Hatte wenig zu tun: Nagolds Keeper Luca Lauxmann. Foto: Albert M. Kraushaar

Der Favorit aus Nagold beißt sich am variablen Defensivspiel des Aufsteigers Freudenstadt lange die Zähne aus.

Selten war eine Mannschaft so chancenlos wie die SpVgg Freudenstadt beim VfL Nagold, selten hat jedoch ein Aufsteiger einen Favoriten so genervt wie die (Rumpf-)Elf von Trainer Elvedin Djekic.

 

Ein sehr nerviger Arbeitssieg gegen die SpVgg? „Nein“, korrigiert Marcel Schuon diese Einschätzung. „Es war mehr ein sehr zäher Arbeitssieg, aber ja: Die Gefahr war da, dass noch etwas schief gehen könnte“, räumt der Nagolder Coach ein. Zumindest bis zur 79. Minute, in der der eingewechselte Tom Gutekunst mit seinem Kopfballtreffer zum 2:0 auf Eckball von Marius Hogg den Dreier in Sicherheit brachte.

Marcel Schuon hatte die Nagolder Fans mal wieder mit seiner Aufstellung überrascht. Ohne Jan Beifuß, Ruben Cinar, Burak Tastan, Nico Graf, Nico Gaiser und Johannes Fleischle (blieb auf der Bank) waren Fabian Mücke, Matthias Rauser, Jonny Rothfuß und Chris Wolfer nach dem 0:1 gegen Empfingen in die Startelf gerückt.

Niklas Watzl kam überwiegend über rechts, Panagiotis Karypidis und Wolfer wechselten sich im Sturmzentrum ab. In dem spielte Anton Bensch zusammen mit Hamza Djekic eine starke Abräumerrolle, was Marcel Schuon – „wir sind nicht richtig in die Box gekommen“ – indirekt bestätigte. Nach vorne ging so gut wie nichts.

Ein paar Schussversuche

Vier, fünf Schussversuche – meist resultierend aus Standards – gingen weit am Tor vorbei, auf den Kasten bekam Luca Lauxmann in den 95 Minuten nichts.

Der VfL Nagold kontrollierte und dominierte das Spiel, ließ den Gegner laufen, musste jedoch gegen das 4-5-1-System permanent in die Breite spielen. „Wenn man einem Aufstiegsfavoriten so ein Spiel aufzwingen kann, dann muss man zufrieden sein“, rang Elvedin Djekic dem 0:2 etwas Positives ab. Der SpVgg-Coach war mit der Leistung seiner – O Ton Djekic – „Rumpf-Elf mit A-Jugendlichen und Zweite-Mannschaft-Spieler“ absolut einverstanden.

Marcel Schuon fordert Geduld

„Spielt Fußball und habt Geduld“, forderte Marcel Schuon seine Elf angesichts der defensiven Grundhaltung der Gäste auf. Das sah dann auch gut aus – aber nur bis zum Strafraum. Da waren die Passsicherheit und das Spielverständnis plötzlich weg. Vor allem Matthias Rauser haderte das eine ums andere Mal mit seinen Zuspielen, Panagiodis Karypidis stand in schöner Regelmäßigkeit falsch, und die Flankenversucher von Niklas Watzl und Frederic Fleischle fanden keine Abnehmer.

Die Geschichte wurde immer zäher, die SpVgg steigerte sich am Ergebnis, der VfL verzweifelte an einer Fülle von Halbchancen – bis zur 27. Minute, als sich Chris Wolfer durchsetzte und im Nachfassen zum 1:0 traf, begünstigt durch eine kurze Unaufmerksamkeit beim Aufsteiger, der auf Abseits reklamiert hatte. Die Führung war hochverdient, in der 34. Minute verhinderte der Pfosten bei einem Bürkle-Freistoß die Vorentscheidung.

Hochspannung auf dem Platz

Die Partie lebte vor den knapp 200 Zuschauern von dem knappen Spielstand. „Wir müssen aktiver anlaufen“, forderte Schuon, der sah, dass sich die Gäste mit der Einwechslung von Krika Tchoua Aboubakar um etwas mehr Entlastung bemühten. Dazu versuchte Patrick Ostojic, den einen oder anderen Offensivakzent zu setzen – meist zwar vergeblich, dennoch zeigten sich Marcel Schuon und sein Co. Kürsat Bodur zusehends genervt.

Auch weil hinten nicht konsequent gegen den Ball gearbeitet wurde und die Spieleröffnung immer mehr Wünsche offen ließ. Nach knapp einer Stunde waren Philipp Gauss (für Wolfer) und Tom Gutekunst (für Karypidis) gekommen.

Neues Leben in der Box

Mit Gutekunst kam wieder mehr Leben in die Box, und daraus resultierte auch das entscheidenden 2:0 (79.) nach einem Hopp-Eckball. Der Rest war „Schaulaufen“, bei dem der eingewechselte Bubacarr Sanyang, als Stürmer wohlgemerkt, für Unterhaltung bei den Fans sorgte – und in bester Robben-Manier für die letzte Torchance im Spiel.

VfL Nagold – SpVgg Freudenstadt 2:0 (1:0)

VfL Nagold: Luca Lauxmann (Tor) – Marc Rück, Fabian Mücke, Frederic Fleischle (74. Jeremie Arlt), Perparim Halimi (64. Marius Hopp), Jonny Rothfuß, Elias Bürkle, Niklas Watzl (86. Bubacarr Sanyang), Matthias Rauser, Chris Wolfer (56. Philipp Gauss) Panagiotis Karypidis (56. Tom Gutekunst).

SpVgg Freudenstadt: Denis Kübler (Tor) – Nick Seifert (58. Bence Farcas), Hamza Djekic, Leon Lisicar, Nico Göcks (74. Keita Mamoudou), Patrick Ostojic (85. Nils Armbruster), Pascal Göcks (46. Tchoua Kirka Aboubakar), Leon Schaber, Christian Braidt (46. Jannis Armbruster), Anton Bensch, Caleb Kaupp.

Tore: 1:0 Chris Wolfer (27.), 2:0 Tom Gutekunst (79.).

Schiedsrichter: Oskar Diebold (Killertal) – Jannik Kanz, Claudius Strobel.

Zuschauer: 175.