Die Furtwanger Delegation gemeinsam mit den Vertretern der Stadt Wylkowe nach einer Konferenz im Rathaus. Foto: Stadt Foto: Schwarzwälder Bote

Projekte: Delegation reist zum Austausch in die ukrainische Stadt am Kilometer Null des Donaudeltas

Furtwangen/Wylkowe. Zu einer Situationsanalyse weilte eine von Bürgermeister Josef Herdner angeführte Furtwanger Delegation im ukrainischen Wylkowe. Bereits 2017 und 2018 war es auf Initiative von Karl Walter, Vorstand des Bayerischen Hauses in Odessa, zu gegenseitigen Besuchen städtischer Repräsentanten gekommen. Mit der Situationsanalyse wurde nun eine Basis für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Furtwangen und der am Kilometer Null im ukrainischen Teil des Donaudeltas gelegenen Stadt Wylkowe geschaffen.

Öko-Tourismus, Energie und Brandbekämpfung bilden Schwerpunkte

Eingehend diskutiert wurden auf mehreren Konferenzen und Begehungen Themen wie nachhaltiger Öko-Tourismus, umweltgerechte Energieversorgung, Optimierung der Brandbekämpfung sowie Gewinnung neuer Akteure und Vernetzung der gesellschaftlichen Ebenen in Wylkowe und Furtwangen.

Letzteres liegt neben Herdner auch Hauptamtsleiter Marcel Schneider am Herzen. "Eine Städtefreundschaft muss vor allem auf gesellschaftlicher Ebene gelebt werden", ist sich Herdner sicher. "Hier kann insbesondere die Durchführung von Schüleraustauschprogrammen, wie sie für derartige Konstellationen entwickelt wurden, ein wichtiges verbindendes Element bilden", ergänzte Schneider bei einer Konferenz mit städtischen Vertretern im Rathaus.

Ebenfalls mit Blick auf eine Intensivierung des Austausches im Bereich der Feuerwehren waren die Ortsfeuerwehrkommandanten Franz Kienzler (Rohrbach) und Reinhard Dotter (Linach) mit vor Ort. Ungeachtet der sprachlichen oder organisatorischen Verschiedenheiten kam es bei einer Begehung der Berufsfeuerwehrwache sofort zu einem regen, von gegenseitiger Anerkennung geprägten Austausch der Furtwanger Brandschutzexperten mit den ukrainischen Kameraden. Während Furtwangen auf ein herausragendes ehrenamtliches Engagement von rund 150 Kameraden der Gesamtwehr Furtwangen stolz sein kann, wird die Brandbekämpfung in Wylkowe bei ungefähr gleicher Einwohnerzahl von 25 Kameraden vorgenommen. Entsprechend beeindruckt waren Kienzler und Dotter von den "unglaublich großen Leistungen" der gerührten ukrainischen Kameraden und regten gemeinsame Übungen oder Unterstützung in Form von Gerätschaften und Kleidung an.

Ingenieur Felix Duffner wiederum war als Experte für regenerative Energieanlagen mit angereist, um über die Realisierbarkeit eines Solarprojektes zu befinden, welches als "Leuchtturmprojekt" dienen und eine nachhaltige Wirkung entfalten soll. Der Erzeugung des Strombedarfs des städtischen Kindergartens durch eine Solaranlage gab Duffner bei dessen Besichtigung auf Anhieb gute Chancen. "Diese könnte kurzfristig umgesetzt werden", zeigte er sich überzeugt. Einen sehr interessanten, langfristig anzulegenden Prozess machte Duffner überdies in der Verwertung des im Donaudelta in Massen vorkommenden Schilf als Pellets aus.

Bei einer Fahrt zum Kilometer Null stand das Thema Öko-Tourismus im Biosphärenreservat Donaudelta auf der Agenda. Herdner wies seinen Kollegen Mykola Dziadzin auf Kooperationen mit Tourismusverbänden im Schwarzwald hin, regte aber auch notwendige Aufwertungen im Bereich des Kilometers Null sowie an der Uferpromenade in der Stadt selbst an.

"Mit der gemeinsamen Erarbeitung der Situationsanalyse können wir erkennen, dass die beiden Städte nicht nur über die Donau miteinander verbunden sind, sondern, dass es sehr viel Potenzial gibt, die Menschen mit einer Zusammenarbeit in vielen gesellschaftlichen Bereichen einander näher zu bringen und gleichzeitig einen Beitrag zur nachhaltigen kommunalen Entwicklung zu leisten", fasste Karl Walter als "Initiator und Motor der Städtefreundschaft" die erlebnisreichen Tage zusammen. Gefördert wurde diese Maßnahme durch "Engagement Global" mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.