Nach der ersten Verkaufsphase sind nun die ersten 1,2 Millionen Tickets für die EM 2024 zugeteilt worden. Weil die Nachfrage das Angebot um ein Vielfaches überstiegen hat, gab es viele Enttäuschungen. Wie geht es nun weiter?
So ein großes Fußballturnier ist ja auch immer ein Zahlenspiel. 24 Mannschaften werden im kommenden Jahr dabei sein, wenn die EM in Deutschland stattfindet. In zehn Stadien wird gespielt werden, 51 Partien werden an- und auch wieder abgepfiffen. Seit Dienstag gibt es aber auch noch andere Zahlenspiele rund um die am 14. Juni 2024 in München beginnende Europameisterschaft – und viele enttäuschte Fans.
Wer nämlich von der Mittagszeit an die berühmte Lottoformel für sich beanspruchen konnte, also 6 aus 49, der durfte sich schon zu den Glücklichen zählen. Andernorts hörte sich das Verhältnis zwischen bestellten und tatsächlich zugeteilten Tickets eher so an: 0 aus 24, 0 aus 20, 0 aus 16, sogar 0 aus 60, auch mal immerhin 4 aus 16. „Es ist schade, dass nicht alle teilhaben können“, hatte Philipp Lahm schon am Montagabend verkündet.
Da war der Ex-Nationalspieler und aktuelle Chef des EM-Organisationskomitees für eine Veranstaltung in Stuttgart zu Gast gewesen – und hatte im Anschluss verraten, es habe zwischen dem 3. und dem 26. Oktober „über 20 Millionen Bewerberinnen und Bewerber“ gegeben. Das Problem: Lediglich 1,2 von insgesamt 2,7 Millionen Tickets waren in dieser ersten Verkaufsphase angeboten worden. Bis Dienstag entschied dann das Los, wer schon jetzt den Stadionbesuch im Sommer 2024 planen darf. „Unglaublich“ nannte Lahm die Zahl der Bestellungen, die für ihn den Schluss nahelegt: „Der Fußball funktioniert.“
Weitere Chancen auf EM-Tickets ab Dezember
Was der Weltmeister von 2014 sagen will: Auch wenn es abseits des Spielfeldes kritikwürdig zugeht, das Geschehen auf dem Platz zieht die Massen eben doch noch an. Im Falle der EM 2024 kamen zwar 65 Prozent der Bestellungen aus Deutschland, doch orderten laut Lahm „weltweit“ Fans Tickets.
Diejenigen, die ihren Platz auf den Rängen sicher haben, erhielten am Dienstag eine Mail mit den Worten: „Deine Ticketbewerbung war teilweise erfolgreich. Wir haben eine große Anzahl an Ticketbewerbungen erhalten, die die Anzahl der für die Uefa Euro 2024 verfügbaren Tickets bei Weitem übersteigt.“ Um sich die Karten endgültig zu sichern, muss der nun offene Betrag bis kommenden Freitag (14 Uhr) überwiesen werden – sonst verfällt die Buchung, und die Tickets kommen wieder auf den Markt.
Ausgeträumt ist der Traum von der EM als Liveerlebnis also auch für diejenigen noch nicht, die nun leer ausgegangen sind. Es gibt eine zweite und dritte Verkaufsphase sowie eine Plattform für den Wiederverkauf.
Die zweite Phase beginnt nach der Auslosung der EM-Gruppen, die am 2. Dezember in der Hamburger Elbphilharmonie stattfindet. Dann stehen 21 von 24 Mannschaften als Teilnehmer fest – und es ist auch klar, welches Team wann und wo in der Vorrunde antritt. Rund eine Million Tickets werden dann vergeben. Nach den Play-offs im Frühjahr 2024 ist das Teilnehmerfeld komplett – und dann werden noch einmal 500 000 Karten verkauft. Bisher haben sich neben Gastgeber Deutschland acht Nationen für die EM qualifiziert: Österreich, Belgien, England, Frankreich, Portugal, Schottland, Spanien und die Türkei. Die Plattform für den Wiederverkauf wird ebenfalls im Frühjahr 2024 online gehen.
Kritik und Verständnis
Für Fans, die live dabei sein wollen in einem der zehn Stadien in Stuttgart, Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Gelsenkirchen, Köln und Dortmund bedeutet das: abwarten – und sein Glück erneut versuchen. Auf dieses wollen sich die Organisatoren derweil nicht verlassen. „Insgesamt sind wir auf der Spur“, sagte OK-Chef Lahm am Montag zwar, aber auch er verhehlte nicht, dass noch nicht alles rundläuft.
Andreas Schär und Markus Stenger, die Geschäftsführer der EM, hatten jüngst im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ kritisiert, die deutsche Bundesregierung habe „noch keine spürbare Vision für das Turnier entwickelt“. Man vermisse die Unterstützung für die Ausrichterstädte, so könne man die Chancen einer EM „nicht vollumfänglich nutzen“. Zudem haderten sie mit diversen Entscheidungswegen: „Wenn wir konkrete Fragen haben, verweist Berlin auf die Bundesländer. Fragen wir dort nach, werden wir auf den Bund verwiesen.“
Lahm betonte am Montag den generell „guten Austausch“ aller an der EM Beteiligten, erklärte aber auch: „Dass uns manche Sachen zu langsam gehen, liegt auf der Hand.“ Für die Bundespolitik äußerte der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft aufgrund der weltpolitischen Lage jedoch auch Verständnis: „Es gibt derzeit so viele Herausforderungen auf der ganzen Welt, dass da die Euro mal ins Hintertreffen gerät, muss man dann auch akzeptieren.“ Gerade mit der Arbeit der Ausrichterstädte, der „Host Cities“, sei man aber sehr zufrieden.
Was hingegen nicht alle Fußballfans, die auf EM-Karten gehofft hatten, von sich behaupten können.