Perfekter Einstand: Wolfsburgs neuer Trainer Mark van Bommel Foto: imago/Sven Simon

Nach dem peinlichen Wechselfehler im DFB-Pokal hat der VfL Wolfsburg mit Neutrainer Mark van Bommel schnell in die Erfolgsspur zurückgefunden. Transferausgaben von fast 50 Millionen Euro scheinen sich bezahlt zu machen.

Wolfsburg - Vor dem Saisonstart haben Wolfsburgs Sportchef Jörg Schmadtke (57) und Trainer Mark van Bommel (44) ein großes gemeinsames Interview gegeben. Ein eher unüblicher Vorgang, breiten die beiden wichtigsten Angestellten eines Vereins ihre Sicht der Dinge doch eher selten gemeinsam in der Öffentlichkeit aus.

 

Zumal es sich bei Schmadtke und van Bommel um zwei eher, sagen wir, spezielle Charaktere handelt. Der eine, Schmadtke, hat sich über die Jahre den Ruf eines Trainerkillers erarbeitet, da mag er selbst noch so widersprechen. Dem anderen, Neutrainer van Bommel, haftet seit seiner Zeit bei Bayern München das Etikett des Aggressiv Leaders an. Ein Sturkopf und ein Hitzkopf also, die sich dieser brisanten Konstellation durchaus bewusst sind. „Wir haben beide unseren Stempel bekommen und müssen nun damit leben“, entgegnete der Niederländer in besagtem Interview mit dem Magazin „Elf Freunde“. Schmadtke betonte: „Mark ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Schmadtke und van Bommel – ein spezielles Duo

Nach zwei Spieltagen lässt sich dem nicht widersprechen. Das neue Wolfsburger Duo funktioniert ausgesprochen gut. Anders gesagt: Der gut aufeinander abgestimmte Kader präsentiert sich unter dem neuen Coach in erstaunlicher Frühform. Beide Spiele dieser noch jungen Saison wurden gewonnen. Dem 1:0-Auftakterfolg gegen den VfL Bochum folgte am Samstag ein 2:1 bei der Berliner Hertha, die wiederum einen klassischen Fehlstart hingelegt hat: zwei Spiele, null Punkte.

Die Wölfe hingegen grüßten am Samstag von der Tabellenspitze. „Ich bin sehr stolz auf die Spieler, dass sie es trotzdem geschafft haben, und auf die Art und Weise, wie wir spielen wollen, zurückgekommen sind“, analysierte van Bommel etwas verquer. Was er sagen wollte: Dass seine Mannschaft einen Rückstand auf spielerische Art noch umgebogen hat, nötigte ihm Respekt ab.

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Lange Zeit sah es nämlich nicht nach einem Erfolg der Gäste aus. Dodi Lukebakio hatte die Hertha vor 18 241 Zuschauern im Olympiastadion nach 60 Minuten per Strafstoß in Führung gebracht. Doch Ridle Baku (74.) und Joker Lukas Nmecha (88.) drehten spät die Partie. Jenes Traumduo der U-21-EM, das mit Deutschland den Titel geholt hatte, biss erstmals im Trikot der Wölfe zu.

„Ich bin froh, dass Lukas da ist“, betonte van Bommel. „Für ihn persönlich war das Tor natürlich ein schöner Moment. Er kommt von Manchester City, war verletzt und kommt jetzt wieder in Schwung. Er bringt die Mannschaft weiter.“ Acht Millionen Euro ließen sich die Wolfsburger den U-21-Europameister kosten. Am Sonntag wurde bekannt, dass sich die Konkurrenz des VfL noch wärmer anziehen muss: Luca Waldschmidt wechselt für zwölf Millionen Euro von Benfica Lissabon nach Niedersachsen.

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Vom berühmten Engerschnallen des Gürtels oder durch Corona erzwungene Transferüberschüsse ist man in der Autostadt weit entfernt. Fast 50 Millionen Euro konnte Schmadtke in diesem Sommer ausgeben, dem stehen Transfereinnahmen von gerade mal einer Million gegenüber. Damit lässt sich arbeiten. Weshalb es auch ziemlich nach Tiefstapelei klingt, wenn Schmadtke sagt: „Wenn wir am Ende auf Platz sechs landen, haben wir einen fantastischen Job gemacht.“

Wechsel-Fauxpas gerät in Vergessenheit

Der Champions-League-Teilnehmer hat sich zu einem ernsthaften Anwärter auf die Spitzengruppe der Fußball-Bundesliga gemausert. So viel lässt sich nach zwei Spieltagen schon sagen. „Jeder will gerne so anfangen“, meinte van Bommel nach dem Sieg in Berlin. „Ich bin sehr froh, dass wir sechs Punkte haben. Aber es gibt keine Garantie, dass wir nächste Woche gegen Leipzig wieder drei Punkte einfahren.“

Gegen die Rasenballer, die am Freitag den VfB beim 4:0 in seine Einzelteile zerlegten, kommt es am Sonntag (17.30 Uhr) zum ersten echten Spitzenspiel der Saison. Bis dahin dürfte dann auch endgültig Gras über den Wolfsburger Wechsel-Fauxpas und die Disqualifikation aus dem DFB-Pokal gewachsen sein. Sportchef Schmadtke bemerkte in Richtung seines neuen Trainers knitz, er müsse überlegen, „alle Beteiligten für einen Volkshochschulkurs ,Richtig lesen‘“ anzumelden. Woraufhin nicht wenige das Duo Schmadtke/van Bommel bereits vor ihrer ersten Zerreißprobe sahen. Jetzt hat van Bommel gut lachen. „Der Jörg und ich haben eine ähnliche Humorebene.“