Die Kirchenbänke werden aufgrund vieler Austritte immer leerer. (Symbolfoto) Foto: Roman Zaiets/ Shutterstock

In den Evangelischen Kirchengemeinden Rottweil und Flözlingen/Zimmern ist einiges in Bewegung. Welchen Zweck hat die angestrebte Fusion der Gemeinden?

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus, die finanziellen Mittel werden knapper, und auch bei den personellen Ressourcen wird es eng. Dies alles sorgt dafür, dass Gemeinden neue Wege einschlagen müssen. So auch die evangelische Kirchengemeinde Rottweil. Wir haben bei Albrecht Foth, dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, nachgefragt.

 

Schlagen sich die Entwicklungen der Landeskirche auch in der Rottweiler Gemeinde nieder? Und wenn ja, wie?

Die Rottweiler Gemeinde ist keine Insel der Seligen. Daher nehmen wir Teil an der landesweiten Entwicklung, nämlich der deutlichen Abnahme der Gemeindeglieder. Bei manchem der Austretenden scheint die Kirchensteuer ein wesentlicher Beweggrund zu sein. Da bleibt leider außer Betracht, dass die Kirchen die „christlichen Werte“ zur Geltung bringen. Außerdem leisten die Kirchen neben allen staatlichen Mitteln einen nicht unbeträchtlichen Teil, damit Diakonie, Kindergärten und Senioreneinrichtungen stattfinden können.

Wenn die Gemeinden weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben, können sie auch weniger Aufgaben erfüllen, wie kommt man der Problematik in Rottweil bei?

Um bei kürzer werdender Personaldecke doch alle Füße warm zu halten, arbeiten die so genannten Distriktsgemeinden Rottweil, Deißlingen, Flözlingen und Wehingen schon auf verschiedenen Gebieten wie Seniorenarbeit, Konfirmandenarbeit, Jugendarbeit, Diakonie und Erwachsenenbildung eng zusammen und die Pfarrpersonen vertreten einander im Krankheits- und Urlaubsfall.

Um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein, haben sich die evangelischen Kirchengemeinden Flözlingen/Zimmern und Rottweil entschlossen zu fusionieren. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Schon bei bisherigen Kooperationen auf dem Gebiet des Gemeindesekretariats und der Kirchenpflege ergab sich, dass Personal und damit Kosten gespart werden konnten, ohne dass die Leistungen für die Gemeindeglieder geschmälert wurden. Bei einer Fusion lässt sich das vertiefen, zum Beispiel Erstellen eines Gemeindebriefs für beide Gemeinden, Erstellen und Verwalten nur eines Haushaltsplans. Außerdem sind die landeskirchlichen Zuweisungen an Kirchensteuer bei größeren Gemeinden pro Gemeindeglied höher, das heißt eine fusionierte Gemeinde Rottweil-Flözlingen erhält mehr Geld, als wenn die Gemeinden getrennt blieben. Weiter kommt hinzu: Flözlingen allein trägt keine hundertprozentige Pfarrstelle mehr, mit Rottweil zusammen ergeben sich mehrere 100-Prozent-Pfarrstellen. Das macht die Stellen bei einer Ausschreibung attraktiver und erleichtert die Verteilung der Aufgaben in einer Gemeinde.

Auch im Dekanat ist einiges in Bewegung. Der Dekanatsbezirk soll neu geregelt werden. Könnte es sein, dass Rottweil Dekanatssitz wird?

Nach den bisherigen Überlegungen der sogenannten Steuerungsgruppe soll Rottweil Sitz des neuen Dekanats werden, das aus dem bisherigen Dekanat Tuttlingen und dem südlich ab Sulz gelegenen Teil des Dekanats Sulz gebildet werden soll. Erste Überlegungen, ob und wie Rottweil die dazu nötigen Räume bereitstellen kann, sind auch schon – mit positivem Ergebnis – erfolgt.

Wer entscheidet darüber? Und wann?

Der Entscheidungsprozess ist mehrstufig. Einen „Tendenzbeschluss“ haben die Bezirkssynoden, die Parlamente der beiden Kirchenbezirke, schon gefasst. Derzeit finden die Überlegungen statt, wie der neue Bezirk in Bezug auf Finanzen, Pfarrerbesetzung, Diakonie, Jugendarbeit und anderes „aufgestellt“ sein soll. Gestützt auf diese Überlegungen sollen die beiden Bezirkssynoden im Herbst verbindlich entscheiden, ob sie den Zusammenschluss vollziehen wollen. Wenn ja, könnte der Vollzug des neuen Kirchenbezirks dann zum 1. Januar 2025 erfolgen.

Wie informieren Sie Ihre Gemeindemitglieder über all diese Pläne, Änderungen und Ideen? Denn hierzu gibt es sicherlich viele Nachfragen?

Speziell zur Gemeindefusion findet am kommenden Sonntag, 16. Juli, ab 11 Uhr in der Predigerkirche eine Gemeindeversammlung statt, zu der alle Interessierte eingeladen sind. Es werden Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit vorgestellt und Pläne. Auch bei der Fusion der Kirchengemeinden von Rottweil und Flözlingen ist ein etwaiger Vollzug zum 1. Januar 2025 zu erwarten. Auch in Flözlingen findet am kommenden Sonntag, 16. Juli, nach dem Gottesdienst ab 9.30 Uhr eine Gemeindeversammlung statt.