Kann der BVB (re./Mats Hummels) den FC Bayern (Thomas Müller) doch noch ärgern. Foto: dpa/Sven Hoppe

Am Freitagabend beginnt die Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Corona, das Titelrennen, der Kampf gegen den Abstieg – das sind die drängendsten Fragen zum Start.

Stuttgart - FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach – mit dem Klassiker der 70-er Jahre startet die Fußball-Bundesliga am Freitagabend (20.30 Uhr/Sat 1und DAZN) in die Rückrunde. Was verheißungsvoll klingt, kommt als Ouvertüre für knifflige Wochen daher. Denn das Corona-Virus beschäftigt das Fußball-Oberhaus viel mehr, als es allen Beteiligten lieb sein kann.

 

Doch nicht nur rund um die Folgen der Pandemie drängen sich einige Fragen auf zum Neustart der Liga. Wir stellen die fünf wichtigsten – und geben Antworten.

1. Sorgt Corona für Wettbewerbsverzerrung?

1. Sorgt Corona für Wettbewerbsverzerrung?

Bei kniffligen Schiedsrichterentscheidungen in die eine oder andere Richtung oder bei Latten- und Pfostentreffern wird oft beschwichtigend reagiert. Das, so die landläufige Meinung, gleicht sich im Laufe einer Saison aus. Alles im Lot also – aber wie ist es bei Corona? Zum Start der Rückrunde haben einige Teams viele Ausfälle aufgrund positiver Tests zu beklagen, andere sind derzeit eher weniger betroffen. Gleicht auch das sich aus – oder droht hier eine Wettbewerbsverzerrung, womöglich in entscheidenden Fragen um den Titel, um internationale Plätze oder den Abstieg?

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Schwer zu sagen. Der FC Bayern tritt am Abend jedenfalls ohne neun positiv getestete Profis gegen Borussia Mönchengladbach an. Die Fohlen hatten zuletzt ihrerseits vier Fälle zu beklagen. Der Ausgang einzelner Partien wird also vom Virus beeinträchtigt werden. Ob am Ende das Endklassement dadurch verfälscht daherkommt, hängt maßgeblich vom weiteren Fortgang der Pandemie ab.

Sicher ist schon jetzt: Die Pandemie wird Auswirkungen auf das Bundesligageschehen über die Saison hinaus haben. Die Einnahmeverluste treffen einige Clubs viel härter als andere – etwa jene, die mit einem großen und normal stark ausgelasteten Stadion viel Geld durch die Geisterspiele verlieren.

2. Droht der Liga ein Terminchaos?

2. Droht der Liga ein Terminchaos?

Auch hier: Schwer abzusehen. Spielverlegungen können Clubs erst beantragen, wenn sie aufgrund von Corona-Infektionen und anderen Verletzungen weniger als 16 Spieler zur Verfügung haben. Unter diesen 16 wiederum dürfen auch sieben Amateur- und Jugendspieler sein, deren vermehrter Einsatz ebenfalls beantragt werden muss. Bei der Kadergröße der meisten Bundesligisten dürften die meisten Spiele trotz mehrerer positiver Tests stattfinden. Allerdings befinden sich derzeit auch noch einige Bundesligaspieler beim Afrika-Cup, weshalb manch ein Kader zusätzlich reduziert ist.

„Ich habe da schon Befürchtungen“, sagte zuletzt Jörg Schmadtke, der Sportchef des VfL Wolfsburg mit Blick auf mögliche Spielausfälle und ergänzte: „Dass Corona noch eine Rolle im Spielplan spielen wird, glaube ich schon.“ In der englischen Premier League sind zuletzt über 20 Spiele ausgefallen.

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Kommt es an den ersten Spieltagen der Rückrunde zu Spielausfällen, stünde im letzten Januarwochenende noch ein Puffer für Nachholspiele zur Verfügung. Ab Mitte Februar wird es mit Ersatzterminen dann schwieriger, dann starten die europäischen Wettbewerbe in die K.o.-Phase. Bereits zuvor, am 18. und 19. Januar findet das Achtelfinale im DFB-Pokal statt. Ende März ist ein Lehrgang der Nationalmannschaften geplant. Am 14. Mai soll die Bundesligasaison zu Ende gehen. Danach folgen die Relegationsspiele, Anfang Juni stehen dann noch vier Partien der Nations League auf dem Programm. Wegen der WM in Katar im November beginnt die neue Saison der Bundesliga dann schon wieder am 5. August. All das zeigt: All zu viele Verschiebungen sind kaum machbar.

3. Kommt noch einmal Spannung ins Titelrennen?

3. Kommt noch einmal Spannung ins Titelrennen?

Der Weihnachtsmann wird auch der Osterhase sein – meinte jüngst Uli Hoeneß. Was der frühere Bayern-Chef damit sagen wollte: Der Herbstmeister wird auch am Ende das Rennen machen. Der zehnte Titel in Folge des FC Bayern wäre damit schon ausgemachte Sache. Bei neun Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund ist das keine allzu gewagte Prognose.

Tatsächlich agierten die Münchner über weite Strecken der Vorrunde derart souverän und dominant (auch in der Champions League), dass es unvorstellbar erscheint, dass sich im Titelrennen noch einmal Spannung entwickelt. Womöglich bietet sich sogar lediglich zum Start der Rückrunde die Chance der Verfolger.

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Die Bayern haben zum Auftakt zahlreiche Ausfälle durch positive Tests zu beklagen, zwei Spieler fehlen wegen des Afrika-Cups. Das könnte die Münchner ein wenig schwächen. Aber: Auch der erste Gegner (Gladbach) hat Coronasorgen und steht aufgrund der schwachen Vorrunde unter Druck. Zudem ist die Bayern-Dominanz dieser bisherigen Saison auch der Inkonstanz der Konkurrenz zu verdanken. Ob sich daran etwas ändert? Unwahrscheinlich. Weshalb die Münchner wohl trotz der aktuellen Sorgen zum nächsten Titel marschieren.

4. Findet RB Leipzig unter Domenico Tedesco wieder in die Spur?

4. Findet RB Leipzig unter Domenico Tedesco wieder in die Spur?

21 Punkte – das ist zum einen die Punktausbeute von Hertha BSC nach 17 Spielen. Und andererseits der Rückstand von RB Leipzig auf den FC Bayern. Auf den Rekordmeister blickt der Club, der sich einst anschickte, das Titelrennen spannender zu gestalten, derzeit aber nicht. Es geht vielmehr darum, eine bislang verkorkste Saison zu retten. Was mit der erneuten Qualifikation für die Champions League der Fall wäre.

Sechs Punkte Rückstand sind es auf Platz vier (Bayer Leverkusen) für RB, bei der Klasse des Kaders müsste das machbar sein. Allerdings braucht es dafür eine richtig starke Rückrunde, denn für den Einzug in die Königsklasse waren in den vergangenen Jahren meist 60 Punkte nötig.

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Möglich machen muss und soll die Aufholjagd Domenico Tedesco. Der frühere Jugendtrainer des VfB Stuttgart hatte in der Vorrunde drei Spiele nach Nachfolger von Jesse Marsch – ein Sieg, eine Niederlage, ein Unentschieden, so lautet die bisherige Bilanz. Das Team hing zuletzt zwischen der Nagelsmann-Diktion aus den vorangegangenen zwei Jahren und den Marsch-Neuerungen – an Tedesco wird es nun liegen, dem Team ein System zu verpassen, dass der Mannschaft die Möglichkeit gibt, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Und das weniger fehleranfällig ist als zuletzt.

Tedesco hat dafür den kompletten Neustart ausgerufen, RB trennte sich auf seinen Wunsch zuletzt von Co-Trainer Marco Kurth. „Wir haben uns zwischen Weihnachten und Neujahr viele Gedanken gemacht, nicht nur über das Trainerteam“, erklärte der frühere Schalker, „dabei bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass es Sinn macht, ab dem ersten Trainingstag einfach auf null zu gehen und einen kompletten Neustart zu machen.“

Umso mehr gilt nun: Tedesco muss – trotz Corona-Sorgen zum Start – liefern. Wie übrigens auch Florian Kohfeldt beim VfL Wolfsburg, der Besserung versprochen hat.

5. Wie viel BaWü steckt künftig in der Königsklasse?

5. Wie viel BaWü steckt künftig in der Königsklasse?

Der VfB Stuttgart wird in der anstehenden Rückrunde damit zu tun haben, sich aus der Abstiegszone zu arbeiten. Ein Kandidat für die europäischen Wettbewerbe ist der Meister von 2007 in dieser Saison nicht – Baden-Württemberg könnte dennoch in der kommenden Saison in der Champions League vertreten sein.

Gleich zwei Teams haben im Laufe der Vorrunde besonders überrascht: Der SC Freiburg geht als Dritter der Tabelle in die Rückrunde und hat nach wie vor den großen Vorteil, die Welle des Erfolgs völlig unbeschwert und ohne große Erwartungen weiter reiten zu können. Auch die Coronasorgen halten sich in Grenzen beim Sportclub. Das Motto von Trainer Christian Streich zum Fortgang der Saison: „Wenn man etwas Positives verbessern kann, dann ist es ja noch positiver, da habe ich nichts dagegen.“ Allerdings schränkt er auch ein: Das könne man nicht jede Woche leisten. Der SC wird sich wohl dennoch im ersten Drittel halten.

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Neben dem SC Freiburg hat sich eher klammheimlich die TSG Hoffenheim nach oben gearbeitet. Nach einem schwierigen ersten Jahr unter Trainer Sebastian Hoeneß sind die Kraichgauer nach der Vorrunde nun Fünfter – punktgleich mit Platz vier. „Die jungen Spieler werden immer reifer“, sagte jüngst Dieter Hoeneß, der Vater von Coach Sebastian Hoeneß. Das Gebilde scheint mittlerweile so gefestigt, soll es mit der zweiten Qualifikation für die Königsklasse klappen, muss das Team aber defensiv noch stabiler werden.