Jetzt heißt es wieder alles oder nichts: Die K.-o.-Runden bei der EM gehen los. Dramen vom Elfmeterpunkt gehören dazu. Die deutsche Nationalmannschaft kann dem gelassen entgegensehen – wie ein Blick in die Statistik eindrucksvoll belegt.
Stuttgart - Uli Hoeneß drosch den Ball in den Belgrader Nachthimmel, und die Sprüche waren ihm sicher: „Den Ball suchen sie auf dem Balkan immer noch“, frotzelte Franz Beckenbauer noch Jahre nach dem verlorenen EM-Finale 1976 des deutschen Teams gegen die CSSR.
Held oder Versager – diese einfache Formel gilt für jedes Elfmeterschießen, die es mit Beginn der K.-o.-Runden auch bei dieser EM wieder geben wird. Das Schöne aus deutscher Sicht: Seit der Hoeneß-Niete präsentierte sich die schwarz-rot-goldene Auswahl bei allen Elfmeterschießen bei Welt- und Europameisterschaften auf den Punkt topfit – und das war sechsmal der Fall.
1982 bei der WM in Spanien im Halbfinale gegen Frankreich
1986 bei der WM in Mexiko im Viertelfinale gegen Mexiko
1990 bei der WM in Italien im Halbfinale gegen England
1996 bei der EM in England im Halbfinale gegen England
2006 bei der WM in Deutschland im Viertelfinale gegen Argentinien
2016 bei der EM in Frankreich im Viertelfinale gegen Italien
„Kein Roulette“
Kann das Zufall sein? Ist diese Showdown-Zeit reines Lotteriespiel – oder steckt mehr dahinter? Für Ex-Bundestrainer Berti Vogts steht fest: „Elfmeterschießen sind weniger Glücks- als vielmehr Nervensache. Ich glaube, dass wir deshalb so erfolgreich waren, weil wir im entscheidenden Moment Spieler mit erstklassigen Neven besaßen.“ Auch Joachim Löw glaubt nicht an Zufälle: „Elfmeterschießen ist kein Roulette“, hatte er schon vor Jahren behauptet.
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Sondern vor allem Kopfsache. Der Elfmeter ist der Inbegriff des Psychoduells im Fußball. „In solchen Fällen gilt es, Routine abzurufen. Ich muss vorher ganz genau wissen, was ich mache“, erklärt der Kölner Sportpsychologe Werner Mickler. Wichtig sei, den Fokus allein auf die Aufgabe zu legen, sich darauf zu konzentrieren, was man selbst regulieren könne: „Wer sich mit möglichen Konsequenzen eines Fehlschusses beschäftigt, hat schon verloren.“
Körpersprache wichtig
Den Deutschen gelingt das offensichtlich ganz hervorragend. Mickler nennt in diesem Zusammenhang das Stichwort Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Das bedeutet, mit einer offensiven Körpersprache, selbstbewusst daran zu glauben, die Kontrolle über die Aufgabe zu haben, und fähig zu sein, sie auch erfolgreich auszuführen. „Der Glaube an sich selbst erhöht die Erfolgsaussichten. Da hilft es natürlich, wenn man weiß, dass man schon einige Elfmeterschießen erfolgreich überstanden hat“, sagt Mickler.
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