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Fußball FC Königsfeld: Auf Abstand im Schmuckkästchen

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Der Vorsitzende Dietmar Eschner (links) und Gründungsmitglied Albert Kopp blicken von der sonst verwaisten Ersatzbank des FC Königsfeld aus in die Zukunft Foto: Rohde

Die Corona-Krise trifft die Amateur-Fußballvereine ins Mark. Teilweise seit Dezember 2019 gab es keine Punktspiele mehr, also auch keine Einnahmen. Dagegen laufen die Kosten weiter. Auch der FC Königsfeld muss sich durch die Krise navigieren.

Die Corona-Krise hat dem FC Königsfeld seinen 66. Geburtstag so richtig verhagelt. Der 1954 gegründete Verein hatte seinen "Geburtstag" ausgerechnet am 14. März – jenem Samstag, an dem klar war, dass im Bezirk Schwarzwald auf unbestimmte Zeit nicht mehr gespielt werden kann. Der geplante Rückrundenstart am 22. März beim SV Hölzlebruck wurde auf Eis gelegt. Das letzte Punktspiel der Herren fand am 1. Dezember 2019 gegen den SV Geisingen statt.

"Noch nie mitgemacht"

Albert Kopp, zusammen mit seinem Zwillingsbruder Hartmut von der ersten Stunde an beim FCK aktiv mit dabei, hat viel erlebt – so auch jeden Auf- und Abstieg des Clubs in gut sechs Jahrzehnten. "Doch so etwas wie derzeit habe ich noch nie mitgemacht", so der mehr als 80-Jährige.

"Jetzt das Topspiel"

Schönstes Fußballwetter begleitet Dietmar Eschner, den aktuellen Vorstand des FC Königsfeld, und Albert Kopp, einen seiner Vorgänger, bei einer Stippvisite auf dem schmucken Sportgelände des Bezirksligisten. "Jetzt das Topspiel gegen Marbach oder ein Derby gegen Tennenbronn, das wäre es. Weil wir Zweiter geworden sind, dann ein Relegationsspiel vor 1300 Zuschauern wie 2017", träumen beide Königsfelder von dem, was derzeit in der Saison-Endphase vor ihnen und dem FCK liegen könnte. "Wenigstens gibt es einen kleinen Lichtblick. Wir dürfen ja wieder trainieren. Mein Sohn Dominik sehnt sich als Spieler danach. Es fehlt einfach etwas in der wöchentlichen Routine", juckt es Eschner ebenso. Die beiden Herren schauen mit Wehmut immer wieder über die Anlage. Dem Strahlen über das gute Wetter folgt jedoch eine Mischung aus Ratlosigkeit und Schulterzucken. Wie geht es weiter? Wann geht es weiter? Wann rollt der Ball wieder? Dies sind die Fragen, die sie sich stellen.

"Es muss weitergehen"

Das Lachen ist den Verantwortlichen des erfolgreichsten Vereins aus der Gemeinde Königsfeld dennoch nicht vergangen – der Coronakrise, den Pandemie-Fakten und allen täglich neuen Nachrichten zum Trotz. "Es geht ja letztlich weiter, es muss weitergehen. Wir sind im Hintergrund dabei, uns durch die Krise zu manövrieren", zeigt Eschner auf. "Die Coronazeit haben wir zu vielen Telefonaten, Konferenzen und Sitzungen genutzt. Wir haben uns laufend Gedanken gemacht, wie es weitergeht."

Der Durchmarsch

Das Ziel ist es, den erfolgreichen Weg der vergangenen 15 bis 20 Jahre fortzusetzen. Einmal (2011) spielte der Verein sogar in der Landesliga. Binnen vier Jahren – von 2007 an – hatte Königsfeld von der Kreisliga B den Durchmarsch nach oben geschafft. Heute steht der FCK, in der Bezirksliga längst etabliert, auf dem zweiten Platz der Tabelle, zwei Punkte hinter dem FV Marbach.

Die bittere Kröte

Damit wird Königsfeld wohl die bittere Kröte schlucken müssen, dass er nach dem Abbruch-Beschluss der Fußballverbände am 20. Juni beim außerordentlichen Verbandstag voraussichtlich die Saison ohne weitere Aufstiegschance beendet. "Ich hätte lieber weitergespielt, eventuell die Runde erst im Herbst fortgesetzt. Alles – eben nur keinen Abbruch und keine Wertung", so Eschner. Aus Sicht eines Tabellenzweiten ist diese Meinung nachvollziehbar.

Packende Derbys

Doch neben dem sportlichen Bereich interessieren ihn natürlich die ganzen weitreichenderen Begleitumstände, die seinen Verein betreffen. Der FCK ist einer von vier Vereinen in der 6000-Seelen-Gemeinde – neben dem SV Buchenberg, FC Neuhausen und FC Weiler. "Früher gab es zwischen diesen vier Vereinen packende Duelle in der Kreisliga B", erinnert sich Albert Kopp gerne zurück. Mit früher meint er die Zeit bis in die 1990er Jahre. Damals schaffte Königsfeld – zeitweise am Ende der untersten Spielklasse dümpelnd – über eine gute Jugendarbeit und einem als Spielertrainer engagierten Dietmar Eschner binnen weniger Jahre den steilen Aufstieg und enteilte den Lokalrivalen.

"Bundesliga-Qualität"

Neben dem sportlichen Erfolg hatten die Vorstände um Albert Kopp (von 1984 bis 2002) immer die Weiterentwicklung des Vereins im Blick. Aus dem abgeranzten Hartplatz neben dem Königsfelder Freibad entstand 1996 der ersehnte Rasenplatz. Im Mai 2020 hat dieser fast "Bundesliga-Qualität": "Der ist in einem wundervollen Zustand", wurde Eschner längst zum Dünge- und Pflegeexperte. Er fügt an, "dass wir den Hartplatz, der 2002 saniert wurde, auf jeden Fall in einen Kunstrasenplatz umwandeln wollen. Die Planungen hierzu sind längst angelaufen." Was derzeit Größenwahnsinnig klingt, wirkt auf den zweiten Blick durchdacht und ist unabhängig von Corona.

Mobiler Verkaufswagen

Ein Besuch beim FC Königsfeld gleicht fast einem Rundgang bei einem professionell geführten Verein. Ein moderner Rasenplatz, daneben ein Kleinspielfeld. Mitten in der Krise wird ein Ballfangzaun errichtet, gerade eben wurden die Garagen modernisiert und erneuert. Dazu hat sich der Verein im vergangenen Jahr einen mobilen Verkaufswagen für Stadionwurst und Co. angeschafft, "der allen Hygienevorschriften und Standards entspricht", weiß Eschner gar nicht, wohin er blicken soll. Das Herzstück ist das Sportheim – nicht etwa ein Altbau. "Die alte Baracke sieht man ja drüben beim Schwimmbad", zeigt Kopp in Richtung eines Stücks ehemaliger FCK-Geschichte. "Unser 2015 fertiggestelltes Sportheim hat natürlich eine Menge Geld gekostet, da müssen wir noch fleißig abbezahlen", erklären beide Königsfelder. "Dies bereitet uns derzeit selbstverständlich Sorgen. Wir haben laufende Kosten, jedoch keine Einnahmen. Da ergeht es uns wie allen anderen Vereinen. Unseren Sponsoren und Unterstützern sind dankbar für jede Hilfe. Wir haben viele Unterstützer, obwohl es im Vergleich zu anderen Gemeinden keine großen Firmen oder Industrie gibt."

300 Mitglieder

200 Zuschauer besuchen die Heimspiele der FCK-Herren regelmäßig. Seit den 90er Jahren stieg die Anzahl der Mitglieder im Club von 230 auf 300 an. Davon sind rund 100 Nachwuchskicker, die in einer Jugendspielgemeinschaft mit den Nachbarvereinen beheimatet sind. Diese werden auch von neun FCK-Trainern mitbetreut und gefördert.

Nicht nur der Umsatz fehlt

Nicht nur der Umsatz fehlt im Sportheim. Dieses ist auch eine Begegnungsstätte für die Spieler, Zuschauer, Gegner, Jugend und Eltern. "Wir haben ein harmonisches Vereinsleben, pflegen ein Wir-Gefühl und sind immer bestrebt, unsere Vereinsstrukturen ehrgeizig und nachhaltig zu verbessern", gehört für Eschner in einer Kurgemeinde wie Königsfeld hier das ökologische Denken ebenso dazu.

Blick in die Zukunft

Womit er schon wieder bei Zukunftsprojekten ist – denkt er an die neue LED-Flutlichtanlage, einen umweltfreundlicheren Kunstrasen-Belag sowie eine Fußballschule für den Nachwuchs. Die Verantwortlichen des FC Königsfeld sind also bemüht, die Gesamt-Philosophie der Gemeinde mitzutragen.

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