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Fußball Der rappende Kicker des CfR Pforzheim

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Stanley Ratifo ist nicht nur mit dem Ball am Fuß ein echter Künstler. Foto: Eibner

Stanley Ratifo vom CfR Pforzheim sagt: "Musik ist mein Leben", Fußball ein Hobby. Dafür hat er auf eine Karriere als Profi verzichtet. Jetzt umso mehr, nachdem sein zweiter Traum geplatzt ist?

Er ist ein Träumer. Er hat eine Vision und den Tatendrang, diese in die Realität umzusetzen. Die Träume zu verwirklichen. Stanley Ratifo, Stürmer beim CfR Pforzheim, 24 Jahre alt, hat sich in seinem Leben zwei Dinge fest in den Kopf gesetzt.

Nur drei Minuten

Der eine Traum ist am Wochenende geplatzt. Mit der Nationalmannschaft von Mosambik ist Stanley Ratifo an der Qualifikation zum Afrika-Cup gescheitert. Er saß nach dem 2:2 gegen Guinea-Bissau eine Stunde fassungslos in der Kabine. "Für drei Minuten standen wir im Afrika-Cup", sagt er frustriert. Dann fiel in der dritten Minute der Nachspielzeit noch das 2:2. Das Spiel ist aus. Mosambik ist Tabellendritter in der Quali-Gruppe. Mosambik ist raus. "Ich quatsche ja viel darüber, auch im Klub. Jeder weiß, dass das mein Traum war", sagt Ratifo. Der Stürmer hatte alles dafür gegeben, dass er sich erfüllt. In der 48. Minute erzielte er den Treffer zum 1:1-Ausgleich, weckte damit neue Hoffnung bei seinem Team. "Wir wollten dem ganzen Land etwas schenken. Auch wegen der Naturkatastrophe. Ihnen eine Freude machen." Als Nelson Divrassone in der 89. Minute den Treffer zum 2:1 erzielte, sah es so aus, als ob der Traum in Erfüllung geht. Für drei Minuten. "Jetzt muss man vom Traum abschalten", sagt der 24-Jährige. Er ist wieder in der Realität angekommen. Die heißt Oberliga. Der CfR trifft am Freitag auf Spitzenreiter Stuttgarter Kickers. In zwei Jahren gibt es die nächste Chance, diesen Traum in die tat umzusetzen.

Musik steht über Fußball

Der zweite Traum lebt im Hier und Jetzt. Stanley Ratifo will als Rapper, als Musiker, durchstarten. Seine Tracks "GoodFellaz" und "Popstar" wurden auf der Videoplattform Youtube mehr als 20 000 geklickt. Um als Rapper Karriere zu machen, hat er den Traum, Fußballprofi zu werden, beendet, ist von der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln aus der Regionalliga in die Oberliga gewechselt, obwohl er laut eigenen Aussagen mehrfach kurz vor dem Debüt in der Bundesliga gestanden hatte. Weil sein Musiklabel in der Nähe ist. Und, weil er mit dem CfR die Abmachung getroffen habe, die es ihm ermöglicht, sich mehr der Musik zu widmen.

Ab und zu am Joint ziehen

In Pforzheim polarisiert der 24-Jährige aus Halle an der Saale. Die Postleitzahl der Südstadt 06218 ist in einem seiner Musikvideos groß auf seinem Bauch tätowiert zu sehen. "Die ist auch echt. Man sollte nie vergessen, woher man kommt." Die Radiosender "Dasding" und "BigFM" haben schon über den rappenden Kicker oder den kickenden Rapper berichtet genau wie der Mitteldeutsche Rundfunk oder das Hip-Hop-Magazin "16 Bars". Sogar das "11 Freunde" Magazin veröffentliche in seiner Februarausgabe ein Interview mit Ratifo, und löste damit einen Skandal aus. Auf die Frage, ob er denn als Rapper auch ab und zu mal an einem Joint ziehe, antwortete der 24-Jährige: "Als Profi wäre das sicher nicht möglich. Aber in der Oberliga kann ich dazu stehen, es ab und zu zu tun, um ein paar coole Vibes zu kriegen. (Lacht.) Aber nur in der Winter- oder Sommerpause – nicht während des laufenden Spielbetriebs." Prompt bat ihn der CfR zum Gespräch. Ratifo unterzog sich laut Vereinsangaben freiwillig einem Drogentest, der zum Glück für alle Beteiligten negativ ausfiel. Doch die Frage, was diese Aussage letztendlich sollte, steht nach wie vor im Raum: War es die Wahrheit, die hinter einer unüberlegten Aussage steckte, oder eine bewusst gewählte Aussage um zu provozieren, ein PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu bekommen und die Karriere zu pushen?

Es geht um Lifestyle

Angebote aus der dritten Liga hat er allesamt ausgeschlagen. "Das waren alles interessante Gespräche. Aber mir wurde relativ schnell klar, dass in der dritten Liga andere Ansprüche herrschen. Dort muss ich auch ein Vorbild sein. Da geht es nicht, wenn ich nebenbei über Gin und Marihuana rappe. Was wäre es für ein Signal an Kids, die träumen, der neue Leo Messi zu werden?" So seine Begründung im Interview. Außerdem könne er nicht voll trainieren, wenn er mit der Musik weiterkommen will. Er will schnell weitere Tracks produzieren, um bald auf Tour gehen zu können. "Wir arbeiten fleißig jeden Tag." Was ihn an der Musik mehr reizt als am Fußball spielen? "Ich habe vor kurzem in Stuttgart vor 2000 Leuten in einer Halle beim "Catch The Fire"-Festival gespielt. Der Unterschied ist: Im Stadion schauen Tausende auf uns Spieler runter. Aber in der Halle schauen die Leute zu mir auf. Dort stehe ich auf der Bühne. Das ist schon eine ganz andere Anspannung. Größer." Außerdem könne er als Musiker seinen Lifestyle, seinen Lebensstil verbunden mit einer gewissen Qualität und Freizügigkeit, viel besser ausleben als ein Fußballprofi. "Der Popstar kann schon mal das ein oder andere Getränk zu sich nehmen, was der Profi nicht kann." Als Musiker könne er sein Leben leben, wie er möchte, als Fußballprofi nicht.

Der Vater als Vorbild

Zur Musik gekommen ist Ratifo über seinen Vater. Der stammt aus Mosambik und ist Reggae-Musiker. Davon inspiriert bastelte Sohn Stanley Ratifo bereits in der Kindheit an Songs. "Ich habe früher viel Musik mit ihm gemacht. Immer mitgesungen mit Papa." Ddas Fußballspielen hat er dagegen erst später mit zwölf Jahren angefangen, sagt er im Interview mit "16 Bars". In der Jugend spielte er dann bei Lokomotive Leipzig und dem BSV Halle-Ammendorf, einem Sächsischen Verbandsligisten. "Ich habe mich aber sehr schnell weiterentwickelt." Mit 19 sei er dann in der dritten Liga beim Halleschen FC angekommen. Irgendwann kam das Angebot des FC Köln. "Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mich Musik einfach glücklicher macht", begründet er, wie es zur Entscheidung kam. "Ich hab die Musik im Herzen."

Auf Händen getragen

Wie sehr man auch als Fußballer gefeiert werden kann, hat er ebenfalls erlebt. Im Juni 2017. Er wurde von wildfremden Menschen am Flughafen in Mosambik auf den Schultern getragen, nachdem er in der Nachspielzeit das 1:0 gegen Namibia erzielt hatte. Es war sein erster Pflichtspieleinsatz für die Nationalmannschaft. Durch dieses Tor hatte das Team von Mosambik überhaupt erst die Chance bekommen, um an der Qualifikation für den Afrika-Cup teilzunehmen. Ein unglaubliches Gefühl. Jetzt muss es auch nur noch mit der Musik "einen Boom geben".

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