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Furtwangen Kaiserlicher Glanz ist längst verblasst

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Am alten Postamt des Jahres 2020 nagt der Zahn der Zeit. Foto: Dilger Foto: Schwarzwälder Bote

Von Gerhard Dilger

Fast 120 Jahre lang war das "alte" Postgebäude an der Wilhelmstraße Mittelpunkt des postalischen Schaltens und Waltens. Wenn man heute "Post Furtwangen" im Internet in eine Suchmaschine eingibt, so findet man Angaben zur Postagentur in der Bismarckstraße

Furtwangen. Ältere Furtwanger sagen auch zuweilen "im Aldi-Bau", weil sich dort früher die erste Furtwanger Filiale des Discounters befand.

Man wird wohl viel Zustimmung ernten, wenn man den heutigen Zustand des Postgebäudes als "Schandfleck" bezeichnet, insbesondere im Zusammenwirkung mit dem abrisswürdigen Nebengebäude an der Rabenstraße.

Doch das war nicht immer so: 1888 entstand ein schmuckes, zweistöckiges Postgebäude, das aufgrund derselben Entstehungszeit manche Ähnlichkeit mit dem alten Triberger Postgebäude aufweist. "Kaiserliches Postamt", so die Bezeichnung hier wie dort, wenn man genau hinsieht, sind die Schatten der Buchstaben der einstigen Inschrift am Gebäude bis heute sichtbar. Das Gebäude wurde von einem Privatmann mit Namen Gregor Hepting im Auftrag der Kaiserlichen Oberpostdirektion Konstanz, die damals für die Region zuständig war, erbaut und von der Post auf 15 Jahre bei einer Jahresmiete von 2000 Mark angemietet. Im neuen Gebäude fanden vier Beamte und sieben "Unterbeamte" Platz. Heute würden Unterbeamte mit dem Begriff "Beamte des einfachen Dienstes" bezeichnet, Briefträger fielen etwa in diese Kategorie, solange sie verbeamtet waren.

Auf einem Bild aus dieser Zeit ist gleich zu erkennen, dass "Post" damals ein doppelsinniges Wort war, bezeichnete man doch damit nicht nur den Ort, wo man seine Postgeschäfte erledigte und Briefe und Pakete auf den Weg brachte, sondern auch die Linien der Postkutschen, die damals neben Postsendungen auch Passagiere beförderten.

Vor dem Postamt steht auf besagtem Bild eine Postkutsche, im damaligen Sprachgebrauch ein "Omnibus", vielleicht vor der Abfahrt in Richtung Bleibach oder in die andere Richtung nach Donaueschingen. Als erste Furtwanger Postlinie wurde die Post nach Donaueschingen eingestellt. 1893 war die Bregtalbahn fertig geworden, die nun sowohl Postsendungen als auch Passagiere schneller und komfortabler beförderte. Und das Aufkommen motorisierter Omnibusse, der "Kraftpost", besiegelte wenig später auch das Ende der Postkutschen nach Bleibach und Triberg.

Aber die Nachfolger der Postkutschen, die gelben Omnibusse des Postreisedienstes, wie dieser Zweig der Post sich nach dem Zweiten Weltkrieg nannte, hielten noch bis Mitte der 1960er-Jahre direkt vor dem Postamt.

Auf dem Bild des Postamts von 1888 sind nur zwei Stockwerke zu sehen; das dritte, wie es auch heute noch das Aussehen des Gebäudes bestimmt, wurde vermutlich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgesetzt, um dem zusätzlichen Platzbedarf vor allem der Fernsprechvermittlungsstelle gerecht zu werden. Und auch der Postbetrieb nahm immer mehr zu, die Zusteller für den Kernort und später nach und nach aus den Teilorten Neukirch, Schönenbach und Rohrbach sortierten dort die Post für ihre Zustelltouren.

1964 wurden Grundstücke an der Bregstraße erworben, dort, wo heute die Straße Richtung Brend beim Autohaus Mahler abbiegt, geplant war ein Neubau für Post- und Fernmeldedienst. Doch das Areal wurde wenig später von der Stadt für die Anlage eben dieser Kreuzung beansprucht. Auf einem dafür eingetauschten Grundstück hinter dem Rathaus wurde dann ein Neubau des Postamts geplant, zu dem es aber wegen veränderter Planungen der Post und durch Rationalisierungsmaßnahmen nie kam.

Einziges Überbleibsel aus dieser Zeit ist die damals auf dem Restgrundstück gebaute Ortsvermittlungsstelle der heutigen Telekom an der Bregstraße. 1996 schließlich wurde die Postorganisation grundlegend geändert, so fanden die Zusteller nach und nach ihre Arbeitsplätze in eigenen Zustellstützpunkten, in Furtwangen, heute am Busbahnhof. Als letzte verließen die verbliebenen Schalterbeamten 2007 das alte Postgebäude und verrichteten ihren Dienst in den anfangs erwähnten Räumen in der Bismarckstraße. In der Folge erwarb die Stadt Furtwangen unter dem damaligen Bürgermeister Richard Krieg das Gebäude. Angedacht war die Einrichtung eines Gesundheitszentrums. Doch daraus wurde nichts, wie auch aus dem kurzfristig geplanten Verkauf an die Firma Siedle oder an private Investoren. So versank der einstige Stolz der Reichspost und der Furtwanger in einem bis heute andauernden Dornröschenschlaf, von dem derzeit niemand weiß, ob und wann er endet.

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