Auch wenn Gerhard Schmidt nach 42 Jahren Vorstandstätigkeit beim SV Weil den Vorsitz abgegeben hat, schlägt sein Herz weiterhin für den Fußball und den Weiler Sportverein. Foto: Siegfried Feuchter

Auf einen Kaffee mit... Gerhard Schmidt. Wie kaum ein anderer hat der 72-Jährige den SV Weil jahrzehntelang geprägt

Ein Leben für den Verein und den Fußball: 42 Jahre Vorstandstätigkeit, davon 26 Jahre als Vorsitzender und elf Jahre als stellvertretender Vorsitzender, unterstreichen seine Leidenschaft und sein starkes Engagement. Das Nonnenholz und der SV waren wie sein zweites Zuhause.

 

„Manchmal sogar sein erstes“, meint seine Frau Ilse, mit der Gerhard Schmidt als Vater von zwei erwachsenen Söhnen und Opa von fünf Enkeln seit 46 Jahren verheiratet ist. Der Verein ist ihm in diesen Jahrzehnten zu einem Stück Heimat geworden.

Gerhard Schmidt, der beruflich bis heute noch als selbstständiger Bauingenieur in seinem Wohnort Haltingen tätig ist, war eine Institution und ein Glücksfall für den Weiler Fußballverein.

Seit 63 Jahren ist er mit dem 800 Mitglieder zählenden SV aufs engste verbunden. Mit neun Jahren fing er in der D-Jugend an, Fußball zu spielen. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften und spielte zeitweise in der ersten Mannschaft, jedoch wegen seines Bauingenieurstudiums in Karlsruhe meist in der „Zweiten“.

Mit 30 Jahren begann sein ehrenamtliches Engagement für den Verein – erst als Beisitzer, wobei er die Interessen der Aktiven vertrat, dann als stellvertretender Vorsitzender, ehe er 26 Jahre lang engagierter Vereinschef war.

Wie er es in all den Jahren verstanden hat, Familie, Beruf und Vereinstätigkeit unter einen Hut zu bringen, darüber wundert sich Gerhard Schmidt im Rückblick manchmal selbst. Ein striktes Zeitmanagement sei das eine.

Das andere: „Ich konnte mich immer auf ein gutes Vorstandsteam verlassen“, sagt der langjährige Vorsitzende und nennt dabei stellvertretend drei Namen: Perseus Knab als sportlicher Leiter, seine Schwester Elisabeth Kellringer als Kassiererin und Tobias Glasow als Jugendleiter.

Kameradschaftliches Miteinander als Triebfeder

Und: „Meine Frau hat mir immer den Rücken frei gehalten, ihr bin ich besonders dankbar.“ Zudem war ihm das kameradschaftliche Miteinander im Verein stets wichtig, es war Triebfeder für sein motiviertes und erfolgreiches Wirken.

Zu dem intakten Vereinsleben hat auch das von ihm mitentwickelte Leitbild beigetragen. In diesem sind unter anderem der Verein als Sozial- und Solidargemeinschaft festgehalten, in der Menschlichkeit, Fair-Play, Respekt vor der Leistung anderer und Integration von Mitbürgern ausländischer Herkunft festgehalten sind.

Gerhard Schmidt hat jahrzehntelang viel Zeit und Kraft in den Fußballverein investiert. „Der Verein war wie eine große Familie für mich“, sagt er und hebt dabei „die tolle Kameradschaft und das Vertrauensverhältnis zu den Spielern“ hervor.

In seiner neuen Funktion als Ehrenpräsident, in der er mit dem operativen Geschäft nichts mehr zu tun hat und sich ganz auf die Repräsentanz nach außen und auf die Besuche von Jubilaren konzentrieren kann, wird er künftig nicht mehr so häufig im Sportzentrum Nonnenholz anzutreffen sein.

Eine der größten Jugendabteilungen in Südbaden

Besonders stolz ist er auf die Jugendarbeit des Vereins, die mit 300 betreuten Jugendlichen zu den größten Abteilungen in Südbaden zählt. Deshalb war und ist es ihm ein wichtiges Anliegen, dass eigene Nachwuchskräfte in die erste Mannschaft aufrücken.

Wenn man Gerhard Schmidt nach den größten Erfolgen und Enttäuschungen während seiner langen Amtszeit fragt, muss er nicht lange überlegen. Die Aufstiege in die Verbandsliga und das Jubiläum zum 100-jährigen Bestehen waren Meilensteine, während sportlich 2011 die Pokalniederlage in Teningen die größte Enttäuschung war. Denn dadurch entging dem Verein eine durch ein DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 sicher geglaubte Einnahme von 100.000 Euro. „Dieses Geld hätten wir gut gebrauchen können“, trauert Schmidt heute noch dieser auf dem Fußballrasen verpassten Möglichkeit nach.

Mit Leidenschaft, Leib und Seele dabei

Gerhard Schmidt, der mit Leib und Seele und mit viel Leidenschaft den großen Sportverein geführt hat, ist froh, eine zeitgemäße und zukunftsträchtige Nachfolgeregelung gefunden zu haben – in Zeiten, in denen sich immer mehr Vereine damit schwer tun, Vorsitzende zu finden.

Denn seit der jüngsten Hauptversammlung gibt es beim SV Weil keinen Vorsitzenden mehr, sondern dessen Arbeit wird auf mehrere Schultern innerhalb des Vorstandsteams verteilt. „Der Verein ist gut aufgestellt“, stellt der 72-Jährige zu seinem Rückzug von der Vereinsspitze zufrieden fest.

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

Er freut sich jetzt darauf, nun mehr Zeit für die Familie zu haben. Und er hofft, dass in naher Zukunft ein Thema zu den Akten gelegt werden kann, das dem Verein seit Jahren unter den Nägeln brennt: die Sanierung des Sanitärtrakts.

Seit 2017 hat der SV von Stadt und Gemeinderat eine Zusage, doch aus finanziellen Gründen wurde das dringliche Projekt mehrfach auf die Wartebank geschoben. „Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, gibt sich Gerhard Schmidt zuversichtlich.