Hat die TSG im Abstiegskampf nun Fahrt aufgenommen oder verpufft das Momentum des Frankfurt-Erfolgs am Samstag um 14 Uhr gegen den SV Sandhausen II?
Mit Viertliga-Tabellenführer SGV Freiberg könnte David Girmann aktuell um den Drittliga-Aufstieg spielen. Stattdessen stemmt sich der Defensiv-Allrounder mit der TSG Balingen nun vehement gegen den Regionalliga-Abstieg. Denn Girmann, 20 Jahre alt und in der Nachwuchsakademie der TSG 1899 Hoffenheim ausgebildet, ist in der Winterpause aus Freiberg zum Ligarivalen nach Balingen gewechselt, zunächst als Leihgeschäft.
Abstiegs- statt Aufstiegskampf für Girmann
Getauscht hat er damit Aufstiegs- gegen Abstiegskampf. Aber auch einen Stammplatz auf der Bank gegen einen auf dem Rasen. Denn beim SGV Freiberg, der mit vier Punkten Vorsprung auf den Lokalrivalen SG Sonnenhof Großaspach auf Platz 1 der Südweststaffel liegt, konnte Girmann nach seinem Wechsel aus der Hoffenheimer U19 im Sommer 2025 kaum Einsatzzeiten sammeln. In Balingen jedoch hat der talentierte Außenverteidiger seit seiner Ankunft jede Minute gespielt.
Entscheidung zugunsten der Spielzeit
Das sei auch das Hauptmotiv für den temporären Wechsel gewesen, sagt Girmann, der mit der TSG am Samstag die U23 des SV Sandhausen erwartet. „Mir konnte in Freiberg wenig Spielzeit geboten werden, weshalb eine Leihe ins Gespräch kam“, berichtet Girmann. „Da hörte sich die Option TSG Balingen, bei der sich im Winter einige personelle Ausfälle und Abgänge ereigneten, natürlich vielversprechend an.“ Anfang des Jahres sei dann der Kontakt zur TSG zustande gekommen „und es hat sich eins zum anderen entwickelt, ein wenig von jetzt auf gleich“, so Girmann. „In meinem Alter ist es das Wichtigste, auf dem Platz zu stehen, um Minuten zu sammeln und um mich weiterzuentwickeln. Und das kann ich in Balingen.“ Seit Januar fährt Girmann mit einer Fahrgemeinschaft fast täglich von Freiberg nach Balingen – hin und zurück gut 200 Kilometer. „Der Aufwand ist nicht ohne, aber die gemeinsamen Fahrten mit den Jungs machen das Ganze erträglich“, betont Girmann, der nebenher an einer Fernuniversität studiert, „da mir und meinen Eltern meine Bildung sehr wichtig ist“.
„Der Verein ist sehr gut aufgestellt“
In Balingen sei er sehr gut aufgenommen worden, so der Defensivspieler. „Ich verstehe mich gut mit allen Jungs und fühle mich als Teil der Mannschaft.“ Der Verein mache auf ihn einen „sehr guten Eindruck“, sagt Girmann. „Mich überzeugt die Qualität der Mannschaft, des Trainerteams und der Bedingungen sehr. Allgemein ist der Verein sehr gut aufgestellt und es fehlt an nichts.“
Herkulesaufgabe: 10 Punkte aufholen
Mit der TSG kämpft Girmann nun gegen den Abstieg, dessen Erreichen für den schwäbischen Aufsteiger eine Mammutaufgabe werden dürfte. Mittlerweile ist in der Regionalliga Südwest von vier Absteigern auszugehen, heißt für das Team von Trainer Murat Isik: In den letzten elf Spielen müssten die Württemberger aktuell zehn Punkte aufholen. „Ich hoffe, dass ich der Mannschaft mit meinen Leistungen helfen kann, um unser gemeinsames Ziel zu schaffen“, betont der 20-Jährige.
Ziel: Eine Serie starten
Nun ist nun der Regionalliga-Neunte, SV Sandhausen, zu Gast in Balingen. Das Hinspiel konnten die Schwaben gewinnen (2:1). Nicht nur deshalb rechnet sich Girmann gute Chancen aus. „Dafür gilt es allerdings, konzentriert zu arbeiten und wieder mit vollen Tanks anzugreifen, um große Schritte nach oben machen zu können“, sagt er. „Wir wollen nun eine Serie starten.“
Das Momentum mitnehmen
Zumindest Momentum konnte die Isik-Elf am vergangenen Wochenende aufnehmen. In beeindruckender Manier bezwangen die Balinger den Tabellendritten FSV Frankfurt mit 3:2, trotzten dabei einem verschossenen Elfmeter, einem 0:2-Rückstand und einer gelb-roten Karte gegen Ivo Colic, der ausfallen wird.
Gegen Sandhausen gelte es nun, daran anzuknüpfen. „Es ist wichtig für uns, dass wir auch in Zukunft an diesen starken Anfangsphasen anknüpfen und darauf aufbauen, um diese Momente auf das ganze Spiel übertragen“, erklärt der Balinger Quasi-Neuzugang. „Wir brauchen grundsätzlich erstmal eine gewisse Stabilität und der Rest kommt dann von alleine, weil die Jungs alle super Kicker sind und jeder seine Qualitäten mitbringt, die zu einem starken Team zusammengefügt werden können.“
Ob sich Girmann einen Verbleib in Balingen auch über die Saison hinaus vorstellen kann, lässt der Freiberger noch offen. „Ich bin jetzt erst mal glücklich, bis Sommer bei der TSG zu sein. Danach bin ich vertraglich an Freiberg gebunden. Wie es im Sommer weitergeht, wird die Zeit zeigen.“