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Furtwangen "Die Fallers" drehen mit Hygiene- und Abstandsregeln

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Der Unterfallengrundhof nahe Furtwangen ist Drehort der SWR-Serie «Die Fallers - Die SWR Schwarzwaldserie». Sie wird seit 1994 ausgestrahlt und zählt bis heute über 1000 Folgen. Die Corona-Pandemie verändert und erschwert die Dreharbeiten, da ein strenges Hygiene-Konzept eingehalten werden muss. Foto: dpa

Furtwangen - Dreharbeiten für Fernsehserien mussten wegen des Coronavirus eine Zwangspause einlegen. Nun wird wieder produziert - unter erschwerten Bedingungen. "Die Fallers" im Schwarzwald haben jetzt Masken und neue Drehbücher - und meiden den Stammtisch in der Dorfkneipe.

Kuss- und Liebesszenen sind tabu, Aufnahmen mit Menschenmassen aus den Drehbüchern gestrichen worden. Die Schauspieler gehen auf Abstand. Über die Dreharbeiten wachen nicht nur Regisseur und Aufnahmeleiter, sondern neuerdings auch ein Hygienebeauftragter. Die wöchentliche Fernsehserie "Die Fallers" hat nach dreieinhalb Monaten Corona-Zwangspause mit Dreharbeiten begonnen. Sie ist nach Angaben des Südwestrundfunks (SWR) eine der ersten Serien in Deutschland, die wieder produziert. Wegen Corona ist vieles anders. Unterhaltend soll die Fernsehfamilie trotzdem sein.

Produktionsstopp im März

"Endlich geht es wieder los. Wir haben es vermisst", sagt Sebastian Mirow am Rande der Dreharbeiten. Der 52 Jahre alte Schauspieler, Ensemblemitglied am Theater Baden-Baden, spielt bei den "Fallers" im SWR Fernsehen seit elf Jahren den Bauer Markus Riedle. Vor dem Fallerhof bei Furtwangen im Schwarzwald trifft er den Landwirt Karl Faller, verkörpert von Peter Schell (63). Die beiden Bauern sind Freunde. Wegen Corona bleiben sie sichtbar auf Distanz zueinander.

Die Serie, die das Leben einer Schwarzwälder Bauernfamilie in heutiger Zeit erzählt, läuft sonntags um 19.15 Uhr im SWR Fernsehen mit den Hauptsendegebieten Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland. Gedreht wird an dem Originalschauplatz im Schwarzwald Folge 1094, sie ist Teil der 128. Staffel der seit 1994 laufenden Serie.

Produziert werden sollte sie bereits im März. "Wir hatten Drehbücher gelesen, Texte gelernt und waren startklar", sagt Mirow. Doch dann wurde wegen des Coronavirus ein Produktionsstopp verhängt - nicht nur bei den "Fallers" und anderen SWR-Produktionen, sondern branchenweit. "Es war schlagartig Schluss", erinnert sich der Schauspieler.

Gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut hat der SWR ein Konzept mit Abstands- und Hygieneregeln erarbeitet, das eine Wiederaufnahme der Dreharbeiten seit Ende Juni möglich macht. Der Schutz vor dem Coronavirus ist nun fester Bestandteil der Fernsehproduktion. "Die Dreharbeiten und Produktionsabläufe werden dadurch deutlich komplizierter", sagt Aufnahmeleiter Daniel Geier.

Maskenpflicht für die Mitarbeiter

So ist immer ein mobiler Desinfektionswagen vor Ort, an dem Hände gewaschen, gereinigt und desinfiziert werden kann. Ein Hygienebeauftragter achtet darauf, dass alle Regeln eingehalten werden. Es gilt ein Mindestabstand, die Zahl der Mitarbeiter wurde reduziert. Zudem braucht es mehr Fahrzeuge, um Darsteller und andere an die Drehorte zu bringen. Denn in einem Auto dürfen höchstens zwei Menschen sitzen. Sammelfahrten, wie früher, sind nicht mehr möglich. Auch das gemeinsame Mittagessen geht nur mit Abstand.

Zudem gilt für alle 35 bis 40 Menschen, die am Dreh beteiligt sind, Maskenpflicht. Auch die Schauspieler müssen sich daran halten, sagt Regisseur Alexander Wiedl. Die Masken abnehmen dürfen sie nur, wenn die Szene aufgenommen wird. Geprobt wird mit Maske. "Das ist schwierig, weil ein Schauspieler die Mimik des anderen nur erahnen kann", sagt Wiedl. Schauspiel lebe auch von Gesichtsausdrücken und Emotionen. Mit Maske sei dies schwierig, die Proben leiden darunter. Gearbeitet werde nun konzentrierter. Dies sei das Positive der Krise.

"Während der Produktionspause haben wir alle Drehbücher umgeschrieben, um den nun geltenden Regeln gerecht zu werden", sagt "Fallers"-Redaktionsleiter und Produzent Tobias Jost. Die in der Serie beliebten Szenen am Stammtisch der Dorfkneipe etwa, bei denen die Schwarzwälder auch mal eng beisammen sitzen, wurden gestrichen.

Groß thematisiert werde das Coronavirus in der Fernsehserie bewusst nicht, sagt Jost: "Die Folgen, die wir drehen, werden genau ein Jahr später gesendet." Aktuelle Bezüge seien daher schwierig: "Niemand kann heute vorhersagen, wie es in einem Jahr aussieht." Zudem sei die Serie unterhaltend: "Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, die Alltagssorgen auch mal zu vergessen und sich an unserer Serie zu erfreuen." Fernsehzuschauer sollten deshalb auch nicht merken, unter welch erschwerten Corona-Bedingungen gedreht wird.

Gefragt seien hierfür vor allem die Kameraleute, sagt Regisseur Wiedl. Weil die Schauspieler deutlich Abstand zueinander halten, müssten andere Kamerawinkel und Positionen gewählt werden: "Sonst würden die Szenen sehr statisch und wenig ansprechend aussehen." Auch die Licht- und Tontechnik müsse sich darauf einstellen.

Dem wegen des Coronavirus verhängten Produktionsstopp seien acht Folgen zum Opfer gefallen, sagt Jost. Diese würden bis Ende des Jahres, gemeinsam mit weiteren Episoden, nachgeholt. Die Folge seien mehr und längere Drehtage.

Im September wird die Serie 26 Jahre alt. Seit die "Lindenstraße" eingestellt ist, ist "Die Fallers" laut dem Sender die älteste noch laufende wöchentliche Serie im deutschen Fernsehen. Pro Folge schalten den Angaben zufolge mehr als eine Million Zuschauer ein.

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