Nach der 0:6-Klatsche gegen Tabellenführer SGV Freiberg sind die Regionalliga-Kicker aus der Eyachstadt bereits seit sieben Spielen ohne Sieg.
Erneut gut begonnen, doch dann abermals gewaltig zerlegt worden – das ist die TSG Balingen am 22. Spieltag der Fußball-Regionalliga Südwest. Unterdessen wurde öffentlich, dass sich ein weiterer Trainer verabschieden wird.
Seit sieben Spielen ohne Sieg
Um im Abstiegskampf an Momentum zu gewinnen, könnten die Regionalliga-Fußballer der TSG Balingen dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis brauchen. Sieben Spieltage ist es nun her, dass die Mannschaft von Trainer Murat Isik eine Partie gewonnen hat. Seit dem 4:1-Heimsieg im Aufsteiger-Duell mit Schott Mainz hagelte es in sechs Spielen fünf Niederlagen und das bei einem Torverhältnis von brutalen 1:22. Zehn Gegentreffer mussten die gerade im defensiven Bereich personell angeschlagenen Schwaben allein in den ersten beiden Begegnungen nach der Winterpause hinnehmen. 0:4 hieß es zum Auftakt beim FC 08 Homburg und am Wochenende kassierte die TSG zudem eine 0:6-Klatsche im Württemberg-Derby gegen den SGV Freiberg, der seine Position an der Tabellenspitze der Südweststaffel auch deshalb verbessern konnte, weil Verfolger SG Sonnenhof Großaspach in Trier patzte (0:2). Mit einem Punkt liegen die Freiberger vor ihrem Lokalrivalen aus Aspach. Sollten der Tabellenführer sein heutiges Nachholspiel eben gegen Eintracht Trier gewinnen, wären es sogar vier Zähler.
Traumatische Dejavue-Momente
Die Balinger nun, sie erlebten zuletzt erneut einen traumatischen Dejavue-Moment: In Homburg wie gegen Freiberg gut begonnen, doch dann wegen eines seltsamen Platzverweises (Homburg) oder defensiven Unachtsamkeiten (Freiberg) in Rückstand geraten, und anschließend gerade in der Abwehr völlig von der Rolle – so liest sich das Skript, mit dem Murat Isik gefühlt auf jeder zweiten Pressekonferenz auftreten könnte. Zudem hat sich für den Tabellen-16. die Ausgangslage im Tabellenkeller am Wochenende weiter verschärft. Auf den fünftletzten Regionalliga-Platz (derzeit SC Freiburg 2), den die Kellerkinder wohl mindestens erreichen müssen, um sich in der vierten Liga zu halten, fehlen der Isik-Elf zwölf Spieltage vor dem Saisonende nun elf Punkte.
Balinger Youngster sind zu unerfahren
Was also fehlt den Balingern in dieser Runde? Im Grunde nie viel. Daniel Güney weiß es genauer. Isiks Co-Trainer, der den Verein wie sein Chef am Saisonende verlassen wird, spricht davon, dass die junge Balinger Truppe in den entscheidenden Momenten zu unerfahren sei. Nach dem Umbruch mit insgesamt 18 Abgängen vor rund zwei Jahren sei es dem neuen Trainerteam zunächst zwar gelungen, quasi aus dem Nichts ein Team von Jungspunden mit Amateurstatus zu formen, das als Oberliga-Zweite direkt wieder in die Regionalliga zurückkehrte.
Eine Leistung, für die benachbarten Profiteams wie die Stuttgarter Kickers oder Großaspach fünf respektive drei Oberliga-Jahre brauchten. „Das war im Grunde sensationell“, findet der 34-jährige Güney. Nur fehle der jungen Truppe nun eben genau die Erfahrung, die sich andere Klubs entweder über Jahr aufbauen oder durch namhafte Neuzugänge einkaufen, was dem Balinger Low-Budget-Klub nicht möglich ist. „Auf diesem Niveau sieht man dann in den entscheidenden Momenten den Unterschied zwischen erfahrenen Profiteams und uns, einem Amateurklub, der auf junge Spieler setzt“, so Güney, der zuvor unter anderem in den Nachwuchsabteilungen des VfR Aalen und der Stuttgarter Kickers tätig war.
Auch Güney wird gehen
In ein solches dürfte es den gebürtigen Stuttgarter, Lehrer im Hauptberuf, im Sommer derweil nicht mehr ziehen. Güney spekuliert, wie er sagt, auf einen Cheftrainer-Posten oder auf die Rolle des Co-Trainers bei einem anderen ambitionierten Profiklub. Das sei auch der Grund, warum er den Verantwortlichen der TSG mitteilte, dass er den Klub zum Saisonende verlassen wird.
Güney hatte auf die Nachfolge von Isik gehofft, doch die Verantwortlichen um Geschäftsführer Jonathan Annel und Vereinschef Eugen Straubinger verpflichteten wie berichtet den Deutsch-Schweizer Michael Schilling.
Er könne nachvollziehen, dass die Vereinsoberen auf der Trainerbank „ein komplett neues Gesicht wollen“, so Güney, der zuvor „Co“ in Aspach und Chefcoach des VfL Pfullingen war. Gleichwohl sei er „selbstbewusst genug“ zu sagen, dass er sich die Chefcoach-Aufgabe in Balingen zugetraut hätte. Er kennt die Mannschaft, entspräche dem Profil und habe letztlich keinen unbedeutenden Anteil am Wiederaufstieg der Balinger zu dieser Runde. „Dennoch akzeptiere ich die Entscheidung des Vereins natürlich“, sagt Güney, der als detailverliebter fleißiger Arbeiter gilt.
Während Isik und Güney also neue Aufgaben suchen, ist der Verbleib von TSG-Urgestein Fabian Fecker noch ungewiss. Er befinde sich in Gesprächen mit der Vereinsführung, ließ der Co-Trainer wissen.