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Fußball-Geschichte Deutscher Fußball schlüpft in Cannstatt

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Jung und selbstbewusst: Der 18-jährige Philipp Heineken (ganz links) mit der jungen Mannschaft des Cannstatter Fußball-Clubs Foto: Verlag Hermann Meister

Stuttgart - Das Auto wurde in Cannstatt erfunden. Das weiß jedes Kind. Aber wer weiß schon, das in Cannstatt auch Deutschlands erster Fußball gespielt wurde?

Quatsch, denken jetzt die Kinofans, die Daniel Brühl in der Rolle des Braunschweiger Fußballlehrers Konrad Koch gesehen haben. Als Koch 1874 auf dem kleinen Exerzierplatz in Braunschweig einen ovalen Ball in eine Gruppe von Schülern des Martino-Katharineums warf, hatte ein Volk seinen Sport gefunden.

Dachte man. Denn schon ein Jahrzehnt zuvor begann die englische Krankheit im Südwesten des späteren Kaiserreichs um sich zu greifen.

1890 wurde Stuttgarts erster Fußballverein gegründet

Das hat ein Sozialpädagoge der Stadt Stuttgart nun herausgefunden. Klaus Kurzweg ist Gemeinwesenarbeiter im Veielbrunnenviertel in Bad Cannstatt. Es ist das Quartier, das dem Wasen am nächsten liegt. Für eine Ausstellung über die Geschichte seines Stadtteils im vergangenen Jahr im Stadtarchiv hat der ehemalige Jugendspieler des VfB in den Annalen des Cannstatter Tennisclubs gestöbert.

„Der Tennisclub ist 1890 als Cannstatter Fußballclub gegründet worden. Das war der erste Fußballverein Stuttgarts, und gespielt wurde bei uns im Veielbrunnenviertel“, sagt er. Das Vereinsarchiv schlummerte auf einem Dachboden vor sich hin, und Klaus Kurzweg machte sich daran, das Material zu sichten. „Ich bin dabei über ein Werk des C.F.C.-Mitbegründers Philipp Heineken gestolpert“, sagt er. Heineken ist einer der großen Sport-Pioniere in Deutschland. Der Spross einer wohlhabenden Familie aus Cannstatt war auch Gründungsmitglied des F.V. Stuttgart, des Kerns des späteren VfB Stuttgart.

Golf, Tennis, Cricket, es gibt kaum ein Rasenspiel, das Heineken nicht schon in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts am Neckar gespielt hätte. 1930 verfasste er, beinahe 60-jährig, in seiner neuen Heimat New York , die „Erinnerungen an den Cannstatter Fussballclub“.

In Cannstatt wurde schon 1865 Fußball gespielt

„Heineken liefert darin den Beweis, dass in Cannstatt schon 1865 Fußball gespielt wurde, also zehn Jahre vor Braunschweig“, sagt Kurzweg. Die entsprechende Passage in Heinekens Memoiren zitiert den englischen Fußball-Pionier William Cail, der um 1860 als Schüler nach Cannstatt kam.

Die Stadt am Neckar ist damals gerade auf dem Höhepunkt ihres Bäderbetriebs. Aus der ganzen Welt kommen Kurgäste und steigen in vornehmen Hotels ab. Vor allem dem englischen Geldadel hat es die Stadt mit den zweitgrößten Mineralwasseraufkommen Europas angetan. Neben den Bade- und Heilanstalten entstehen auch Internate für die Töchter und Söhne der feinen Gesellschaft.

An der Kloss’schen Anstalt und dem Kapff’schen Pensionat werden junge Männer von der Insel zu Gentlemen geformt, Cail ist einer von ihnen. Die Jungs aus England bringen ein Spiel mit aus ihrer Heimat, das bald auf fruchtbaren Boden fällt: Es heißt Fußball.

Gespielt wird damals noch ohne allgemein anerkannte Regeln. In England wird schon seit Jahrhunderten unter verschiedenen Namen mit unbegrenzter Spielerzahl gespielt. Im neunzehnten Jahrhundert wird es das Spiel der jungen Oberschicht.

An den Colleges von Rugby, Cambridge und an vielen anderen Orten wird gekickt, doch noch hat jede Schule ihre eigenen ­Regeln.

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