich, weil die Bornheimer vor dem Seitenwechsel durchaus Chancen auf den dritten Treffer hatten. „Dann wäre es natürlich sehr schwer geworden“, so Balingens scheidender Coach (Michael Schilling folgt zur neuen Saison). Verdient sei der „Dreier“ derweil gewesen, so Isik, „weil wir dennoch stabil geblieben sind und das Ding gegen einen starken Gegner noch gewinnen“. Berücksichtigen müsse man, „dass wir schwere Wochen hinter uns hatten und dann noch früh einen Elfmeter verschießen. Dann gehen die Köpfe gerne erst mal runter und man droht, zu viel nachzudenken“.

Ähnlich wie in den Spielen zuvor, dem 0:4 beim FC 08 Homburg und dem 0:6 gegen Tabellenführer SGV Freiberg, hatten die Württemberger forsch begonnen und mussten dann, abermals ein wenig aus dem Nichts, den ein oder anderen Nackenschlag hinnehmen. Anders als im Saarland oder gegen die Freiberger Profis aber verloren die Balinger Amateure diesmal nicht die Fassung.

Einwechslung sorgt für die Trendwende

Einer stand dabei sinnbildlich für den ersten TSG-Sieg nach zuvor sieben sieglosen Spielen: Simun Birkic. Anfang der zweiten Halbzeit ins Spiel gekommen (48.), wusste der 19-jährige Offensive direkt Momentum aufzubauen und legte nach dem Anschlusstreffer von Amnay Moutassime (47.) jenen Doppelpack nach (49., 82.), der die TSG am Ende auf die Siegerstraße brachte. „Der Trainer hat uns in der Kabine gesagt, dass wir trotz des Rückstands unsere Ordnung beibehalten, die erste Halbzeit einfach abhaken und akzeptieren sollen, was bis dahin passiert oder eben nicht passiert ist“, verriet Birkic, für den es der elfte Kurzeinsatz in dieser Saison war, erst der zweite über rund 45 Minuten. Er, der er die erste Hälfte von der Bank aus anschauen musste, habe stets daran geglaubt, dass in Frankfurt noch etwas zu holen ist. „Ich glaube immer an den Sieg – egal, wie hoch wir in Rückstand liegen“, so Birkic, in der eigenen Jugend ausgebildet. „Und jeder Fußballer weiß, dass ein 2:0 der gefährlichste Spielstand im Fußball ist.“

FSV-Trainer Görner ist genervt

Genau das nervte nun auch Tim Görner vom FSV. „Wir haben ein schlechtes Spiel gemacht, da darf man sich auch nicht vom 2:0 zur Pause blenden lassen“, meinte der Frankfurter Coach. Dennoch hätte seine Elf vor dem Seitenwechsel „den Sack zumachen müssen“, so Görner. „Stattdessen hatten wir wenig anzubieten, so geht das natürlich nicht.“

Ein perfekter Tag für den „Joker“ SimunBirkic

Birkic nun konnte auch der ersten Halbzeit etwas abgewinnen. Seine Teamkollegen seien gut im Spiel gewesen, hätten sich für die starke Anfangsphase aber nicht belohnt. „Ich fand beide Halbzeiten von uns gut“, sagte der Youngster. „In der zweiten Halbzeit haben wir einfach riskanter nach vorne gespielt, weil wir hinten waren.“ Für ihn sei es „ein perfekter Tag“ gewesen, „weil ich der Mannschaft mit meinen beiden Toren helfen konnte“, so Birkic. „Aber es war auch für das Team ein perfekter Tag, da jeder an sein Limit gegangen ist und endlich dafür belohnt wurde. Das Spiel gibt uns Selbstvertrauen und zeigt auch, zu was wir in der Lage sind.“

Direkte Konkurrenten warten in den nächsten Wochen

Was die zuvor lange vermisste Aufbruchsstimmung in Balingen etwas dämpfen dürfte, ist der Blick auf die Tabelle. Dort fehlen den Württembergern auch weiterhin satte zehn Zähler auf Platz 14 und Kickers Offenbach, die es für die TSG derzeit mindestens abzufangen gilt. Anders gesagt: Auch weiterhin ist der Aufsteiger der Oberliga Baden-Württemberg näher als einem weiteren Viertliga-Jahr. Der Spielplan könnte den Schwaben in den kommenden Wochen jedoch in die Karten spielen. Am Samstag (14 Uhr) erwarten Birkic und Co. nun den Tabellenneunten SV Sandhausen in der Bizerba-Arena, den sie schon im Hinspiel mit 2:1 besiegen konnten. Gleichzeitig haben die Konkurrenten aus Alzenau (Mainz 2), Offenbach (Großaspach), Freiburg (Stuttgarter Kickers) und Trier (Frankfurt) allesamt hohe, zumindest höhere Hürden zu nehmen. Und in den Folgewochen haben es die Balinger dann vor allem selbst in der Hand, im Abstiegskampf nochmals anzugreifen. Dann geht es für den Regionalliga-16. nämlich gegen die direkten Konkurrenten aus dem Tabellenkeller – erst zum FC Bayern Alzenau (15. Platz), dann gegen Eintracht Trier (12.), ebenfalls zu Hause gegen die U23 des SC Freiburg (13.) und schließlich zu den Offenbacher Kickers (14.). Da geht noch ‚was für die schon verloren geglaubte TSG. Zumindest, wenn sie weiterhin gewinnen.