Kellerkind SV Seedorf bei Tabellenführer VfL Nagold – eine klare Sache? Nur scheinbar, denn der Tabellenvierzehnte hatte sich glänzend auf den Spitzenreiter eingestellt und machte ihm das Leben maximal schwer.
Am 29. Spieltag der Fußball Landesliga Staffel III musste die spielfreie SG Empfingen zusehen, wie Spitzenreiter VfL Nagold seinen Vorsprung auf vier Punkte vergrößerte. Durch den 1:0-Sieg im Verfolgerduell zwischen den Young Boys Reutlingen und der SV Böblingen ist jetzt sogar der Relegationsplatz für die lange an der Spitze stehenden Empfinger in akuter Gefahr.
Zuschauer bleiben aus
Die Nagolder haben ihre Hausaufgaben trotz erstem Rasenplatzspiel und – bedingt durch das VfB-Heimspiel gegen den FC Bayern – vor Zuschauer-Minuskulisse gemacht. Der „Dreier“ gegen den SV Seedorf war hochverdient, allerdings trotz der vier Tore ohne Glanz.
Die Seedorfer Defensive, zwischendurch mit zwei Fünferketten direkt hinter der Mittellinie, hat das Nagolder Spiel in die Breite gezwungen, phasenweise lief der Ball wie beim Handball immer um den Strafraum herum. Es fiel dem VfL schwer, gegen Marco Lenz, Marvin Roth, Mario Grimmeißen und Elias Schmid eine Lücke zu finden. Vor der Viererkette verdarben Tom Ritzel, Yannik Scheck, Timmy und Linus Haag mit einer hohen Laufleistung dem Nagolder Spielaufbau den Spaß.
Zuschauer muss Stadion verlassen
Pässe in die Mitte funktionierten gar nicht. Wenn es gefährlich wurde, dann nach Diagonalbällen oder Flanken von außen. Aufregung gab es eher neben dem Platz, als Schiedsrichter Lenny Müller einen Zuschauer nach diversen Zwischenrufen aus dem Stadion entfernen ließ.
Auf dem Platz konnte Christos Thomaidis nach einer Fleischle/Rauser-Kombination eine Flanke freistehend aus sechs Metern unter die Latte platzieren (24.). Zehn Minuten später bot sich Matthias Rauser noch eine Möglichkeit, kurz vor der Pause schlenzte Elias Bürkle einen Freistoß an den Pfosten. Seedorf hatte zu diesem Zeitpunkt zwei, drei Halbchancen auf dem Konto, die beste servierte Tom Ritzel zu zentral auf VfL-Keeper Joel Mogler.
Zweimal fast der Ausgleich
Der hatte zu Beginn einen eher geruhsamen Nachmittag. Doch dann wurde Nagold zusehends lascher und leichtsinnig in der Defensivarbeit. Aus einem Stockfehler von Serach von Nordheim hätte Marco Lenz den Ausgleich machen müssen (51.), kurz danach touchierte der Ball nach Seedorf-Ecke den Pfosten.
Armin Redzepagic reagiert
Armin Redzepagic sah die Gefahr, brachte nach einer Stunde Laurenziu Biemel und Perparim Halimi für Matthias Rauser und Christos Thomaidis, kurz danach Berk Özhan für Jan Beifuß. Der VfL, der sich zuletzt mit Glück und Geschick nach ganz oben gespielt hatte, kam wieder besser ins Spiel. Ein Foulspiel an Bürkle wenige Meter vor dem Strafraum brachte die Entscheidung. Laurenziu Biemel zirkelte das Leder unhaltbar ins obere Eck (72.), zwei Minuten später wurstelte sich Johannes Fleischle durch, sein Schuss prallte von SVS-Keeper Moritz Karcher auf Fleischle zurück, und der traf im Nachfassen zum 3:0 (74.).
Damit nicht genug: Nach einem Ball aus dem Halbfeld von Burak Tastan stand Laurenziu Biemel goldrichtig und schob zum 4:0 ein. Drei Tore in vier Minuten – für Mannschaften, die hinten stehen, kann Fußball ganz schön brutal sein.
Das sagen Armin Redzepagic und Markus Federle
Armin Redzepagic (VfL Nagold): „Das war ein souveräner Arbeitssieg ohne Glanz. Wichtig ist, dass sich niemand verletzt hat. Schwierig hätte es werden können, wenn wir in den ein, zwei Szenen im zweiten Abschnitt den Ausgleich kassieren. Man hat aber auch gesehen, dass wir uns mit unserem Spiel erst an Rasen gewöhnen müssen.“
Markus Federle (SV Seedorf): „Ja, der VfL Nagold war die bessere Mannschaft mit viel individueller Klasse, und die hat letztlich den Ausschlag gegeben, wie beim 1:0 und 2:0 zu sehen war. Wir waren gut im Spiel drin, hatten wenig zugelassen und waren im zweiten Abschnitt drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen, bis das Freistoß-Tor kommt. Das 0:4 ist sicherlich zu hoch, insgesamt hat meine Elf eine akzeptable Leistung gebracht.“
VfL Nagold – SV Seedorf 4:0 (1:0)
VfL Nagold: Joel Mogler (Tor) – Frederic Fleischle (46. Fabian Mücke), Admir Osmicic, Nick Schweizer, Fabian Mücke, Serach von Nordheim (76. Philipp Schäuble), Tastan Burak, Johannes Fleische, Matthias Rauser (61. Perparim Halimi), Christos Thomaidis (61. Laurenziu Biemel), Jan Beifuß (67. Özhan Berk).
SV Seedorf: Moritz Karcher (Tor) – Elias Schmid (86. Patrick Seyfried), Mario Grimmeißen, Timmy Haag, Freider Mauch, Tom Ritzel (67. Darius Gutekunst), Marvin Roth, Linus Haag (72. Tim Hauger), Yannik Scheck, Marco Lenz, Joshua Broghammer.
Tore: 1:0 Christos Thomaidis (22.), 2:0 Laurenziu Biemel (72.), 3:0 Johannes Fleischle (74.), 4:0 Laurenziu Biemel (76.).
Schiedsrichter: Lenny Müller (Plittersdorf); Amin Hamidi, Viktor Loghin.
Zuschauer: 90.