Waleed Juned trägt das Trikot des FC 07 Albstadt in der Landesliga Staffel 3. Foto: Kara

Der FC 07 Albstadt hat sich für die Landesliga 4 mit Waleed Juned verstärkt. Der heute 21-jährige Syrer war in seiner Heimat ein Vollprofi in der ersten Liga, ehe er nach Deutschland flüchtete.

Der FC 07 Albstadt hat mit Waleed Juned einen Neuzugang der ganz besonderen Art: Vor ein paar Monaten kam der 21-jährige Syrer zufällig an der Spielstätte der Nullsiebener vorbei – jetzt ist er Teil von Albstadts Landesligakaders für die kommende Saison.

 

Flucht aus dem Heimatland

Auf den ersten Blick scheint die Geschichte von Waleed Juned nichts Außergewöhnliches zu sein: Wie auch viele andere Menschen, hat sich Juned alleine ohne seine Familie dazu entschieden, sein Heimatland im nahen Osten aufgrund von Bürgerkriegen und fehlenden Menschenrechten zu verlassen.

Anfang des Jahres kam er in der Flüchtlingsstation in Albstadt-Tailfingen unter. Es dauert nicht lange, bis sich Juned dazu entschloss, Teil einer Fußballmannschaft zu werden.

Er hatte einen schon länger in Deutschland lebenden Freund, welcher die Sprache deutlich besser beherrscht als Juned zunächst. Gemeinsam haben sich die zwei Flüchtlinge das Albstadion in Albstadt von außen angeschaut, ehe beide zufällig am Stadionparkplatz auf Albstadts Spielerbetreuer Peter Frank trafen. Frank gewährte den beiden einen Einblick ins Fußball-Stadion und stellte den Kontakt zwischen Spieler und Verein her.

Erfahrung vor großer Kulisse

„Dieses Stadion ist aber klein“, waren dabei die ersten Eindrücke und Gedanken, welche Juneds Freund für ihn übersetzte. Waleed Juned ließ nämlich noch vor der ersten Trainingseinheit durchblicken, dass er schon vor einer deutlich größeren Zuschauerkulisse kickte – mehrere tausend Zuschauer.

Als ehemaliger Vollprofi kann der noch junge Juned nämlich schon Erstklassigkeit vorweisen – auch wenn er wegen seiner Flucht im vergangenen Jahr kaum trainierte. Dabei gilt Waleed Juned als höflich und zurückhaltend. Mittlerweile kann er sich auch ganz gut auf deutsch verständigen.

Aktiv bei Hutteen SC

In Syrien spielte der Mittelfeldspieler für den Hutteen SC, einem Erstligisten aus Latakia – der viertgrößten Stadt Syriens. Dort spielte er zunächst im „Al-Assad Stadium“ mit 28.000 Zuschauern, ehe es das Team an der türkischen Grenze ins „Latakia Sports City Stadium“ mit knapp 45.000 Zuschauern zog. Letztere genannte Heimstätte wäre deutschlandweit das 17. größte Stadion.

Die abgelaufene Saison beendete der Hutteen SC auf dem vierten Rang der syrischen „Premier League“. In den vorherigen beiden Jahren entgingen die Nordostsyrer dem Abstieg nur denkbar knapp um jeweils einen Tabellenplatz.

In Zukunft muss sich Juned vor ein paar Hundert im Ebinger Albstadion beweisen. Spielertrainer Abdussamed Akbaba hat ihn nämlich schon in den Landesliga Kader für die kommende Saison aufgenommen. Die abgelaufene Spielzeit endete für die Nullsiebener auf dem achten Tabellenplatz.

Juned trainierte seit Beginn der Rückrunde bei der ersten Mannschaft mit und kam noch vor der Sommerpause zu zwei Ligaeinsätzen gegen den SV Hohentengen und den SV Sulmetingen, auch wenn es zusammengenommen nur 32 Spielminuten waren.

Umbruch bei den Blau-Weißen

In der neu formierten Landesliga Staffel 3 werden die Albstädter gegen neue Gegner spielen. Akbaba – selber erst seit Februar in der Trainerrolle – wollte daher keine falsche Erwartungen an die neue Spielzeit wecken:„Wir haben einen Umbruch, keine Frage. Wir wollen mit jungen Spielern uns erstmal etablieren – ehrlich gesagt, erstmal überleben.“