Fußball: Stuttgarter Kickers und SGV Freiberg dürfen trainieren / Antrag des 1. CfR Pforzheim von der Stadtverwaltung abgelehnt

(mo). Aufregung in der Fußball-Oberliga. Eigentlich ruht aufgrund der aktuellen Landesverordnungen der Trainings- und Spielbetrieb für die Fußballvereine in Baden-Württemberg in allen Fußball-Spielklassen unterhalb der 3. Liga. Doch vor einigen Tagen gab es von der Stadt Stuttgart grünes Licht für die Oberliga-Mannschaft der Stuttgarter Kickers. Sie darf mittendrin im zweiten Lockdown doch wieder Mannschaftstraining absolvieren, weil es bei den "Blauen" Schnittstellen zwischen Profi- und Amateurbereich gebe, so die Stellungnahme der Stadt Stuttgart.

Mit dem SGV Freiberg darf inzwischen auch der zweite Oberligist wieder trainieren. Die Freiberger Fußballer erhielten ebenfalls von ihrer Stadtverwaltung die Erlaubnis, weil es relativ viele hauptamtliche Mitarbeiter beim aktuellen Oberliga-Tabellenführer gebe.

Über eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs noch in diesem Jahr soll bald entschieden werden und so fühlen sich die restlichen Teams der Liga benachteiligt. Der 1. CfR Pforzheim hatte deswegen bei der Stadt Pforzheim eine Sondergenehmigung beantragt, ebenfalls trainieren zu dürfen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. "Die Corona-Verordnung sieht nur Ausnahmen von den derzeit geltenden Einschränkungen vor, wenn eine Mannschaft oder ein Sportler zweifelsfrei dem Profi- und Spitzensport zuzuordnen sind. Aus Sicht der Stadt Pforzheim ist davon auszugehen, dass die allermeisten – oder sogar alle – Spieler der CfR-Herrenmannschaft den Fußballsport nicht als Haupttätigkeit ausüben und somit auch nicht den Großteil ihres Lebensunterhalts damit bestreiten. (...) Ausnahmen können nach der Corona-Verordnung weiterhin für Mannschaften geltend gemacht werden, die in länderübergreifenden Ligen spielen (der 1. bis 3. Bundesligen aller Sportarten). Dieses Kriterium greift hier allerdings auch nicht, da die erste Mannschaft des 1. CfR Pforzheim in der Oberliga Baden-Württemberg spielt und somit bundesweit gesehen in der 5. Liga aktiv ist", lautet dazu die Begründung in einer Pressemitteilung der Stadt.

"Wir haben mit keiner anderen Entscheidung gerechnet", sagt Markus Geiser, Vorstandsvorsitzender des 1. CfR. "Diese ist nachvollziehbar und tragbar". Sein Verein habe den Antrag hauptsächlich gestellt, um die Entscheidung schwarz auf weiß zu haben. "So müssen wir uns nicht verwerfen lassen, dass wir es nicht versucht haben", sagt Geiser.

Uneinheitliches Vorgehen

Das Problem sieht Geiser in erster Linie auch nicht in der Absage der Stadt Pforzheim, sondern vielmehr im uneinheitlichen Vorgehen der Kommunen. "Wir haben doch derzeit ganz andere Probleme", sagt Geiser. In Anbetracht des Lockdowns mit rigorosen Beschränkungen für ganze Wirtschaftszweige und ständiger Appelle aus der Politik, Abstand zu halten und aufeinander achtzugeben, sei die Entscheidung in Stuttgart, die Kickers trainieren zu lassen, an "Absurdität nicht zu überbieten". "Da braucht man sich nicht wundern, wenn das bei den Menschen auf Unverständnis stößt. Wir sind eigentlich die letzten, die wirklich systemrelevant sind", sagt Geiser und fordert: "Wir brauchen unbedingt eine einheitliche Regelung und Vorgehensweise".

Wir es mit dem Spielbetrieb der Oberliga weitergeht, ist weiter unklar. Dies sollte eigentlich nach dem Bund-Länder-Treffen am Montag beschlossen werden. Da dort aber keine Beschlüsse zu Stande kamen, wurde die Entscheidung auf nächste Woche vertagt.

Auch die Stadt Pforzheim hatte ihre Absage an die politische Entscheidungen geknüpft. "Eine Fortsetzung des Spielbetriebs hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie, Verabredungen auf Bundes- und Landesebene und den weiteren Landesverordnungen ab. Auf Grundlage der aktuellen sowie zukünftig geltenden Landesverordnungen wird der Antrag des Vereins kontinuierlich geprüft und neu bewertet. Da Pforzheim im Landesvergleich aktuell die höchste 7-Tage-Inzidenz aufweist, wäre es unter den gegebenen Rahmenbedingungen, unabhängig von praxistauglichen Hygienekonzepten, von Verwaltungsseite nicht zu verantworten, Sondergenehmigungen zu erteilen, die die bestehenden Verordnungen aufweichen beziehungsweise außer Kraft setzen", heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

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