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Fussball Petar Segrt – ungekrönter König der Malediven

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"Für dieser großen Momente lebt man als Sportler und als Trainer", freute sich Petar Segrt nach dem Gewinn des Endspiels um die Südasienmeisterschaft. Mit der Nationalmannschaft der Malediven hat er seinen größten sportlichen Erfolg gefeiert. Obwohl er überall arbeiten kann, so richtig wohl fühlt er sich immer noch in seiner Heimat in Calw. Foto: Schwarzwälder Bote

"Man kann überhaupt nicht beschreiben, was nach diesem Finale los war. Wir haben für ein nationales Freudenfest gesorgt. Die Menschen tanzten auf den Straßen. Wir wurden gefeiert wie Helden."

Der Mann, der das sagt, ist Petar Segrt, Trainer der Fußball-Nationalmannschaft der Malediven. Er hat mit seinem Team das Endspiel des Südasiatischeb Fußballverbands (SAFF) gewonnen – mit 2:1 Toren gegen die Auswahl aus Indien.

Der Weltenbummler

Für Petar Segrt ist der Gewinn der Süd-Asien-Meisterschaft der erste internationale Titel, nachdem er zuvor bereits die Nationalteams aus Georgien und Afghanistan trainiert hat. Petar Segrt ist so etwas wie ein Weltenbummler unter der Fußballtrainern. "Ich komme überall klar, auch deshalb, weil Fußball verbindet", sagt der Mann mit kroatischen Wurzeln. So richtig zuhause aber ist er immer noch dort, wo er seine ersten Schritte als Trainer gemacht hat – in Calw. Dort hatte er 1984 die B-Jugend-Fußballer des FV Calw zur Meisterschaft geführt.

Ein Stein im Brett

"Es war ein unglaubliches Spiel – vor allem der Atmosphäre wegen. Für uns hat einfach alles gepasst", freut sich Petar Segrt über den sportlichen Triumph und darüber, wie seine Mannschaft gefeiert wurde. Nicht nur bei den vielen Fans und beim Verbandspräsidenten hat er einem Stein im Brett, auch beim Staatschef ist der Calwer Kroate hoch angesehen. "Als Trainer steht man immer im Blickpunkt – auch auf den Malediven", sagt der Mann, der mit seiner Mannschaft mit einem 7:0-Sieg gegen Bhutan in der Gruppenphase der Südasienmeisterschaft einen Start nach Maß erwischt hatte. "Man war erleichtert, dass wir endlich mal wieder ein Spiel gewonnen haben. Es war der höchste Siege der Malediven überhaupt und so zu diesem Zeitpunkt nicht zu erwarten. In den sechs Monaten danach stand ich jedoch weiter unter Druck und musste Kritik gefallen lassen, obwohl wir gar keine Länderspiele hatten. Die Stimmung für und gegen mich als Nationaltrainer war sehr geteilt. Hauptsächlich waren es fast die ganzen kleinen Inseln, die komplett auf meiner Seite waren, sonst war es in Male, in der Hauptstadt 50:50."

Ein tragischer Held?

Doch die harte Kritik einiger Medien hielt sogar bis zum gewonnen Halbfinale im SAFF-Pokal und wurde vor dem Halbfinale noch extremer. Er sei sogar heftigst kritisiert und sogar zum Rücktritt aufgefordert worden. Dabei wurden Petar Segrt und sein Team gleichzeitig in anderen asiatischen Medien gefeiert. "Ich wusste, dass ich einiges verändern muss, und das hat vielen einfach nicht gepasst. Die Mannschaft der Malediven hatte zuvor seit nahezu zehn Jahren fast immer mit der gleichen Aufstellung gespielt und sich von keinem der vielen Nationaltrainer verändern lassen", erklärt Petar Segrt die Situation vor seinem Engagement. Wenn der Verbandspräsident nicht voll von seiner Arbeit überzeugt gewesen wäre, hätte die Mission wohl auch keinen Sinn gehabt. Und wäre wohl an dieser Stelle auch zu Ende gewesen. Doch der Präsident wollte den Umbruch, hätte sogar einen kompletten Generationswechsel befürwortet und – wenn es nicht anders machbar gewesen wäre – nur noch U19-Spieler aufs Feld geschickt. "So weit wollte ich aber nicht gehen", betont Segrt.

Der richtige Held

"Erst nachdem wir das Finale des SAFF 2018 mit der neuen und jungen Nationalmannschaft gewonnen hatten, änderte sich alles für mich. Gratulation kam jetzt von allen Medien. Mein Dank gilt besonders meinen Spielern, dem Verbandspräsidenten und allen, die mir während der ganzen Zeit immer wieder Mut zugesprochen haben. Es freut mich natürlich besonders, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, die Menschen hier mit unserem Erfolg glücklich zu machen."

Eine gemeinsame Sprache

Fußball hat eine eigene Philisophie, eine, die Menschen, sogar Nationen verbindet. Insofern sind Fußballer in Deutschland, in Afghanistan oder den Malediven für Petar Segrt so weit gar nicht auseinander. Dass das Umfeld auf den Malediven ein komplett anderes ist, als im Hindukusch, bekommt er jedoch jeden Tag zu spüren. "Ich will als Trainer den Fußball voran bringen und will mit meiner Arbeit meine Mannschaften weiterentwickeln. Das war in Georgien und Afghanistan so, das ist auch auf den Malediven nicht anders. Wer im Fußball etwas erreichen will, der muss hart arbeiten", sagt der Mann, der seine Kicker mit deutscher Disziplin an die Aufgaben heranführt und mehrere Sprachen spricht. "Organisation, Tempo, Taktik, das spielt alles eine wichtige Rolle. Das ist nicht alles von Anfang an da, aber Profis gewöhnen sich recht schnell daran. Wenn es mal nicht klappt, dann muss man einem Spieler auch mal eine Denkpause verordnen oder ihn im Zweifelsfall ganz aussortieren. Wichtig ist der gemeinsame Spaß und vor allem der gegenseitige Respekt."

Ständige Gefahr in Kabul

Die großen Unterschiede sind nicht auf dem Platz, sondern drum herum. "Auf den Malediven kann man sich überall allein und frei bewegen, in Afghanistan wurde ich mit Bodyguards und in einem gepanzerten Wagen zum Training, allen Terminen oder auch in den Supermarkt um die Ecke gefahren", weiß Petar Segrt um die Gefahr, die in Kabul immer irgendwo da war. "Das gilt nicht nur für mich. Jeder dort musste ständig damit rechnen, dass etwas passiert, dass sich in Sekunden friedliche Situationen ändern. Man brauchte einfach auch Glück, um nicht plötzlich mit einem Bombenanschlag oder ein Feuergefecht konfrontiert zu werden. Diesen Zustand haben die Menschen in Afghanistan nicht verdient, und ich muss mir auch immer wieder vor Augen führen, dass ich Asraf, meinem engsten Bodyguard, und seinen Jungs mein Leben zu verdanken habe, und dass ich heute auf den Malediven wieder ein so tolles Leben mit einer so hohen Lebensqualität führen darf."

Kein sportlicher Vergleich

Auch das sportliche Niveau ist mit dem in Europa kaum zu vergleichen. Petar Segrt versucht zumindest einen Vergleich zwischen Afghanistan und den Malediven: "Es gibt gewaltige Unterschiede. Die afghanischen Nationalspieler werden in der Bundesliga, in Schweden, Holland, Dänemark oder auch in den USA ausgebildet, wo sie später auch spielen. Die Nationalspieler der Malediven sind nur in ihrer eigenen Liga zu finden." So seien die Nationalspieler der Malediven offensiv stark und vor allem durch ihre Gene extrem schnell – auch gemessen an den europäischen Ligen oder der Bundesliga. Defensiv fehle es an der Organisation, auch taktisch seien sie eher weniger geschult und körperlich nicht robust oder groß genug für das international ganz hohe Niveau. "Wir mussten erst sehr viele Dinge in ständiger und geduldiger Kleinarbeit verändern, ohne die größte Qualität, diese unglaubliche Schnelligkeit und den stark ausgeprägten Offensivdrang zu verlieren. Das haben wir geschafft. Wir wären sonst sicherlich nicht Südasienmeister geworden."

Er kennt sie alle

In Deutschland pflegt Petar Segrt ständig seine Kontakte zu zahlreichen Trainern und Verantwortlichen im Fußballbereich. Und irgendwie hat man im Gespräch mit ihm das Gefühl, er kenne sie fast alle, die Großen und die weniger Großen. Einer, den er schon lange kennt, ist beispielsweise Bundestrainer Joachim Löw. Auch ihn trifft er hier und da wieder, wenn er hier ist. Über ein Trainerengagement in Deutschland denkt er im Moment nicht nach, auch wenn ein Weltenbummler wie er wohl recht schnell unterkommen würde.

Eine große Niederlage

Zählt er seine Erfolge auf, dann ist auch eine Niederlage dabei: "Ich war 1998 ein Teil des Trainerteams des MSV Duisburg, als wir das DFB-Pokal-Finale gegen Bayern München 1:2 verloren haben. Das war ein echtes Erlebnis für uns alle." In Indonesien hat er den Ternate Cup gewonnen und mit Afghanistan das SAFF-Finale 2016 erreicht. "Aber nichts ist zu vergleichen mit diesen Moment, als wir das SAFF-Cup-Finale 2018 mit 2:1 gegen Indien gewonnen hatten. Als der Schiri abgepfiffen hat, fiel aller Druck und alles von mir ab. Für diesen Moment lebt man als Sportler und als Trainer."

Urlaub in Calw

Jetzt lebt Petar Segrt dort, wo andere Urlaub machen. Also macht er es umgekehrt. "Wenn ich Urlaub habe, dann komme ich immer wieder gerne nach Calw – und das gar nicht so selten", sagt der Mann, der ständig zwischen Asien und Europa pendelt und für den das beschauliche Städtchen an der Nagold wohl immer sein Zuhause bleiben wird. "Ich freue mich immer wieder, wenn in nach Calw komme, meine Brüder und ihre Familien treffe und ich den Kontakt zu meinen alten Freunden halten kann. Ich mag das gute schwäbische Essen, und ich genieße es immer wieder, in der "Adria" zu sitzen, das tolle Spaghetti-Eis zu genießen und mit meinen vielen Freunden zusammen zu sitzen und Spaß zu haben."

Petar Segrt – UEFA-Pro-Lizenz

Juli 1983 bis Juni 1987

FV Calw U17

Juli 1996 bis Juni 1997

VfL Bochum II (Co-Trainer)

Juli 1996 bis Juni 1997

VfL Bochum U19

Juli 1997 bis April 2000

MSV Duisburg II (Co-Trainer)

Juli 1997 bis April 2000

MSV Duisburg U19

Juli 2000 bis April 2001

Waldhof Mannheim II

Juli 2000 bis April 2001

Waldhof Mannheim (Co-Train. unter Uwe Rappolder)

September 2001 bis Januar 2003

DSV Leoben (Österreich)

Juli 2003 bis November 2003

SV Ried (Österreich)

Juli 2004 bis November 2005

Wiener Sportclub

Juli 2006 bis Februar 2007

Scout für Georgien

Februar 2007 bis Dezember 2008

Georgien U21

April 2008 bis Dezember 2009

Teamkoordinator Georgien

Juli 2011 September 2011

Persires (Indonesien)

Oktober 2011 bis Juli 2013

PSM Kakassar (Indonesien)

September 2014 bis April 2015

NK Zvijezda Gradacac (Kroatien)

November 2015 bis Februar 2017

Afghanistan (Nationaltrainer)

März 2018 bis jetzt

Malediven (Nationaltrainer)

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