Der VfL Nagold – hier Chris Wolfer am Ball – hatte vor der großen Kulisse in Bondorf durchaus seine Chancen auf einen Sieg. Foto: Reutter

Relegation: VfL Nagold steigt in die Landesliga ab. Kaderplanung für neue Saison wird schwieriger.

Der starke Saison-Schlussspurt in der Verbandsliga war am Ende wertlos. Nach der 2:4-Niederlage im Relegationsspiel gegen den TSV Heimerdingen steigt der VfL Nagold in die Landesliga ab. Das gestaltet die Kaderplanung nicht einfacher – doch Trainer Armin Redzepagic ist zuversichtlich.

"Wir sind kein normaler Absteiger", sagte der Nagolder Trainer Armin Redzepagic direkt nach der 2:4-Niederlage gegen den TSV Heimerdingen, während die meisten seiner Fußballer noch mit versteinerten Blicken auf dem Rasen des Bondorfer Sportplatzes saßen. Denn für den VfL-Coach ist klar: "Mit 15 Unentschieden haben wir da unten in der Verbandsliga-Tabelle nichts zu suchen."

Der VfL Nagold hatte in der Verbandsliga einen beachtlichen Schlussspurt mit acht Spielen ohne Niederlage hingelegt. Der bescherte den Blau-Weißen jedoch nicht das rettende Ufer, sondern – wenn auch lediglich aufgrund der schlechteren Tordifferenz – das Relegationsspiel gegen den TSV Heimerdingen. Dass der bereits zwei Relegationsspiele auf dem Buckel hatte, sah Redzepagic als Vorteil für den Gegner. "Bei uns hat ein bisschen die Spannung gefehlt", meinte der VfL-Coach, der seiner Mannschaft aber attestierte: "Wir haben alles dafür getan, wurden aber kalt erwischt."

Bessere individuelle Klasse

Kalt erwischt wurde der VfL vor allem von Michele Ancona. Der Heimerdinger Goalgetter erzielte bereits in der regulären Saison 19 Treffer und belegte damit den vierten Platz in der Torjägertabelle der Staffel 1 der Landesliga. Nur zwei Tore fehlten noch für die Spitzenposition. Im Relegationsspiel in Bondorf schoss Ancona drei der vier Heimerdinger Treffer. Für Redzepagic stand daher auch fest: "Heimerdingen hatte nach vorne die bessere individuelle Klasse."

Dennoch war sich der VfL-Coach sicher: "Wenn wir in Führung gehen, geht das Spiel ganz anders aus." Doch immer mussten die Nagolder einem Rückstand hinterherrennen. Ancona (7.) und Pascal Dos Santos Coehlo (15.) hatten den Landesliga-Vizemeister aus dem Kreis Ludwigsburg früh mit 2:0 in Führung gebracht. Ein Doppelpack von Elias Bürkle (35./ 44.) sorgte vor der Pause für den Ausgleich. Doch schon in der 52. Minute schlug Michele Ancona wieder zu. "Dann mussten wir wieder diesem verdammten Rückstand hinterherrennen", bedauerte Redzepagic. Drei Minuten vor dem Ende machte Ancona mit dem 4:2 den Sack zu.

Aus dem Abstieg lernen

Dass es der VfL Nagold nicht geschafft hatte, mit dem Rückstand umzugehen, lag aus Sicht von Armin Redzepagic auch am jungen Kader. "Wir haben zu junge Spieler, die einfach noch nicht so weit sind", so der VfL-Coach, der jedoch unterstrich: "Ich arbeite gerne mit ihnen. Die Jungs werden reifen und aus solchen Geschichten lernen."

Klar ist aber schon jetzt, dass sich der Kader zur neuen Saison verändern wird. Die Abgänge von Marc Bühler und Fabian Mücke stehen bereits fest. Auch Christoph Ormos wird den VfL Nagold verlassen – studienbedingt. Als Zugang steht bislang lediglich Niklas Schäuffele von der TSG Balingen fest. Er habe dem VfL Nagold laut Redzepagic unabhängig von der Liga eine Zusage gegeben. Darüber hinaus mache der Abstieg die Kaderplanung aber schwieriger. "Als Verbandsligist wäre es einfacher. Das wäre ein Argument mehr", sagt Redzepagic, der jedoch zuversichtlich in die Zukunft blicke.

Bondorf ist guter Gastgeber

Eines wurde in Bondorf dafür ganz deutlich: Der Name des VfL Nagold zieht. Mit offiziell 2800 Zuschauern hat er dem SV Bondorf einen neuen Rekord beschwert – auch wenn natürlich auch einige Heimerdinger Fans die gut 60 Kilometer lange Anreise in Angriff genommen hatten. Der bisherige Bondorfer Zuschauerrekord stammte aus dem Jahr 2011, als das Gäu-Team die Stuttgarter Kickers im WFV-Pokal empfing. Yusuf Zengin, Fußball-Chef des SV Bondorf, mutmaßte: "Ich glaube sogar, dass eine Drei vorne steht." Zwei Wochen lang habe sich sein Verein auf das Relegationsspiel vorbereitet, 60 freiwillige Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf ohne große Wartezeiten an den Getränke- und Essensständen. Auch als kurz vor Spielbeginn die Schlangen vor dem Eingang immer länger wurden, weshalb der Anpfiff um 20 Minuten verschoben wurde, eröffnete der SV Bondorf ganz unbürokratisch weitere Kassen.

Nur einen anderen Ausgang des Spiels hätte sich Yusuf Zengin gewünscht. "Es ist schade für unseren Bezirk und schade für den ganzen Nachwuchs in unserer Region, dass der VfL Nagold abgestiegen ist", bedauerte der Bondorfer Fußball-Chef, der sich aber auch sicher ist: "Die kommen wieder. Denn Nagold gehört in die Verbandsliga."