Hermann Fengler schaut nach illegalen Müllablagerungen. Hier hat er ein verwaistes Rad, einen Müllsack und ein Gittertor entdeckt. Foto: Reutter

"Stadtsheriff" Hermann Fengler berichtet von seinen Erfahrungen. Ermittlung der Täter ist schwer.

Furtwangen - Das Phänomen der illegalen Müllablagerung nimmt zu, stellt "Stadtsheriff" Hermann Fengler fest. Doch die Ermittlung der Verantwortlichen ist schwer. "Da sind Hinweise aus der Bevölkerung wichtig", hofft er auf Zeugen.

Mittlerweile 31 Jahre ist Fengler schon in Furtwangen unterwegs und schaut, dass Ordnung herrscht. Das macht ihn ein Stück weit stadtbekannt. "Die Älteren kenne ich meistens mit Namen", meint er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten und grüßt bei seiner Tour eine Frau, die gerade mit dem Rollator die Grieshaberstraße quert.

Unweit entfernt zeigt er unserem Mitarbeiter ein Rad, das schon über zwei Monate an einen Zaun angekettet ist. Er ist sich mittlerweile sicher, dass es der ursprüngliche Besitzer dort "entsorgt" hat. So etwas komme in Furtwangen etwa 15 bis 20 Mal im Jahr vor und sei typisch für Städte mit vielen Studenten. Er erwähnt Freiburg, wo sich am Bahnhof Dutzende Räder fänden, die im Lauf der Zeit mit platten Reifen oder ganz ohne Reifen immer verwahrloster aussähen.

Dreistigkeit nimmt zu

In Furtwangen tauchten besitzerlose Fundräder nicht nur in der Stadt auf, sondern seien auch im Bach, im Wald oder im Gebüsch zu finden. Womöglich habe ein Student mit einem gebrauchten Rad sein Studium begonnen und es nach Ende des Studiums auf diese Weise entsorgt. Wobei er Studenten nicht unter Generalverdacht stellen möchte. Aber so etwas komme eben häufiger vor in Städten mit vielen jungen Leuten.

Müllsünder seien aber nicht nur junge Menschen, sondern auch Erwachsene. Und die Dreistigkeit nehme zu. Er erinnert an einen Fund ganzer Kabelbündel in der Nähe der Rabenstraße unweit der Einmündung zum OHG. Die Kupferleitungen seien entfernt gewesen und lediglich die Kunststoffummantelungen in dem Waldstück im Wasserschutzgebiet hinterlassen worden, außerdem noch ein Farbeimer mit Malerwalze. Angesichts der Menge der Kabel und dass das Kupfer fehlte, vermutet Fengler einen Kupferdieb am Werk, der sich der wertlosen Reste seiner Beute auf diese Weise im Wald entledigen wollte.

Zeugen könnten sich gerne melden, sei es beim Ordnungsamt der Stadt, bei der Polizei oder auch beim Landratsamt. Der Fall mit den Kabeln habe sich vermutlich im Zeitraum zwischen dem 14. und 16. September ereignet.

Stadtpark ist im Sommer besonders gefährdet

Wenn die Täter ermittelt werden, können zum Teil saftige Bußgelder verhängt werden. Diese reichen je nach Schwere des Falls im städtischen Bußgeldkatalog bis 5000 Euro, beim Bußgeldkatalog des Landratsamtes sogar bis 100 000 Euro, informiert Fengler.

Als Gemeindevollzugsbediensteter sieht Fengler seine Aufgabe nicht darin, so viel wie möglich an Einnahmen durch Bußgelder dem Stadtsäckel zukommen zu lassen. Er möchte vielmehr ein Bewusstsein für Recht und Ordnung schaffen, scheut natürlich aber auch nicht zurück, gegebenenfalls ein Bußgeld zu verhängen.

Er freut sich über ein wachsendes Umweltbewusstsein, dass in Demonstrationen wie Fridays for Future Form annehme. Jedoch sei es mit Demonstrieren alleine nicht getan. Vielmehr müssten Taten folgen und zum Beispiel Müll vermieden oder eben auch richtig entsorgt werden. Oder für kleinere Strecken nicht das Auto genommen, sondern sie zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden.

Illegaler Mülle konzentriert sich nicht auf eine bestimmte Stelle in der Stadt, meint Fengler. Jedoch sei es schon so, dass der Stadtpark im Sommer besonders gefährdet sei. Dann seien hier tägliche Reinigungsgänge notwendig. Fengler appelliert auch an die Eltern, bei ihren Kindern eine Sensibilität für die Umwelt zu entwickeln und zu pflegen.

Info: Ein großes Feld an Aufgaben

Bei der Frage, was vor allem illegal in der Natur oder innerorts entsorgt wird, verweist Hermann Fengler auf Bauschutt. Aber auch Hausmüll wird häufig vorgefunden. Vor allem während der Sommermonate seien vor Gebäuden mit größeren Veranstaltungen Müll wie Getränkedosen, Flaschen, Zigarettenkippen und leere Verpackungen zu finden. Fahrräder, die häufig noch funktionsfähig sind, aber scheinbar nicht mehr gebraucht werden, werden irgendwo stehen gelassen. Diese lässt die Stadt dann in ihren "Fundradkeller" bringen, in dem derzeit 50 solcher Räder stünden, informiert Fengler. Zugenommen habe das Verkleben und Beschmieren von Parkscheinautomaten, Verkehrsschildern und Mauern.

Fenglers Aufgabengebiet als Gemeindevollzugsbediensteter beschränkt sich aber nicht auf illegale Müllentsorgung. Der 56-Jährige befasst sich auch mit Falschparken, der Marktordnung, Grünschnitt, also wenn beispielsweise Äste in den öffentlichen Raum ragen, Verstöße gegen die Räum- und Streupflicht, Ruhestörungen, Hundehaltung und anderem mehr.

Er ist für viele Bürger ein vertrautes Gesicht und ein willkommener Ansprechpartner, wenn irgendwo der Schuh drückt. Außer bei der Stadt arbeitet er noch als Pfleger bei der Sozialstation und bietet außerdem zwei Mal in der Woche ein Training für Kraft-, Box- und Nahkampfsport für Männer in der Jahnsporthalle an.

Bei all diesem Engagement zeigt sich seine soziale Ader und dass der Mensch für ihn im Vordergrund steht.

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