Balingen hat sich im Abstiegskampf zurückgemeldet. Beim FSV Frankfurt trotzt das Isik-Team einem vergebenen Strafstoß und dreht einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg.
Geht da noch was im Abstiegskampf für die TSG Balingen? Zumindest Momentum aufgenommen haben die Fußballer von Trainer Murat Isik am Samstag in Frankfurt-Bornheim. Mit 3:2 bezwangen die akut abstiegsbedrohten Schwaben den Regionalliga-Dritten – und feierten damit den ersten „Dreier“ nach zuvor sieben sieglosen Spielen.
Joker Birkic leitet die Wende ein und sticht
Und der hatte es in sich: Denn erneut schien am Bornheimer Hang alles gegen die TSG zu laufen: Gut, ja sehr gut hatten die Württemberger begonnen, dann jedoch einen Elfmeter verballert. Und ehe sich die Balinger versahen, lagen sie zur Pause mit 0:2 zurück. Doch dann brachte Isik am Bornheimer Hang Youngster Simun Birkic ins Spiel. Und mit ihm die Wende. Das 19-jährige Eigengewächs stellte die Gastgeber mit seinen Sprints immer wieder vor Probleme, war mittelbar am 1:2 durch Amnay Moutassime beteiligt (47. Minute) und besorgte mit seinem Doppelpack in der 49. und 82. Minute schließlich den fünften Balinger Sieg im 23. Saisonspiel. Den retteten die Schwaben mit einer kämpferischen Leistung in der Schlussphase selbst in Unterzahl über die Zeit. Ersatz-Kapitän Ivo Colic hatte in der 84. Minute Gelb-Rot gesehen, zuerst gemeckert und dann gefoult – eine harte Entscheidung von Schiedsrichter Jason Lieser, die Colic zum Toben brachte.
Ein wichtiger Sieg für das Gefühl
„Ich freue mich unglaublich für die Jungs“, sagte Isik nach der aufregenden Partie vor gut 1200 Zuschauern. „Wir haben schwierige Woche hinter uns, auch für den Kopf. Wir kommen sehr gut rein, haben sehr gute Momente und dann verschießen wir einen Elfmeter, geraten wieder in Rückstand. Aber wir konnten diese bekannten Mustern durchbrechen – und kommen unglaublich zurück“, so der Balinger Trainer. „Der Sieg war auch wichtig fürs Gefühl.“
Starker Start der TSG bleibt ohne Zählbares
Wären die Balinger in der Anfangsphase kaltschnäuzig geblieben, sie hätten das Nervenkostüm ihres Trainers erheblich schonen können. Denn wie schon zuvor beim FC 08 Homburg (0:4) und gegen Tabellenführer SGV Freiberg (0:6) waren die Balinger besser ins Spiel gestartet, hatten den Tabellendritten nicht nur im Griff, sondern beste Einschussmöglichkeiten gehabt. So fehlten bei einem Schlenzer des starken Moutassime nur Zentimeter (8.). Colic stach anschließend im richtigen Moment in einen Frankfurter Konter und leitete selbst den Gegenzug ein, an dessen Ende Halim Eroglu von Verteidiger Phil Kemper zu Fall gebracht wurde. Elfmeter – und die Chance für die TSG, das erste Mal seit sieben Spielen wieder in Führung zu gehen. Denkste, denn Denis Latifovic nahm es zu genau und schoss das Leder an den Innenpfosten (9.).
FSV schlägt eiskalt zu
Der FSV hatte weiterhin alle Müh’ und Not, die Balinger Angriffe abzuwehren; die TSG blieb das gefährlichere Team: Colic zirkelte einen Freistoß scharf aufs kurze Toreck, aber der Schiedsrichter pfiff Tim Hannak zurück (16.). Dann setzte Ole Deininger auf dem Flügel zum Solo an, fand in der Strafraum-Mitte Moutassime, der aus zehn Metern und vollem Lauf den Ball nicht voll traf (17.). Die TSG hätte längst führen müssen, stattdessen gerieten die Isik-Jungs bei der ersten kritischen Situation in Rückstand: Takeo Etui steckte auf Kemper durch, dessen Hereingabe wurde abgefälscht und landete vor den Füßen von Amin Farouk, der sich nicht zwei Mal bitten ließ (21.).
Frankfurt erhöht noch vor der Pause auf 2:0
Nach dem 1:0 war die Balinger Druckphase erst mal jäh beendet, nun übernahm der FSV die Kontrolle. Bei einem Kopfball von Ismail Harnafi riss Elvin Kovac im letzten Moment die Arme hoch (39.). Auch kurz darauf hatte der TSG-Keeper noch seine Finger im Spiel. Er lenkte einen Harnafi-Kopfball an die Unterlatte, doch der Ball sprang hinter die Linie – die 2:0-Führung in der 42. Minute, die die Gastgeber in der Schlussminute der ersten Hälfte um ein Haar hätten ausgebaut: Timo Hildwein verpasste jedoch am langen Pfosten (45.).
Eyachstädter kommen bockstark zurück
In der Kabine muss Isik die richtigen Worte gefunden haben und mit der Einwechslung von Simun Birkic lag er goldrichtig. Zunächst jedoch war es Moutassime, der 120 Sekunden nach Wiederbeginn und einem zunächst noch geblockten Schmidt-Abschluss zum 1:2 abstaubte, ehe eine Kike-Hereingabe lang und länger wurde. Am langen Pfosten lauerte Birkic, der das Leder direkt ins lange Eck zimmerte. Das 2:2 folgte nur zwei Minuten nach dem Anschlusstreffer. Die TSG blieb am Drücker. Birkic, acht Minuten vor dem Ende von Colic mit einem weiten Ball geschickt, spielte im Laufduell seine Schnelligkeit aus, schüttelte zwei Gegenspieler ab und zeigte sich im Duell mit FSV-Torwart Jonas Iwan nervenstark – der Siegtreffer, den die Schwaben in den letzten Minuten in Unterzahl aber noch mit Sack und Pack verteidigen mussten.
Hoffnungsschimmer im Tabellenkeller
Trotz des Hoffnungsschimmers bleibt die Lage im Tabellenkeller für die weiter auf Rang 16 liegenden TSG mehr als angespannt. Weil auch die U23 des SC Freiburg ihre Partie beim Schlusslicht Schott Mainz gewann (3:0), fehlen den Balingern nach wie vor elf Punkte auf Platz 13, der Stand jetzt den Klassenerhalt bedeuten würde. Kommenden Samstag (14 Uhr) gegen den SV Sandhausen 2 braucht die Isik-Truppe den nächsten „Dreier“ – unbedingt.