Die Landtagsabgeordnete Martina Braun (rechts) lässt sich durch den Vorstand der Oekogeno Freiburg Joachim Bettinger (Mitte) und Bürgermeister Josef Herdner (links) über das Projekt des genossenschaftlichen Mehrgenerationenhauses in Furtwangen informieren und besichtigt auch die Baustelle. In einem Jahr soll das Gebäude bezugsfertig sein. Man hofft darauf, das Haus noch vor dem Winter dicht zu bekommen, um mit dem Innenausbau weitermachen zu können. Foto: Heimpel

Elf der 29 Wohnungen in Baumannstraße vergeben. Solidaritätsgedanke spielt wesentliche Rolle.

Furtwangen - Deutliche Fortschritte macht das Wohnprojekt "Inklusives Wohnen in der Baumannstraße": Im Herbst des kommenden Jahres soll das Mehrgenerationenhaus bezugsfertig sein, wie Vertreter der Oekogeno bei einem Pressegespräch mitteilten.

Auch die Landtagsabgeordnete Martina Braun informierte sich bei den Vertretern der Oekogeno und Bürgermeister Josef Herdner über das besondere Projekt, bei dem der Solidaritätsgedanke eine wesentliche Rolle spielt. Zu Gast war in Furtwangen Joachim Bettinger, zugleich Vorstand der Oekogeno Genossenschaft in Freiburg und der neu gegründeten Furtwanger Genossenschaft GIW für das integrative Wohnen. Er warb bei dieser Gelegenheit ganz besonders auch für die so genannten Förder-Genossen, die bei diesem Projekt unter sozialen Aspekten Geld sicher und gewinnbringend anlegen können. Er erinnerte daran, dass Bürgermeister Josef Herdner auf die Oekogeno zugekommen sei, da in Furtwangen gerade im Innenstadtbereich Bedarf an Wohnraum bestehe. So entstand die Idee eines Mehrgenerationenhauses. Und diese wird konsequent umgesetzt, wie Joachim Bettinger deutlich machte.

Für die insgesamt 29 Wohnungen habe man sich gleich im Vorfeld Gedanken gemacht, wie man die Vergabe aufteilen will, um tatsächlich ein Mehrgenerationenhaus zu haben. Es wäre sicher kein Problem, das ganze Haus mit Senioren zu besetzen, so Bettinger. Aber bei der Vergabe achte man gezielt darauf, dass neben Senioren auch Alleinerziehende, Singles, Familien und Behinderte eine Wohnung finden. Die vorhandenen Wohnungen sollen dabei weitgehend entsprechend eines festgelegten Schlüssels auf diese Bevölkerungsgruppen verteilt werden.

Gleichzeitig spielt der Solidaritätsgedanke eine wesentliche Rolle, ein künftiger Bewohner muss sich in dieses bunte Umfeld einfinden können und den solidarischen und sozialen Charakter des Hauses mittragen. Nach diesen Gesichtspunkten werden die künftigen Bewohner ausgesucht. Elf der 29 Wohnungen sind bereits fest vergeben.

Die Landtagsabgeordnete Martina Braun zeigte sich beeindruckt von dem Konzept. Genau solche Wohnformen würden gezielt von der Landesregierung gefordert, wie im Koalitionsvertrag zwischen Grünen und CDU festgeschrieben stehe: "Eine gute soziale Durchmischung muss ebenso erreicht werden wie lebensphasengerechte Wohnmöglichkeiten, zum Beispiel durch Mehrgenerationenhäuser und barrierefreie Wohnungen." Die Landesregierung wolle deshalb neue und kleinere Akteure wie Genossenschaften fördern. Aus diesem Grund schwebe es ihr auch vor, zur Eröffnung des Hauses im kommenden Jahr Sozialminister Manne Lucha nach Furtwangen einzuladen. Dabei hob Joachim Bettinger hervor, dass sich bei diesem solidarisch orientierten Wohnprojekt gerade auch die Stadt Furtwangen und Bürgermeister Josef Herdner in besonderem Maße engagieren.

Unterstützt von der Oekogeno Freiburg gibt es noch weitere solcher gemeinnütziger Genossenschaften von Waldshut bis Frankfurt. Die Furtwanger Genossenschaft GIW ist dabei nicht auf Furtwangen beschränkt. Gedacht ist, dass auch weitere genossenschaftliche Wohnprojekte im Hochschwarzwald durch die Furtwanger Genossenschaft getragen werden. Mit diesem, auch finanziellen, Rückhalt durch die Oekogeno Freiburg könne man problemlos die Ziele erreichen. Wenn beispielsweise im Moment noch nicht alle Wohnungen vergeben seien, übernehme die Oekogeno die Finanzierung für die noch fehlenden Genossenschaftsanteile, bis diese gezeichnet sind. Mit diesem Ansatz unterscheide man sich von den sonst üblichen Baugenossenschaften, so Joachim Bettinger.

Info: Die Genossenschaft

Für den Bau des Mehrgenerationenhauses in der Baumannstraße wurde eine Genossenschaft gegründet, die GIW "genossenschaftlich integratives Wohnen". Um eine Wohnung mieten zu können, muss der Interessent zuerst Mitglied der Genossenschaft werden mit einer Einlage zwischen 19 000 und 29 000 Euro. Aktuell haben elf Genossen diese Einlage eingebracht und damit das Recht erworben, eine Wohnung im Haus zu günstigen Konditionen zu mieten. Mit diesem Grundkapital finanziert die Genossenschaft den Bau des Hauses. Dies reicht natürlich nicht komplett aus. Dazu kommen neben Bankkrediten dann auch noch Förder-Genossen, die auf diese Weise ihr Geld anlegen und solche solidarischen Projekte unterstützen wollen. Im Normalfall werden diese Einlagen mit 2,8 Prozent verzinst. Neben dem sozialen Gedanken bei einer solchen Einlage ist die Geldanlage sicher und bei den aktuellen Zinssätzen auch lukrativ. Aktuell hat die GIW Furtwangen 14 solcher Förder-Genossen, die zwischen 1000 Euro und einem sechsstelligen Euro-Betrag eingebracht haben. Jeder dieser Wohn-Genossen und Förder-Genossen hat übrigens in der Genossenschaftsversammlung eine Stimme und kann damit auch das weitere Agieren der Genossenschaft wesentlich mitbestimmen. Und schließlich gibt es noch so genannte Paten, die für Hausbewohner, die selbst die Genossenschaftseinlage nicht aufbringen können, den Betrag teilweise oder ganz übernehmen. Die Einlage für die Wohnung wird beim Verlassen des Hauses beziehungsweise Tod des Mieters dem Mieter oder Paten zurückerstattet. Infos unter: www.oekogeno-giw.de

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