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Fußball Fritz Keller will beide Seiten überzeugen

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Mischt sich gerne unters einfache Fußballvolk: Fritz Keller (Mitte), der designierte DFB-Präsident. Foto: Eibner

Fritz Keller könnte am Mittwoch schon wieder bereuen, dass er vor Kurzem sein Wohnmobil verkauft hat. Beim Hotel-Hopping in Berlin käme dem designierten Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Rückzugsort oder gar ein Fluchtwagen vielleicht gelegen – je nachdem, wie seine Präsentationen bei den Amateuren und den Profis laufen.

Los geht es um 9.30 Uhr bei den Regionalverbänden im Esplanade, eineinhalb Stunden später muss sich der 62-Jährige im 800 Meter entfernten Maritim der Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) stellen. Punkt zwei dürfte für den Klubchef des Bundesligisten SC Freiburg, der seine Chance auf den DFB-Chefposten "nutzen" möchte, zum Schaulaufen werden. Die Vertreter der Profiklubs haben die überraschende Nominierung Kellers durch die DFB-Findungskommission am vergangenen Donnerstag schließlich einhellig begrüßt.

Punkt eins dagegen könnte für den Winzer anstrengend verlaufen: Nicht alle Landesverbände sind glücklich über das Auswahlverfahren. "Gnadenlose Intransparenz" wurde dem DFB von Amateurvertretern aus Berlin vorgeworfen. Zwei Landesverbands-Bosse hatten offengelassen, ob sie Keller auf dem Bundestag am 27. September zum 13. Präsidenten wählen werden. Theoretisch könnten die Amateure, die deutlich mehr Stimmen als die Profis haben, bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 30. August einen anderen Kandidaten vorschlagen. Die einfache Mehrheit genügt bei der Abstimmung in Frankfurt/Main.

Mit Blick auf seine Entlohnung will Keller offenbar in jedem Fall für Transparenz sorgen. Laut der Sport Bild wird der DFB deshalb einen vierköpfigen Vergütungsausschuss aus Vorstandsmitgliedern und Externen installieren. Der Ausschuss soll die Bezüge sämtlicher DFB-Präsidiumsmitglieder festlegen.

Zudem kann Keller zugetraut werden, dass er beide Seiten mit seinen Ideen überzeugt. Immerhin beschrieb die Mehrheit der Funktionäre aus beiden Lagern den Kandidaten als einen Mann, der wie kaum ein anderer die Belange der Amateure und die der Profis im Blick habe.

Die Profis haben ohnehin am Mittwoch genug mit sich zu tun. Zwar werden die Klubs abnicken, dass Christian Seifert zukünftig alle Fäden in der Hand hält – richtig zufrieden sind aber nicht alle mit dem DFL-"Reförmchen". Nach dem Abschied des langjährigen DFL-Chefs und künftigen Ehrenpräsidenten Reinhard Rauball (72) wird es keinen Liga-Boss mehr geben. Der 50 Jahre alte Seifert darf sich künftig als Geschäftsführer und Sprecher des Präsidiums bezeichnen. Hinter Seifert wird Finanzvorstand Peter Peters (57) vom Bundesligisten Schalke als dessen Stellvertreter installiert. Um die weiteren Plätze im Präsidium könnte es Kampfabstimmungen geben.

Aufgrund der Reformen hat der künftige Chef des größten Einzelsportverbands der Welt (7,1 Millionen Mitglieder) weniger Macht als seine Vorgänger. Die Macht in den internationalen Führungsgremien beim Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa), in denen Grindel bis zu seinem Rückzug im April saß, muss sich der DFB erst wieder erkämpfen. Keller zieht es nicht in diese Gremien – der aktuelle DFB-Interimspräsident Rainer Koch gilt als Anwärter auf die Posten. Keller hätte mit seinen nationalen Aufgaben ohnehin genug zu tun.

Die neuen Strukturen müssen mit Leben gefüllt, der Bau der Akademie muss vorangebracht und die EM-Endrunde 2024 geplant werden. Zudem soll schon bald einer neuer Grundlagenvertrag mit der DFL her, der die Gelder halbwegs gerecht verteilt. Dieses Problem müssen die Profis auch intern lösen. Bis zum Ende der laufenden Saison will die DFL den neuen TV-Vertrag unter Dach und Fach haben. Rund 1,2 Milliarden gibt es derzeit für die nationalen Rechte pro Spielzeit. Ab der Saison 2021/22 soll es natürlich noch mehr sein.

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