Bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Gewalt – vor allem in den Profiligen, wie hier in Dresden. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Gewalt bei Fußballspielen ist seit Jahren bundesweit ein großes Thema. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen. Wie es in Baden-Württemberg und der Region aussieht.

Vor allem bei Spielen größerer Vereine oder in höheren Ligen kommt es immer wieder zu Gewalt und Auseinandersetzungen. So wurde erst kürzlich das Zweitligaspiel zwischen Hertha BSC und Dynamo Dresden unterbrochen, da Dresden-Fans über das Feld rannten, um das gegnerische Fanlager mit Raketen zu beschießen.

 

Wobei zuvor auch Hertha-Anhänger auffällig geworden sein sollen. Minutenlang war das Spiel danach unterbrochen und Polizisten sicherten das Geschehen ab.

Auch in der Bundesligapartie zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München kam es am vergangenen Sonntag zu Auseinandersetzungen und einer Massenschlägerei zwischen den Fanlagern.

Gewalt im Fußball als massives Problem

Laut einer Pressemitteilung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sei die Gewalt im Fußballgeschehen ein massives Problem. Tausende Polizisten seien an jedem Spieltag unterwegs und müssen an und in den Stadien für Sicherheit sorgen.

Die Mitteilung bezieht sich dabei wohl eher auf die größeren Städte und Profiligen. Doch wie sieht das in Baden-Württemberg aus? Und ist Gewalt auch bei Amateurspielen in der Region ein Problem?

„Gewalt im Fußballgeschehen in Baden-Württemberg stellt ein relevantes Einsatzphänomen dar. Schwerpunkte liegen bei Hochrisikospielen im Profibereich“, erklärt Thomas Mohr, stellvertretender Landesvorsitzender der GdP Baden-Württemberg. Zugleich beobachte man eine zunehmende Aggressivität im Umfeld von Spielen: „Einsatzkräfte werden gezielt angegangen und die Belastung für die Polizei bleibt auf einem hohen Niveau.“

Zunahme von Fällen im Amateurbereich

„Auch im Amateur- und unterklassigen Bereich stellen wir eine Zunahme von Vorfällen fest“, sagt Mohr. Spiele würden häufig schneller eskalieren, da klare Ordnungsstrukturen fehlen. Konflikte entstünden zwischen Spielern, Funktionären und Zuschauern, wobei Alkohol oft als zusätzlicher Auslöser wirke.

Auf den Sportplätzen der Region sind solche Fälle zwar nicht alltäglich. Trotzdem ist die Gewalt auch in unterklassigen Ligen ein wichtiges Thema.

Im Amateurfußball gibt es normalerweise keine organisierten Fan-Ausschreitungen, sondern eher verbale Gewalt, wie Beleidigungen oder kleinere Rangeleien, die auf nahezu jedem Sportplatz zu beobachten sind.

Schwere Vorfälle, wie unter anderem Spielabbrüche oder Attacken gegen Schiedsrichter, wie vor der Winterpause im Kreis Calw, bleiben eher die Ausnahme. Sie sorgen dann aber für viel Aufmerksamkeit. Im Kreis Calw eskalierte vor einigen Wochen auch ein B-Jugend-Spiel, was zu einer Geldstrafe führte.

Als Hauptursachen für die stattfindende Gewalt sieht die GdP unter anderem Alkohol- und Drogenkonsum, gruppendynamische Effekte innerhalb gewaltbereiter Szenen, fehlende soziale Kontrolle sowie teilweise unzureichende Sanktionierung.

GdP sieht Handlungsbedarf

Aus Sicht der GdP Baden-Württemberg bestehe daher konkreter Handlungsbedarf. Mohr sagt: „Erforderlich sind eine konsequente Strafverfolgung und schnelle Sanktionen, der Ausbau und die stringente Durchsetzung von Stadionverboten sowie eine deutlich stärkere Präventionsarbeit in Vereinen und Verbänden.“

Außerdem müssten Veranstalter ihre Verantwortung wahrnehmen. Gleichzeitig brauche die Polizei ausreichend Personal. Und Sicherheitskonzepte müssten auch im Amateurbereich verbindlich etabliert werden.

Mohr stellt abschließend klar, dass Gewalt im Fußball kein Randphänomen sei und sagt weiter: „Unsere Kolleginnen und Kollegen erleben regelmäßig Eskalationen. Wer Einsatzkräfte angreift oder andere gefährdet, muss mit spürbaren Konsequenzen rechnen.“