Neue Gemeinden mit neuem Namen. Am ersten Advent entstehen aus den bisherigen fünf evangelischen Gemeinden im Oberen Enztal zwei neue.
Aus fünf mach zwei – am 30. November fusionieren fünf bislang selbstständige evangelische Kirchengemeinden. Aus den Gemeinden Höfen und Calmbach wird die evangelische Kirchengemeinde Calmbach-Höfen und die Gemeinden aus Enzklösterle, Bad Wildbad und Aichelberg fusionieren zur evangelischen Kirchengemeinde Obere Enz.
„Am 30. November, dem ersten Advent, ist Kirchenwahl und das Startdatum für die beiden neufusionierten Kirchengemeinden“, erläutert Emanuel Ruccius-Rathgeber. Er besetzt zusammen mit seiner Frau Eva Rathgeber als Pfarrerehepaar die Stelle in Höfen sowie bereits jetzt den Pfarrbezirk zwei in Calmbach und wird künftig mit der Calmbacher Pfarrerin Sara Widmann für die neue Kirchengemeinde zuständig sein.
Weniger Pfarrer für die Kirchengemeinden
Zumindest vorläufig. Denn bereits seit dem neuen Pfarrplan ist klar, dass es ab 2030 in der Kirchengemeinde Calmbach-Höfen nur noch eine Pfarrstelle geben wird.
In der Gemeinde Obere Enz werden künftig der Bad Wildbader Pfarrer Gottfried Löffler sowie Klinikpfarrerin Barbara Schmidt und als Vertretungspfarrer Matthias Schmidt sowie Jonas Helbig, Pfarrer im Ruhestand, wirken. Die meisten davon allerdings nur mit Teilaufträgen beziehungsweise verringertem Dienst wegen Wiedereingliederung nach Krankheit.
Auch hier werden 2030 Pfarrstellen wegfallen, etwa die der Klinikseelsorge und die zweite Pfarrstelle in Bad Wildbad, die bereits jetzt vakant ist und wohl auch nicht mehr besetzt wird. Ebenfalls vakant ist seit dem Weggang von Martin Kohnle die Pfarrstelle in Enzklösterle. Die soll aber nicht wegfallen, sondern wieder besetzt werden.
Fachkräftemangel auch bei Pfarrern
Das ist allerdings nicht ganz so einfach. Denn auch bei den Pfarrern gebe es einen Fachkräftemangel, erläutert Ruccius-Rathgeber. Die „Boomer“ gehen in Rente und aus den geburtenschwachen Jahrgängen kommt wenig Nachwuchs nach. Dies – und die sinkende Zahl an Kirchenmitgliedern – führt dann eben auch zur Pfarrplanreduzierung und Anpassung an die Gemeindegröße, damit die Stellen über die Landeskirche hinweg gleichmäßiger besetzt werden können.
Doch zurück zur Fusion der Gemeinden. Wirkliche Befürchtungen seien bei ihr nicht angekommen, erzählt Widmann im Gespräch mit unserer Redaktion. „In Calmbach war es vielen klar, dass es kommen wird“, sagt sie weiter.
Es wächst zusammen, was gut passt
Ähnliches höre er auch aus Höfen und Calmbach, sagt Ruccius-Rathgeber. „Es wächst etwas zusammen, was gut passt“, ist er überzeugt. Auch wenn es Befürchtungen gebe, dass man als „kleiner Partner“ geschluckt werde. „Diese Sorgen gibt es, das verstehe ich auch“, sagt er weiter. Deshalb sei es wichtig, dass der Kirchengemeinderat sensibel damit umgehe und beide Teile der neuen Gemeinde als gleichwertige Partner sehe.
Im Bereich Obere Enz hätten sich manche schon etwas schwer getan mit dem Begriff Fusion, erzählt Ulrike Kämmerer, Kirchengemeinderatsvorsitzende in Wildbad. Aber durch den Fusionsprozess habe sich vieles so geformt, „dass man sagen kann, das passt jetzt so“.
Widmann freut sich „aufs Neue“, auch wenn sicherlich noch „einige Herausforderungen auf uns zukommen, auch organisatorischer Art“. Und Ruccius-Rathgeber ergänzt, dass auch er neben der Freude die Spannung spürt, welche Herausforderungen kommen. Aber schließlich sei die Kirche ja nicht nur ein Verein für Calmbach oder Höfen. „Wir wollen das Evangelium Jesu Christi verkündigen. Das ist unabhängig von der Ortszugehörigkeit.“
Kirchengemeinderäte tagen gemeinsam
In Vorbereitung auf die Fusion habe es dabei sowohl in Calmbach und Höfen als auch in Bad Wildbad, Aichelberg und Enzklösterle gemeinsame Kirchengemeinderatssitzungen gegeben. Beide Gemeinden hätten zudem jeweils ein neues Logo entworfen und gemeinsam mit den Kirchengemeinderäten beschlossen. Auch die ersten gemeinsamen Gemeindebriefe hätten sie so herausgegeben.
Am 30. November entstehen die beiden neuen Kirchengemeinden. Und da werden auch die gemeinsamen Kirchengemeinderäte gewählt. In der Gemeinde Obere Enz wird das Gremium aus 14 Kirchengemeinderäten bestehen. Davon kommen 3 aus Wildbad, zwei aus Sprollenhaus, fünf aus Aichelberg und vier aus Enzklösterle. In Calmbach-Höfen gibt es künftig zwölf Kirchengemeinderäte, acht aus Calmbach und vier aus Höfen.
Den Bindestrich mit Leben füllen
Nach der Wahl gilt es dann, den neuen Konstrukten Leben einzuhauchen. Oder wie es Ruccius-Rathgeber mit Blick auf den neuen Namen Calmbach-Höfen ausdrückt: „Wir haben die Vision, den Bindestrich mit Leben zu füllen.“
Vieles laufe derzeit noch parallel, das Zusammenwachsen werde ein paar Jahre dauern, glaubt er. Das bedeute aber im Übrigen nicht, alles zwingend zu ändern. „Wenn etwas gut funktioniert, gibt es keinen Grund etwas zu ändern“, sagt er und nennt als Beispiel den „tollen Kirchenchor aus fünf Frauen“ in Höfen. Da gebe es „keinerlei Bestrebungen, das mit Calmbach zusammenzuführen“. Da, wo es Sinn macht, ist Zusammenarbeit aber sehr wohl angedacht. Etwa beim CVJM in Calmbach oder bei der Jungschar in Enzklösterle. Dort fehlt eine Jungscharleiterin, die Kinder können jetzt dann nach Sprollenhaus gehen, erzählt Kämmerer.
Veränderungen bei Gottesdiensten
Auch bei den Gottesdiensten wird es Veränderungen geben. So werden jeweils zwei (Kirch-)Orte zusammengefasst, in denen dann jeweils abwechselnd am Sonntag Gottesdienste stattfinden sollen: Enzklösterle und Sprollenhaus, Aichelberg und Wildbad und natürlich Calmbach und Höfen.
Gefeiert wird die Fusion in beiden neuen Gemeinden. Am Sonntag, 7. Dezember, findet in Calmbach ab 10 Uhr ein Fusionsgottesdienst statt. Bei dem Festgottesdienst wirken sowohl die Orchestervereinigung Calmbach als auch die beiden Kirchenchöre aus Höfen und Calmbach mit.
In Wildbad findet dieser Fusionsgottesdienst am Sonntag, 11. Januar, ab 10 Uhr mit Prälat Markus Schoch statt. Hier wirken ein Projektchor und der Posaunenchor mit, die Bürgermeister Marco Gauger und Sabine Zenker werden ein kurzes Grußwort halten.