Public-Viewing auf dem Rauschbart: Bei solchen alten Archivbildern bekommt Wirt Michael Singer Gänsehaut. (Archiv-Foto) Foto: Hopp

Droht jetzt der nächste Lockdown-Irrsinn? Die Gastronomen in Horb zittern jetzt um das Public Viewing – das große Fußballfest zur Europameisterschaft im Sommer.

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Horb - Hidir Özer hält den EM-Spielplan hoch. In seinem Bistro Haag am Bahnhof wird gerade renoviert. Gastronom Özer: "Die Luftreiniger sind bestellt, die Terrasse wird vorbereitet für die neuen Schirme mit Heizstrahlern. Zu den Deutschland-Spielen war hier immer die Hölle los. Doch was mir auf die Motivation schlägt: Laut den jetzigen Regeln müsste ich meine Gäste nach der ersten Halbzeit nach Hause schicken! Das gibt jede Menge Ärger!"

Auch Lilo Fradella vom Porto Neckar sagt: "Ich kann mir bei den derzeit gültigen Regeln nicht vorstellen, dass das Public Viewing für Gastronomen erfolgreich wird!"

Woran liegt das? Fakt ist: Nach den derzeit gültigen Corona-Regeln darf die Gastronomie von 6 bis 21 Uhr öffnen. Diese gilt seit vergangenem Freitag (21. Mai) im Landkreis Freudenstadt. Der zweite Öffnungsschritt für die Gastronomie startet 14 Tage später. Dann dürfen sie bis 22 Uhr öffnen. Das wäre dann frühestens der Freitag, 4. Juni. Die Fußball-Europameisterschaft startet am Freitag, 11. Juni, um 21 Uhr. Mit dem Spiel Türkei-Italien. Deutschland tritt am 15. Juni um 21 Uhr gegen Frankreich an.

Gastronomen müssen Fans nach Halbzeit nach Hause schicken

Heißt im Klartext: Bleiben die Corona-Regeln so bestehen, müssten die Gastronomen die Fans beim ersten Deutschland-Spiel nach der ersten Halbzeit nach Hause schicken!

Noch irrer: Die Nachbarn in Sulz dürfen – Stand heute – dann wohl nicht mal zur Nationalhymne in der Gastro bleiben. Denn: Im Landkreis Rottweil liegt die Inzidenz noch bei 144! Wenn bis zum Juni die Inzidenz nicht unter 100 ist, droht zum Deutschland-Spiel der Zapfenstreich um 21 Uhr!

Michael Singer, Wirt des Rauschbart-Biergartens in Horb: "Ich habe mir gerade mal wieder die Archiv-Fotos von unserem WM-Public-Viewing vor zwei Jahren angeschaut. Da kriegst du Gänsehaut! Doch wenn die Gastro nach den Corona-Regeln um 22 Uhr schließen muss, ist ist das Public Viewing in diesem Jahr zum Auftakt obsolet!"

Sein Gastro-Kollege Fradella: "Die Fans bereiten sich auf die Deutschland-Spiele vor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dann jemand für die erste Halbzeit in die Gastro geht. Der bleibt gleich zu Hause!"

Das befürchtet auch Koray Yildiz vom "La Dolce Vita", der Außengastronomie im Herzen der Stadt. Yildiz hatte teilweise mit riesigen Leinwänden (zuletzt von Ralf Berger) für ein Fußball-Fest mitten in der Stadt gesorgt!

Yildiz: "Wie und ob wir Public Viewing machen, das steht noch alles offen. In der großen Dimension mit großen Leinwänden werden wir das nicht mehr machen. Wenn jetzt auch noch droht, dass wir unsere Gäste im ersten Deutschland-Spiel nach der ersten Halbzeit nach Hause schicken müssen, dann lohnt sich das gar nicht!"

Kö-23-Wirt Bernd Rausch: "Diese Regel versteht keiner. Die Leute, die in die Gastronomie gehen, sind geimpft, getestet oder genesen. Nachweislich. Bleibt es bei der Schließungszeit von 22 Uhr zur EM, dann treffen sie sich vogelwild daheim in Gruppen, die niemand kontrolliert. Soll mir mal einer sagen, was der bessere Infektionsschutz ist!"

Zerstört der Lockdown-Irrsinn uns das Fußballfest in Horb?

City-Manager Thomas Kreidler hat noch Hoffnung: "Die aktuelle Corona-Verordnung in Baden-Württemberg gilt bis 11. Juni. Wenn wir das in der Gastronomie mit der Öffnung sauber hinbekommen und man weiß, dass Deutschland fußballverrückt ist, halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass die Politiker sich vorstellen können, für das Public Viewing längere Öffnungszeiten zu erlassen. Der Gastronomie würde das sicherlich auch gut tun!"

Fakt ist allerdings: Die sogenannte "Bundes-Notbremse" ist laut dem Text der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes "längstens bis 30. Juni 2021" gültig.

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