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Furtwangen Ehrenbürger Horst Siedle ist tot

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Der Ehrenbürger Horst Siedle ist gestorben. Foto: Siedle

Furtwangen - Furtwangen trägt Trauer: Der Unternehmer Horst ­Siedle ist tot. Der Ehrenbürger der Stadt starb im Alter von 80 Jahren. Er erlag seiner schweren Erkrankung.

Furtwangen und die ganze Region trauern um einen Mann, der sich mit ganzem Herzen für seine Heimatstadt engagiert hat. "Ich bin Weltbürger, Europäer, Deutscher und Badener – aber im Herzen bin ich Furtwanger" – so hat Horst Siedle einmal auf die Frage geantwortet, wo er sich zu Hause fühlt.

Herdner informiert Räte

Die Nachricht vom Tod Horst Siedles macht die Menschen in Furtwangen traurig. Bürgermeister Josef Herdner informiert Gemeinderäte, dass der Ehrenbürger der Stadt Furtwangen gestorben ist. Die Mitarbeiter von S. Siedle & Söhne werden am Freitag von Horst Siedles Ehefrau Gabriele benachrichtigt. Sie teilt mit, dass ihr Mann gestorben sei. Er "erlag seiner schweren Erkrankung, die er länger in Schach halten konnte, als alle Prognosen es vorhergesagt hatten". Es ist der ausdrückliche Wunsch von Gabriele Siedle, alle Siedleaner rechtzeitig zu informieren. Alle Mitarbeiter trauern mit ihr und der Familie.

Bürger kondolieren

Über Facebook kondolieren am Freitagabend bereits zahlreiche Bürger. Sie sprechen der Familie ihr herzliches Beileid aus. "Ich denke mit Hochachtung, Verehrung und Mitgefühl an ihn und seine Familie. Furtwangen ist ärmer geworden", erinnern sich viele Furtwanger an die großen Verdienste von Horst Siedle.

Ihm ist es zu verdanken, dass Produkte made in Furtwangen noch heute die ganze Welt erobern. Horst Siedles unternehmerisches Wirken brachte ihm zahlreiche Auszeichnungen ein. So bekam er 1999 das Bundesverdienstkreuz. Und 2008 verlieh ihm Ernst Pfister in seiner damaligen Funktion als Wirtschaftsminister die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg – seine wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen wurden damit gewürdigt.

Und auch die Politik war dem Unternehmer stets wichtig – er war 38 Jahre lang Gemeinderat, davon 25 Jahre lang Vorsitzender der FWV/FDP-Fraktion. 20 Jahre lang brachte er sich als Kreisrat in die Geschicke der Region ein. Und Furtwangen erhob dieses "Prachtexemplar der Bürgergesellschaft", wie Ernst Pfister ihn lobend nannte, vor zehn Jahren zum Ehrenbürger der Stadt Furtwangen.

Alles fängt klein an

Dabei fing auch all das einmal ganz klein an. Geboren wurde Horst Siedle im Jahr 1938 eigentlich in der heutigen Bundeshauptstadt Berlin – obwohl er Spross einer original Schwarzwälder Familie war. Sein Vater vertrieb die Produkte des Familienunternehmens dort. Horst Siedle erinnerte sich daran, wie er dort als kleiner Junge mit Kindern spielte, die einen gelben Stern an der Jacke trugen. Dass der Vater Max Siedle seinem Sohn diesen Umgang erlaubte, war risikoreich –­ aber mit den Nationalsozialisten wollte Max Siedle, erzählt man sich, auch sonst nichts zu tun haben. 1944 musste er für diese Haltung mit einem Berufsverbot büßen – er war als einziges Mitglied des Elektrogroßhandelsverbands nicht Mitglied der NSDAP – und gab lieber sein Geschäft auf, als Parteigenosse zu werden. So ging die Berliner Zeit zu Ende, und Horst Siedle wurde mit sechs Jahren zum Furtwanger; seine Familie bezog jenes Haus in der Baumannstraße, das er fast 60 Jahre später aufwändig sanieren ließ.

Dass Horst Siedle es bis in die Chefetage schaffte, war übrigens keineswegs per Geburt programmiert. Er sollte sich seine Sporen verdienen müssen, trat 1957 als Praktikant in das Familienunternehmen ein und musste alles von der Pike auf lernen: das Löten, die Herstellung von Kabelbäumen, die Montage von Netzgleichrichtern oder Telefonen und vieles mehr. Qualifiziert hatte sich Horst Siedle im Grunde genommen bei der Schweizer Tochter Siedle Electric. Sie baute er vom Ein-Mann-Betrieb zum gut laufenden Unternehmen aus. Zehn Jahre leitete er die Schweizer Tochter, erst 1970 wurde er Geschäftsführer der Mutterfirma.

Ungebrochen blieb sein Bekenntnis zum Standort Furtwangen, das betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Kalkulationen des sonst so scharfen Rechners manches Mal außer Kraft setzte. Schon legendär ist der Millionenkredit zu besten Konditionen, mit dem Siedle in den 1980er- Jahren der quasi zahlungsunfähigen Stadt Furtwangen half, die Gemeindefinanzen wieder ins Lot zu bringen.

"Keiner machte mehr in und für Furtwangen", würdigt ein Bürger auf Facebook Horst Siedle. Darin sind sich alle einig und trauern mit der ­Familie Siedle um ihren Ehrenbürger.

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