Die Idylle trügt: Beim FV 08 Rottweil sieht es alles andere als sonnig aus. Foto: Alt

Der FV 08 Rottweil ist kurz vor dem Kollaps. Die Lage ist bitterernst. Ohne eine Fusion drohen der Verkauf des Vereinsheims und Insolvenz. Das macht der Vorstand in einem Brandbrief an seine Mitglieder deutlich. Kann man das Ruder doch noch herumreißen?

Ist das die letzte Chance, den FV 08 Rottweil zu retten? Der Vorstand appelliert dringend an seine Mitglieder, bei der Hauptversammlung am Freitag, 11. April, einem Antrag auf erneute Abstimmung zur Fusion mit dem FC Suebia Charlottenhöhe zuzustimmen. Andernfalls drohen der Rücktritt des Vorstands und eine Verschlechterung der ohnehin „dramatischen Finanzlage“ heißt es.

 

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende März fehlten am Ende zehn Stimmen für den Antrag des Vorstands, Gespräche hinsichtlich einer Verschmelzung des traditionsreichen FV 08 Rottweil und dem jungen FC Suebia Charlottenhöhe aufzunehmen.

Für den Vorstand Anlass, den Mitgliedern vor der Hauptversammlung am Freitag noch einmal ins Gewissen zu reden, damit diese der Idee einer Fusion eine weitere Chance geben. Ein entsprechender Antrag wird von Peter Weiss, beim Verein zuständig für Sponsoring und Marketing, eingebracht werden.

In diesem heißt es unter anderem „Mein Verein – unser Verein – ist führungslos, zerstritten und aus meiner Sicht ohne Perspektive. Die Entscheidung gegen die Fusionsgespräche hat eine Richtung vorgegeben, die uns in die Bedeutungslosigkeit führt.“ Peter Weiss stellt klar: „Ich kann und will nicht mit ansehen, wie unser Verein unter diesen Umständen zu Fall kommt“. Und: „Was zählt ist, dass wir handeln, bevor es zu spät ist – für unseren 08.“

„Es geht um das Überleben des Vereins“

Es sind auch sehr deutliche Worte, die den Mitgliedern des FV 08 am Mittwochabend vom Vereinsvorstand per E-Mail zugehen. „Seit letzten Donnerstag geht es um das Überleben des Vereins sowie möglicherweise den Verkauf des Vereinsheims“, stellt der Vorstand klar. Und liefert eindrückliche Zahlen, um deutlich zu machen, wie viel von der Abstimmung für eine Fusion abhängt.

So drohen die Sponsorengelder einzubrechen. Bereits nach der außerordentlichen Versammlung seien Gelder in Höhe von 30 000 Euro gekündigt worden, teilt der Vorstand mit. Sponsoren, die den Verein jahrzehntelang mit Geldern in Millionenhöhe unterstützt haben, seien zudem „bestürzt und düpiert“ gewesen, weil ihnen persönliche Bereicherung beim Erwerb der „Bausteine“ unterstellt worden sei, und weil man sie quasi dazu aufgefordert habe, ihr Sponsorenengagement zu erhöhen, heißt es in der E-Mail.

70 000 Euro zurückgezogen

Hintergrund der „Bausteine“ ist laut Vereinsvorstand der: Unter anderem aufgrund einer offenen Forderung der Stadt Rottweil in Höhe von 45 000 Euro aus Verpflichtungen des Vereins in Sachen Kunstrasenplatzbau musste der FV 08 innerhalb von zwei Wochen Barmittel einsammeln, hatte neben dem bestehenden Kredit bei der Hausbank (250 000 Euro für den Bau des Vereinsheims) aber keinen weiteren erhalten.

Sponsoren hatten den Verein mit „Bausteinen“ im Wert von je 10 000 Euro unterstützt. Die Zinsen, die sie dafür erhalten sollten, spendeten die Sponsoren dem Verein. Nach der außerordentlichen Versammlung seien nun aber „Bausteine“ im Gegenwert von 70 000 Euro zurückgezogen worden, teilt der Vorstand mit. Dadurch habe der Verein „massiv Liquidität, also Bargeld“ verloren.

Auszahlung der Gehälter gestoppt

Der FV 08 Rottweil habe jährlich 180 000 Euro an Gesamtkosten. Die Kosten bis Ende März in Höhe von 45 000 Euro seien durch Vereinsbeiträge gedeckt gewesen. Der Rest in diesem Jahr wäre durch Sponsorengelder zu finanzieren gewesen, auf die man nun aber nicht mehr zurückgreifen könne, erklärt der Vorstand.

„Um als persönlich haftende Noch-Vorstände nicht mit einem Insolvenzverfahren konfrontiert zu werden, haben wir bis auf Weiteres die Auszahlung aller Trainer-/Übungsleiter-/Angestelltengehälter gestoppt.“

Kein Nachfolger für Vorstand in Sicht

Bereits in der außerordentlichen Versammlung hatte der Vorstand seinen Rücktritt angekündigt. Als persönlich haftender Nachfolger habe sich noch niemand gemeldet, heißt es weiter in der E-Mail.

Bliebe das so, wäre der bisherige Vorstand bis zur nächsten außerordentlichen Versammlung noch geschäftsführend, aber nicht mehr persönlich haftend im Amt, heißt es. Er müsste dann die Aufgabe zur Abwendung der Insolvenz annehmen und die Auflösung des Vereins in die Wege leiten. Für Letztere würde dann ein Notvorstand (Rechtspfleger) vom Amtsgericht bestellt, der Verein und Vereinsvermögen liquidiere.

Keine realistischen Alternativen

Realistische Alternativen zur Fusion scheint es aus Sicht des Vereinsvorstands nicht zu geben. Die Vorschläge führen das Ausmaß der Situation vor Augen: Zum Beispiel müsste jeder der 47 Gegner der Verschmelzung 2750 Euro an den Verein spenden, oder die Gegner müssten einen Sponsor finden, der bis 11. April 70 000 Euro Bargeld und per Vertragsvereinbarung weitere 30 000 Euro bis 31. Dezember überweise, zeigt der Vereinsvorstand auf.

Alternativ müsste man den Vereinsbeitrag sofort um 200 Euro erhöhen. Oder das Vereinsheim verkaufen, um mit den rund 450 000 Euro daraus den Baukredit abzulösen und dem Verein „Zeit zu kaufen“. „In der Hoffnung, dass in den gekauften zwölf Monaten sich alles zum Guten gewendet hat, ansonsten ist der Verein am 1. April 2026 bankrott“, schreibt der Vorstand.

Bei Fusion steht neuer Vorstand bereit

Alle Hoffnung ruht also auf der Fusion, die aber zunächst eine Zustimmung von 75 Prozent der Mitglieder zu Peter Weiss’ Antrag erfordert – und im zweiten Schritt eine 75-prozentige Zustimmung zu den dann zu schließenden Vereinbarungen zur Verschmelzung.

„In diesem Fall stünde ein neuer Vorstand bereit. Die Liquidität des Vereins wäre gesichert, weil die Sponsoren zu ihrem Engagement weiter stehen und die Bausteine dem Verein überlassen würden. Der Sponsorenetat steigt um 150 000 Euro“, fasst der Vorstand zusammen.

Ob die E-Mail des Vorstands das Ruder nun doch noch einmal herumreißen und für eine 75-Prozent-Mehrheit beim Antrag von Peter Weiss sorgen kann, wird sich am Freitagabend zeigen. Die Botschaft des Vorstands jedenfalls ist ganz klar: Keine Fusion bedeutet den Genickbruch für den Verein.