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Fußball-Geschichte Cannstatt – Deutschlands erste Fußballstadt

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Zwar wird im Jahr 1863 die Football Association gegründet und damit der Grundstein gelegt für die Trennung zwischen dem, was man zukünftig als Fußball und als Rugby bezeichnet, aber es dauert noch lange, bis sich alle Mannschaften für das eine oder das andere entscheiden. Erst 1871 wird das Handspiel im Fußball verboten.

„Heineken stand in Kontakt mit Cail und hat sich von ihm bestätigen lassen, dass die Schüler der Kloss’schen Anstalt schon 1865 auf dem Wasen gekickt haben“, sagt Klaus Kurzweg.

Tatsächlich liefert Cail diese Information bereits in einem britischen Klassiker über den Fußball aus dem Jahr 1892: „Football – The Rugby Union Game“. William Cail berichtet dort über seine frühesten Fußball-Erlebnisse. „Meine Erinnerungen tragen mich ins Neckartal . . . und ich erwähne das nur, um zu zeigen, dass das Spiel beliebt war, bevor es organisiert war und alle Welt davon sprach“, schreibt Cail.

„Verrückte Rindsviecher von Fußballspielern“

„Das Buch ist an die britische Leserschaft gerichtet, deswegen ist Cail völlig unverdächtig, im innerdeutschen Zwist, wer die Wiege des Fußballs ist, parteiisch zu sein“, meint Kurzweg.

Philipp Heineken, der zwanzig Jahre später auf dem Wasen kickte, war schon 1930 der Meinung, dass Cannstatt Deutschlands erste Fußballstadt ist.

Als er in den achtziger Jahren das Fußballspielen lernt, ist der Sport auf dem Wasen längst zur Tradition geworden. Man kickt auf einer Wiese nahe der alten Gasfabrik. „An der Stelle ist heute die Straßenbahnwelt“, weiß Klaus Kurzweg. Es gibt zwei Bälle, die wie Reliquien verehrt werden. Sie müssen häufig repariert werden. Schustermeister Dürr an der Wilhelmsbrücke ist dafür zuständig. Er wird zu einer Art Chronist des Wasens, erzählt beim Flicken von den Heldentaten früherer Generationen. Die Tore bestehen in dieser Zeit noch aus zwei Stangen. Ein Stoffband ersetzt die Torlatte. Der Weg vom Kapff’schen Pensionat, wo die Torpfosten lagern, bis zum Spielfeld gerät regelmäßig zum Spießrutenlauf.

Die biederen Cannstatter schimpfen über die „verrückten Rindsviecher von Fußballspielern“. Selbst auf ihrem Platz sind sie nicht unangefochten. Ein Schäfer beschwert sich, seine Tiere seien von dem Lärm des Spiels verstört. Deswegen wird das Spielen immer wieder verboten.

Fußball – ein Sport der Elite

Anfangs gibt es noch keine Trikots, doch bald schon tragen die Spieler gestreifte Shirts, und später prangt auf der Brust eine Kanne, das Wahrzeichen von Cannstatt.

Es gibt auch schon erste Fans. Es sind die Gassenjungen, denn noch ist Fußball ein Sport der Elite. Sie schauen genau zu, was die Gymnasiasten und Realschüler auf dem Platz treiben. Sie basteln sich Bälle aus alten Lumpen und ahmen die englischen Begriffe nach. Englisch ist damals noch Fußballsprache. Aus einem „offside“ ein Abseits zu machen findet Heineken lächerlich.

In dieser Zeit ahnt noch niemand, dass der Ballsport einmal Lieblingsbeschäftigung der Deutschen sein wird. Noch 1898 verhöhnt der Stuttgarter Turnlehrer Karl Planck das Spiel als Fußlümmelei und Stauchballspiel. Aber der Siegeszug des Fußballs hat längst begonnen, und bald darauf entbrennt der Streit, wer in Deutschland zuerst gekickt hat.

Für den VfB-Fan Klaus Kurzweg ist die Frage entschieden. Er weiß auch, dass es andere Städte gibt, die das beanspruchen, aber er ist sich sicher: „Diese Krone gebührt Cannstatt.“

Die Ausstellung wird am 17. April im Stadtmuseum Bad Cannstatt, Marktstraße 71/1, eröffnet.

 
 

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