Sportlich-rhetorischer Blutgrätscher trifft Enfant terrible: Thomas Helmer (links) und Mario Basler. Foto: Hannes Kuhnert

Wenn Fußballer über sich und andere reden, kann eine unterhaltsame Runde dabei herauskommen. Wie jetzt mit Thomas Helmer im Freudenstädter Kurtheater – wo sich, wie durch ein Wunder, auch einmal ganz viele junge Männer auf den Rängen einfanden.

Da war jede Menge hochkarätiger Fußballverstand auf der Bühne versammelt: fünf Männer, die sich selbst und gegenseitig als Helden, als Ikonen und als Legenden titulieren – und die trotzdem etwas zu sagen haben.

 

„Helmers Heldentour“ war das unterhaltsame Unternehmen mit dem 57-jährigen Ex-Fußballer Thomas Helmer benannt. Eine illustre Talkrunde, die in Freudenstadt mehr als 300 Zuhörer fand.

Selten sah man so viele junge Männer als Zuhörer im Freudenstädter Kurtheater. Frauen waren deutlich in der Unterzahl. Eine Zuhörerin, die sich als Deutschlehrerin bekannte, wurde schlagfertig als „überqualifiziert“ eingeordnet. Und über Frauenfußball wurde ohnehin kein Wort verloren.

Das Enfant terrible gibt Basler auch auf der Bühne

Neinnein, Männer können stundenlang über Fußball reden. Und das taten sie dann auch. Thomas Helmer als Moderator, dessen sportliche und rhetorische Blutgrätschen nach wie vor gerühmt werden, hatte Fußballprominenz um sich geschart: Winfried „Winnie“ Schäfer, der Karlsruhe und Kamerun trainiert hat, den eloquenten Nils Petersen, bekannt als früherer Edeljoker des SC Freiburg, Oliver Forster, Stadionsprecher unter anderem bei DFB-Länderspielen, und natürlich den blitzgescheiten Mario Basler, ein in die Jahre gekommener Rechtsaußen, der seine Rolle als Enfant terrible auch auf der Bühne des Kurtheaters genüsslich auslebte: „Letztes Jahr haben sie scheiße gespielt, da hat er die Schnauze gehalten, jetzt reißt er die Fresse wieder auf“, urteilt er drastisch über den Präsidenten des FC Bayern München und dessen selbstgefällige Meisterschaftsprognose.

Auf diesem Niveau blieb die Fußball-Doppelstunde gottlob nicht. Da wurde die Bundesliga-Tabelle munter rauf und runter konjungiert, wurde das Trainerkarussell in Schwung gebracht: Kommt der, geht jener, darf dieser – und überhaupt: Was macht Alonso? Erst recht bei den Spielern. Die Millionen, bei denen Yamal Musiala unterschreiben könnte, wurden hoch gereizt wie beim Skat: 18, 20, 22, 23... Wohl gemerkt, es geht um Euro.

Zwischendurch wird es auch mal tiefgründig

Es wurde aber auch tiefgründig. Schließlich waren Fachleute aus mehreren Generationen in der Runde, da gehen die Meinungen über Macht, Tricks und Möglichkeiten eines Trainers schon mal auseinander. Und es gewährt – dank Oliver Forster – sogar Einblicke in das Nähkästchen der Nationalmannschaft. Oder Petersen und Helmer schildern die Angst des Schützen vorm Elfmeter.

Um aktuell zu bleiben: An der Meisterschaft der Bayern zweifelte niemand, als Zweiter wurde – mit einigem Zweifel – Eintracht Frankfurt gesetzt, dem VfB Stuttgart mochte Mario Basler keinen Platz unter den ersten Fünf zugestehen, der FC Heidenheim sei derzeit eine Schießbude, und bei der Einschätzung des finalen Tabellenplatzes des SC Freiburg verharrte die Runde einstimmig in ehrfürchtigen Kratzfüßen für Ex-Trainer Christian Streich.

Wobei wir wieder bei den Legenden wären. Nach dem Schlusspfiff bleibt der Beifall für einen heiteren, ab und zu auch witzigen aber immer informativen Abend über Fußball für Männer. Mitunter verstrickten sich die fünf Helden auf der Bühne so engagiert ins Thema, dass sie ihre 300 Zuhörer im Saal gar nicht gebraucht hätten. Und das ist eigentlich ja auch ein gutes Zeichen.