Jago Maric freut sich auf die kommende Oberliga-Saison. Foto: Marc Eich

Oberliga: Trainer Jago Maric freut sich über größeren Konkurrenzkampf. Mit Interview

Rund eine Woche vor dem Oberliga-Auftakt. 28 Grad, und dies um 20.30 Uhr. Zeit für ein kühles Getränk in einem Biergarten unweit der MS-Technologie-Arena. Jago Maric macht einen entspannten Eindruck, die Vorfreude auf die neue Runde ist dem früheren 08-Kapitän anzumerken. Der Coach des FC Villingen weiß aber auch, dass die Erwartungshaltung im Umfeld hoch ist. "Doch andere Teams sind in den Aufstiegspflicht", betont der 40-Jährige.

Herr Maric, die lange Vorbereitungsphase ist bald vorbei, am Samstag geht es in Göppingen für die Nullachter wieder los. Bereit für die Oberliga-Saison 2019/20?

Ich denke schon. Die Jungs haben sehr gut mitgezogen, die Trainingsbeteiligung war hoch. Die Leistungen in den Testspielen waren in Ordnung. Und außerdem herrscht in der Truppe eine unglaublich gute Stimmung. Es kann also losgehen.

Ein Trainingsschwerpunkt waren die Spielsysteme.

Dies ist richtig. Es ist ja bekannt, dass wir für ein 4-4-2-System stehen. Aber wir werden in der neuen Runde sehr flexibel agieren. Da kommt es auch immer darauf an, auf welchen Gegner wir treffen, welche Spieler mir zur Verfügung stehen. 4-3-3, 4-4-1-1 oder 4-2-3-1 – wir wollen noch unberechenbarer werden. Zudem setzen wir natürlich weiter auf offensiv geprägten Fußball, schnelles Umschaltverhalten, gutes Passspiel und hohes Tempo. Jung – frech – mutig – teilweise wild. So wollen wir auftreten.

Apropos Tempo. Viele der Neuzugänge stehen auch für Schnelligkeit

So ist es. Ich denke, dass wir uns gut und gezielt verstärkt haben. Da hat Arash Yahyaijan (08-Sportvorstand, Anm. d. Red.) sehr gute Arbeit gemacht. Wir sind in der Breite im Vergleich zur Vorsaison besser aufgestellt. Ich habe nun also mehr Alternativen, der Konkurrenzkampf ist größer. Dies ist wichtig. Schade ist nur, dass sich Stjepan Geng in der Vorbereitung verletzt hat. Wir hatten ihn natürlich fest eingeplant. Stjepan ist für uns ein sehr wichtiger Spieler. Bei ihm wurde zu Beginn der Woche ein kleiner Eingriff im Knie unternommen. Ich hoffe, dass er schnell zurückkehrt.

Neben vielen jungen Spielern kamen mit Steven Ukoh und Keven Feger auch zwei Neue, die über höherklassige Erfahrung verfügen.

Das sind nicht nur zwei starke Fußballer, sondern auch zwei tolle Menschen. Keven wird uns mit seiner Aggressivität, seinem Willen und seinem Ehrgeiz sofort weiterhelfen. Steven braucht noch etwas Spielpraxis, verfügt aber über große fußballerische Fähigkeiten. Er ist technisch stark, kann auf allen zentralen Mittelfeldpositionen spielen. Zudem ist er ein Standardexperte. Ich bin sicher, dass wir an beiden viel Freude haben werden.

Mit Timo Wagner, Luca Crudo und Pietro Morreale stehen auch drei "Eigengewächse" im Kader, die von der Landesliga-U23 hochgezogen wurden.

Dafür stehen wir. Unser Ziel war – und ist – es, möglichst viele eigene Spieler zu integrieren. Timo hat ja vor einigen Jahren schon in unserem Oberliga-Team gespielt. Er kann zu einer wichtigen Alternative auf der linken Seite werden. Auch Luca und Pietro haben das Potenzial für diese Liga. Wichtig für alle drei Talente ist, dass sie Geduld haben, auf ihre Chance warten. Diese wird kommen.

Dazu wurden mit Leo Benz, Jannik Beha und Flamur Berisha junge Spieler aus der Region verpflichtet.

Auch dies gehört ja zu unser Philosophie. Leo ist erst 20 Jahre alt, macht dafür einen sehr abgeklärten Eindruck. Es gefällt mir extrem gut, was er macht. Jannik muss sich noch etwas an das im Vergleich zur Landesliga höhere Tempo gewöhnen. Er will sich unbedingt in der Oberliga beweisen. Flamur ist für seine 19 Jahre schon weit. Er ist schnell, verfügt über einen guten Abschluss. Körperlich kann er aber noch zulegen.

Schließlich wurde mit Andrea Hoxha ein Torwart verpflichtet, der auch bei der albanischen U21-Nationalmannschaft zwischen den Pfosten steht.

Ja. Andrea ist stark auf der Linie, kann gut das Spiel eröffnen. Zudem hat er einen enorm großen Willen, möchte immer Zusatzschichten einlegen.

Und wer wird der Nachfolger von Christian Mendes als Nummer 1?

(lacht). Wenn ich dies schon wüsste. Wir verfügen mit Andrea und Marcel Bender über zwei starke junge Torhüter. Ich werde mich erst kurzfristig entscheiden, wer in Göppingen unser Tor hüten wird. Möglich ist auch, dass es im Kasten zu einer Rotation kommt. Mal schauen.

Für die andere Seite des Spielfeldes wurde ja eigentlich noch ein weiterer Stürmer gesucht.

Ja. Aber bisher war kein Angreifer dabei, bei dem alles gepasst hat. Dieser müsste uns sofort auf dem Spielfeld weiterhelfen, aber auch zu unserem Verein passen. Wir haben aber mit Benedikt Haibt, Damian Kaminski, Kamran Yahyaijan, Volkan Bak, der eine starke Vorbereitung spielt, Flamur Berisha oder Luca Crudo viele Optionen in der Offensive. Auch Tevfik Ceylan, eigentlich als linker Verteidiger vorgesehen, kann vorne spielen. Wir warten nun einfach mal die ersten Saisonwochen ab. Wenn wir dann denken, dass wir noch etwas für den Sturm machen müssen, könnten wir bis zum 31. August immer noch einen neuen Mann verpflichten.

Stichwort Stürmer. Regionalliga-Absteiger VfB Stuttgart hat mit Marcel Sökler den Torschützenkönig vom SGV Freiberg geholt. Und dies wohl, so Ramon Gehrmann von den Stuttgarter Kickers, für eine "für die Oberliga unglaubliche Summe".

Nicht nur die beiden Stuttgarter Teams haben viel investiert, sondern zahlreiche andere Oberligisten auch. Die Oberliga ist in der neuen Saison extrem stark und ausgeglichen. Es sind starke Aufsteiger dazugekommen. Ich sehe keine Mannschaft, die abfällt. Dies war in der vergangenen Runde anders. Ich erwarte also eine enge Kiste und Hochspannung bis zum Schluss.

Und wer sind Ihre Meisterschaftsfavoriten?

Ganz klar – die beiden Stuttgarter Teams. Dort ist sehr viel Geld im Spiel, dort herrschen nahezu Profibedingungen. Für den VfB II und die Kickers zählt nur der Aufstieg. Dahinter sehe ich Teams wie Freiberg, Reutlingen, Ravensburg, Nöttingen oder Bissingen, die auch alle große Ambitionen haben. Als sehr stark schätze ich zudem Göppingen ein. Bei den Göppingern herrscht Kontinuität, dazu haben sie sich sinnvoll verstärkt.

Die Trainer der Kontrahenten sehen aber auch Ihr Team weit vorne.

(lacht) Das ist doch schön. Diesen Respekt haben wir uns hart erarbeitet. Unser Ziel ist es, dass wir uns im Vergleich zur Vorsaison verbessern. Damals sind wir ja Achter geworden. Wir geben aber keine Platzierung als Ziel vor. Wichtig ist, dass sich die vielen jungen Spieler weiterentwickeln, den nächsten Schritt machen. Außerdem wollen wir einfach stabiler werden. Zuletzt haben wir eine gute Hinrunde gespielt, aber eine durchwachsene Rückrunde. Da muss mehr Konstanz rein.

Im Umfeld wird aber schon vom Sprung in die Regionalliga geträumt.

Träumen darf jeder. Und natürlich kenne ich diese Ambitionen. Man muss aber realistisch bleiben, gerade die beiden Stuttgarter Teams haben ganz andere Möglichkeiten. Klar ist aber, dass wir schon etwas Druck haben, wenn auch nicht in Sachen sofortigem Aufstieg. Damit müssen wir umgehen. Dies ist ja auch positiver Druck. Bei uns hat sich vieles verändert. Man muss nur unser Stadion anschauen. Wir sind nun auch personell besser aufgestellt. Der Verein ist also auf einem guten Weg, der mittelfristig auch in die Regionalliga führen soll. Dafür wollen wir mit einer Weiterentwicklung der Spieler die Basis legen.

Sie sprechen die Veränderungen beim FC 08 –­ gerade in Sachen Infrastruktur – an. Ohne die jüngsten sportlichen Erfolge wären diese wohl kaum so schnell zu realisieren gewesen.

Dies sehe ich auch so. Seit ich hier als Trainer tätig bin, haben wir zwei SBFV-Pokalsiege gefeiert, standen drei Mal im Cup-Finale. Dazu sind wir in die Oberliga als Verbandsliga-Meister aufgestiegen, haben dort im ersten Jahr die Regionalliga-Aufstiegsrunde gespielt und sind nun Achter geworden. Und dies mit gutem Fußball. Ich denke, dass sich diese Bilanz sehen lassen kann. Und nun wollen wir ein weiteres Kapitel in der langen Erfolgsgeschichte des Vereins schreiben.

Inklusive DFB-Pokal-Coup am 10. August gegen Fortuna Düsseldorf?

(lacht) Dies wäre nicht schlecht. Wir wollen uns im eigenen Stadion auch gegen den Erstligisten gut verkaufen, mutig auftreten. Doch zunächst geht es nur um die Oberliga. Um Düsseldorf kümmern wir uns dann nach dem Oberliga-Auftaktspiel in Göppingen. Aber die Vorfreude auf diesen Pokal-Hit ist riesengroß. Wir werden uns dann intensiv auf Düsseldorf vorbereiten, am Freitag vor dem Spiel zudem ein Kurztrainingslager abhalten. Und dann wollen wir den Fortunen zeigen, dass auch wir gut kicken können.

Die Fragen stellte Gunter Wiedemann

Info

Der Absturz

Ab 1999 spielte Fortuna Düsseldorf für die Dauer von knapp einem Jahrzehnt nur in den deutschen Fußball-Amateurklassen – von 2002 bis 2004 sogar in der Oberliga Nordrhein. In dieser Zeit entstand auch das finanzielle Engagement der Musikband "Die Toten Hosen". Im Jahr 2008 gelang der Fortuna die Rückkehr in die Dritte Liga. Dort stellte die Fortuna am 23. Mai 2009 beim Heimspiel gegen Werder Bremen II in der LTU Arena mit 50 095 Besuchern den Zuschauerrekord für drittklassigen Fußball in Deutschland auf. Durch den 1:0-Sieg in diesem Spiel stieg Fortuna in die 2. Bundesliga auf. Das Comeback wurde in der Saison 2009/10 mit einem guten vierten Platz gekrönt.

Weitere Informationen: Wir werden nahezu täglich bis zum DFB-Pokalspiel zwischen dem FC 08 Villingen und Fortuna Düsseldorf (Samstag, 10. August, 15.30 Uhr) über Geschichten, Fakten und Episoden der Fortuna berichten.

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