Nun stehen alle Gegner der Stuttgarter Kickers in der neuen Oberligasaison fest. Der FC Holzhausen setzt sich in den Aufstiegsspielen souverän durch und hat den Sprung nach oben vor allem einem Mann zu verdanken: Top-Torjäger Janik Michel. Was zeichnet ihn aus?
Er hat in der abgelaufenen Saison der Fußball-Verbandsliga 47 Treffer für den Vizemeister FC Holzhausen erzielt. Im Aufstiegshinspiel (5:0) beim südbadischen Vertreter FC Denzingen schnürte Janik Michel einen Tore-Viererpack. Damit war alles entschieden. Im Rückspiel (6:1) ließ der Vollblutstürmer dann gönnerhaft zunächst mal andere ran, so erzielte etwa Pascal Schoch drei Treffer. Doch das Tor zum 5:1 ließ sich Michel dann doch nicht nehmen. Das Entscheidende stand da aber längst fest: In der neuen Saison spielt der Club aus dem Teilort von Sulz am Neckar erstmals in der Vereinsgeschichte in der Fußball-Oberliga, und Michel war zweifelsohne der Garant für den Sprung nach oben.
Erfahrung in der Regionalliga
Der 29-Jährige kennt diese Spielklasse, er kennt sogar die Regionalliga aus seiner Zeit bei der SV Elversberg (2015/16) und dem SSV Ulm 1846 (2016 bis 2018). Lutz Siebrecht, bis vergangenem Oktober Sportlicher Leiter der Stuttgarter Kickers, hatte ihn in gleicher Funktion vor sechs Jahren zu den Ulmer Spatzen geholt.
Michel – der Strafraumstürmer
Der 54-Jährige beschreibt seine Qualitäten wir folgt: „Janik ist ein Strafraumstürmer mit einem sehr guten ersten Kontakt, einer starken Ballan- und mitnahme und eben einem Torinstinkt, den man nicht lernen kann.“ Michel ist kein Umschaltspieler für Mannschaften, die auf Konter setzen. Vielmehr passt ein Team zu ihm, das auf viel Ballbesitz ausgerichtet ist, das Spiel auf ihn zugeschnitten hat.
So ist das jetzt beim FC Holzhausen. Bei dem Verein 50 Kilometer südwestlich von Tübingen hat er sein Glück gefunden. Der gebürtige Tübinger hat beim Sponsor des Clubs eine Ausbildung als Industriekaufmann absolviert, inzwischen hat er eine Festanstellung in der Versicherungsbranche. Siebrecht kannte seine Priorität aufs Berufliche, was auch der Grund ist, warum er nicht versuchte, ihn zu den Kickers zu lotsen. Bleibt die Frage, warum es zum Durchbruch in der Regionalliga nicht reichte?
Schwacher linker Fuß
Michel selbst erklärt sich das so: „Die Regionalliga ist viel physischer als die Ligen darunter. Da bekommt man als Stürmer einfach nicht so viele Chancen, und wenn man diese dann nicht reinmacht, wird es schwierig.“Michel ist ein bodenständiger Typ, dem es auch an Selbstkritik nicht mangelt: „Der Schnellste war ich auch noch nie, und bei meinem linken Fuß wäre es gut, wenn er nicht nur zum an der Bar Stehen geeignet wäre“, analysierte einmal mit einem Augenzwinkern in einem Interview.
Jetzt ist er mit Holzhausen zweimal aufgestiegen. Dass das Ziel in der Oberliga Klassenverbleib heißt, versteht sich von selbst. Was die Höhepunkte werden, genauso: Die Spiele gegen die Stuttgarter Kickers. Auf die freut sich auch sein Trainer: Pascal Reinhardt spielte einst in der A-Jugend bei den Blauen, wechselte danach unter anderem zum FC Bayern München II, dem FSV Mainz 05 II und zum SSV Ulm 1846. Nach zahlreichen Verletzungen – darunter drei Kreuzbandrisse – beendete er 2020 seine aktive Karriere und stieg ins Trainergeschäft ein, in Personalunion fungiert Reinhardt auch als Sportlicher Leiter. Nun hat der 29-Jährige mit dem erstmaligen Oberligaaufstieg beim FC Holzhausen Geschichte geschrieben – gemeinsam mit Janik Michel, dem Mann mit dem eingebauten Torinstinkt.
Oberliga-Teams 2022/23
Württemberg
SG Sonnenhof Großaspach (Absteiger), Stuttgarter Kickers, TSG Backnang, 1. Göppinger SV, FV Ravensburg, SSV Reutlingen, FSV 08 Bietigheim- Bissingen, Sport-Union Neckarsulm, FSV Hollenbach (Aufsteiger), FC Holzhausen (Aufsteiger).
Südbaden
FC 08 Villingen, 1. FC Rielasingen-Arlen, SV Oberachern, Freiburger FC, Offenburger FV (Aufsteiger).
Nordbaden
1. CfR Pforzheim, FC Nöttingen, ASV Mutschelbach (Aufsteiger).