Umut Günes erlebt in der Türkischen Liga eine Saison mit „Höhen und Tiefen“. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er über das Erdbeben in der Türkei, den Traum von Europa und seinen Heimatverein.
Bereits am 25. Dezember und damit gerade einmal sieben Tage nach dem WM-Finale startete die türkische Liga wieder in den Spielbetrieb.
Super in Form
Bestens aufgelegt zeigte sich in den folgenden Wochen Umut Günes. Der 23-Jährige aus Harthausen erklärt: „Das war eine richtig gute Phase, wahrscheinlich die besten sechs Wochen meiner Karriere.“ Schnell rückte der Fußball in der Folge aber in den Hintergrund. Anfang Februar erschütterte das schwere Erdbeben die Türkei und Syrien.
Erdbeben sorgt für Ausnahmezustand
Günes denkt zurück und meint: „Wir haben das Beben bei uns in der Nacht leicht gespürt, aber erst als man morgens aufs Handy geschaut und Nachrichten gesehen hat, begriffen welches Ausmaß es hat. Es herrschte Ausnahmezustand im ganzen Land, niemand hat an Fußball gedacht.“ Vier Wochen pausierte der Ligabetrieb, mit Gaziantep und Hatayspor zogen sich zwei Teams aus stark betroffenen Gebieten zurück.
Nach dem Restart blieb Günes gut in Form, sagt aber auch: „Ich glaube diese Saison hat viele Höhen und Tiefen. Meine Leistungen waren bisher eher unkonstant, es geht auf jeden Fall besser, ich bin fleißig am Arbeiten.“
Zwei Spiele Sperre
Zuletzt musste der Mittelfeldstratege wegen einer roten Karte zwei Spiele aussetzen, am Wochenende durfte er bei der 2:4-Niederlage gegen Demirspor wieder 90 Minuten auf dem Platz stehen. Die Freude über die Rückkehr ist riesig, denn Günes sagt: „Jeder Fußballer der schon mal vom Platz geflogen ist, wird wissen was ich meine. Das Gefühl die rote Karte zu sehen ist echt schlimm.“
Nach tollen Platzierungen in den vergangenen Jahren, unter anderem spielte Alanyaspor die erfolgreichste Saison der Club-Geschichte, tut sich die Mannschaft in dieser Saison schwerer. „Wir haben zu oft gegen Teams aus den unteren Tabellenregionen verloren“, analysiert Günes, der bis zum vergangenen Jahr Kapitän der U21-Mannschaft der Türkei war.
Fans sehr emotional
Altersbedingt ist er dort nicht mehr dabei. Eine Berufung für die A-Nationalmannschaft wäre für ihn „das geilste überhaupt“. „Es wäre eine riesige Ehre. Ich habe es ja schon im Jugendbereich erlebt, das war sehr besonders.“ Angesprochen auf das Standing von Stefan Kuntz erklärt Günes: „Die Meinungen hier sind sehr kurzlebig. Nach Siegen ist man schnell der König, egal ob als Trainer, Spieler oder Verantwortlicher. Das kann sich aber auch ganz schnell drehen. Da spielt es dann auch keine Rolle, wer der Trainer ist.“
Günes Vertrag in Alanyaspor wurde vergangenen Juni verlängert und läuft noch bis 2026 – einen Wechsel in eine europäische Top-Liga ist aber immer noch ein Ziel. „Während der Saison mache ich mir aber wenig Gedanken über einen Transfer. Ich will meine Leistung zeigen, dann kommt schon, was kommen soll. Ich möchte aber meine Karriere auf jeden Fall größtenteils in Europa verbringen.“
Freude über Harthausens starke Saison
Das Geschehen bei seinen Ex-Vereinen verfolgt er wöchentlich. „Auf Fußball.de kann man ja alles nachschauen“, so Günes. So meint er, dass der VfB Stuttgart definitiv besseres verdient hätte und drückt im Abstiegskampf die Daumen. Besser sieht es dafür beim TSV Harthausen aus. Er schwärmt: „Harthausen ist immer noch bei mir im Herzen. Der Aufstieg in die Landesliga wäre eine geile Sache, das freut mich natürlich sehr.“
Sollte es klappen, darf man gespannt sein wie sich die Scherkicker dort beweisen. Spannend wird sicherlich auch der weitere Weg von Umut Günes – vielleicht führt ihn dieser ja bald nach Europa.